In einem ausführlichen Interview mit dem kicker offenbarte der Coach die teils dramatischen Folgen des Skandals, der den Klub am Ende der vergangenen Saison den Aufstieg kostete und für den der Trainer die Verantwortung übernahm.
Auf die explizite Frage des kicker, ob er Morddrohungen erhalten habe, antwortete Eckert unmissverständlich: „Ja, das konnte auch nicht mehr ohne Polizei ablaufen. Ich möchte nicht auf Details eingehen, nur so viel: Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst zu fahren, sondern hinten im Auto zu sitzen. Das war sehr schwierig.“
Der 33-jährige Eckert, der Southampton beinahe vom Abstiegskandidaten zum Premier-League-Aufsteiger formte und trotz des Spygate-Skandals seinen Job behalten durfte, weiter: "Es war eine Situation, auf die kein Trainerkurs vorbereitet. Keine Ausbildung erklärt dir, wie du reagierst, wenn du aus Sicherheitsgründen plötzlich auf der Rückbank sitzen sollst. Es war, wie gesagt, sehr schwierig."
Aus der Fußballwelt habe er dagegen breite Unterstützung erfahren . „Nach der EFL-Entscheidung (Southampton von den Play-offs zu disuqlifizieren, die Red.) bekam ich viele Nachrichten, auch von Trainern aus England und aus der Bundesliga. Auch von bekannten Kollegen, mit denen ich vorher nie persönlichen Kontakt hatte“, verriet er im kicker-Gespräch. Das habe in dieser extremen Situation gutgetan.
Worum geht es im Spygate-Skandal um Eckert und den FC Southampton?
Der FC Southampton wurde im Mai kurz vor dem entscheidenden Aufstiegsfinale gegen Hull City von den Playoffs der EFