Möglicherweise kommt es noch in dieser Woche zum Weltrekordtransfer: Neymar, dessen festgeschriebene Ablösesumme bei 222 Millionen Euro liegt, steht angeblich vor einem Wechsel vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain.
Transfergerücht: Barcelona will Ousmane Dembele als Neymar-Ersatz
Barca erwartet den Dribbelkünstler am Mittwoch zwar regulär zum Training, doch verschiedene Medien berichten, ein unterschriftsreifer Vertrag für den Brasilianer liege in Paris und warte nur darauf, in Kürze unterzeichnet zu werden.
Aber wäre dieser Schritt eigentlich nachvollziehbar? Da gehen die Meinungen auseinander. Auch in der Goal-Redaktion! Zwei Redakteure, zwei Meinungen.
| "Vom Adjutanten in Barcelona zum General in Paris" |
GettyVon Falko Blöding
Es kann nicht sein, was nicht sein darf – oder etwa doch? Rangen die ersten Meldungen über Neymars möglichen Wechsel zu Paris Saint-Germain den Barca-Fans höchstens ein müdes Lächeln ab, ist daraus längst mindestens ein ungläubiges Staunen, wenn nicht sogar Panik geworden. Der Angreifer steht mittlerweile tatsächlich vor einem Transfer zum französischen Pokalsieger und bei aller Absurdität um die Ablöse von 222 Millionen Euro (die Höhe von Neymars festgeschriebener Ausstiegsklausel) wäre es ein Deal, der durchaus plausibel ist.
Neymar ist im Moment vermutlich der drittbeste Fußballer der Welt. Er verfügt über die Anlagen, eines Tages die Nummer eins zu werden. Aber wie soll das auf Sicht gelingen, wenn ein aktuell noch größerer Ausnahmekönner in der eigenen Mannschaft spielt? Lionel Messi ist zu Recht der König von Barcelona und das wird auch erstmal so bleiben. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Leistungen des Superstars nachlassen und so lange das so ist, wird das Spiel des spanischen Pokalsiegers auf ihn ausgerichtet sein. Es wäre ja auch dumm, wäre das nicht so! Neymar bleibt also die Rolle des Zuarbeiters. Zwar mit Freiheiten ausgestattet, aber dennoch nicht der "Go-to-guy" im Angriff.
Neymar träfe bei PSG auf Dani Alves und Lucas Moura
Bei PSG wäre Neymar der unumstrittene Star in der Mannschaft. Ähnlich wie in der Selecao liefe das Spiel über ihn und er wäre der Fixpunkt in der Abteilung Attacke. Der 25-Jährige bekäme noch mehr Verantwortung, wäre das Gesicht des Vereins und ein weiterer, wichtiger Entwicklungsschritt ließe sich leichter vollziehen. Von einem Adjutanten in Barcelona zu einem General in Paris!
Hilft Real Madrid PSG beim Neymar-Deal?
Logisch, dass sich sein großer Traum vom Gewinn des Ballon d'Or an der Seine eher verwirklichen ließe. Dort könnte er Herausragendes leisten und wäre derjenige, dem man die Erfolge zuschriebe. Man stelle sich vor, mit Neymar gelänge endlich, was PSG nicht einmal mit Zlatan Ibrahimovic schaffte: der von den Klubbossen anvisierte Triumph in der Champions League. Neymars Name wäre für alle Zeit mit diesem Erfolg verbandelt und seine Leistungen hätten bei der Wahl zum Weltfußballer einen anderen Stellenwert als jene als Nummer zwei Barcelonas.
PSG ist und bleibt ein spannendes Projekt. Dort spielen aktuell so viele Top-Kicker wie bei kaum einem anderen Verein. Das Fundament für eine rosige Zukunft ist gelegt. Unter anderem träfe Neymar dort auf seine alten Spezis Dani Alves und Lucas Moura sowie auf die Nationalmannschaftskameraden Marquinhos und Thiago Silva. Sportlich befindet sich die Ligue 1 auf dem aufsteigenden Ast und ist längst nicht (mehr) die schwache Liga, zu der sie manche Kritiker und Blaugrana-Fans gerne machen möchten.
In Barcelona hat Neymar schon viele Titel gewonnen, darunter die Königsklasse und die Klub-WM. Warum also nicht ein neues Abenteuer wagen? Ein Abenteuer, das mit einem horrenden Gehalt versüßt würde! Egal wie hoch die Summe am Ende wäre, die Neymar pro Jahr kassiert. Und egal, wie hoch die Prämie wäre, die er und sein Vater für den Wechsel einstreichen: Der Brasilianer könnte noch einmal deutlich mehr Geld verdienen als in Katalonien und das ist bei einem Profi immer ein Faktor. Ganz egal, wie viel er bereits einstreicht.
Paris Saint-Germain bietet Neymar in dieser Phase seiner Laufbahn ein ungemein attraktives Gesamtpaket. Ob das Barcelonas Anhänger wahrhaben wollen oder nicht. Da ist es nur logisch, dass er dies in Betracht zieht und es wäre auch plausibel, nähme er es am Ende an. Und dann wäre eben doch wahr, was eigentlich nicht wahr sein darf.
| "In Barcelona ist die Chance auf weitere CL-Titel größer" |

Von Oliver Maywurm
Lionel Messi ist der beste Spieler der Welt. Punkt. Neymar kommt dem Argentinier sehr nahe, so gut wie Messi ist er aber (noch) nicht. Dass er deshalb in Barcelona nur die zweite Geige spiele – mit diesem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden.
Denn Messi ist nicht der Typ, der Erfolge nur für sich selbst einheimsen will, der Anerkennung alternativlos aufsaugt. Er teilt sie lieber – und das völlig zurecht auch und vor allem mit Neymar. Der Brasilianer weiß das, ist mit Messi und Luis Suarez, seinen kongenialen Partnern in der Offensive auch außerhalb des Platzes eng befreundet, ebenso wie mit vielen anderen Teamkollegen.
Mit Barcelona könnte Neymar eine Ära prägen
Warum also die Chance aufgeben, mit guten Freunden in den nächsten Jahren möglicherweise eine Ära zu prägen? Die Aussicht, weitere Champions-League-Titel zu gewinnen, den europäischen Fußball, ja den Weltfußball zu dominieren, ist für Neymar in Barcelona viel deutlicher umrissen als in Paris.
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PSG hat sicherlich ebenfalls eine Mannschaft der Extraklasse. Auf internationaler Bühne blieb der große Wurf bisher jedoch immer aus. Und in der Ligue 1, im nationalen Alltag, wäre Neymar zu selten wirklich gefordert. In Spanien hat er mit Real und Atletico zwei internationale Top-Teams, mit denen er und Barca sich messen müssen, hat mit Sevilla, Villarreal oder Bilbao weitere Mannschaften von hoher Qualität als Gegner.
In Frankreich dürfte PSG kommendes Jahr, nachdem Meister Monaco wichtige Stützen wie Bernardo Silva, Tiemoue Bakayoko oder Benjamin Mendy abgeben musste, wieder konkurrenzlos sein. Eine Situation, die Neymar, zumal kommenden Sommer die WM ansteht, bei der er Brasilien zum Titel führen soll, nicht gefallen kann.
Ein weiteres Argument für einen Verbleib bei den Blaugrana: In Barcelona ist er etabliert, hier hat er in den letzten vier Jahren schon viel geleistet, wichtige Trophäen gesammelt. Die Verantwortlichen, die Mitspieler, die Fans wissen genau, was er kann, wissen genau, wie wichtig der 25-Jährige ist. In Paris würde er bei Null anfangen – und bei zwei schlechteren Spielen in Folge würde ihm die 222-Millionen-Ablöse schneller von allen Seiten um die Ohren gehauen werden, als er gucken kann. Der Druck, die Erwartungen wären enorm, jeder noch so kleine Fehltritt disziplinarischer Natur würde noch argwöhnischer beäugt werden als in Barcelona.
Sicher hat Neymar schon des Öfteren nachgewiesen, mit großem Druck sehr gut umgehen zu können. Ihn ständig in der Form haben, die in Paris auf ihn warten dürfte, muss allerdings nicht sein. Zumal – und das ist das Wichtigste – er bei Barca sportlich schlichtweg das bessere Team an seiner Seite hat.





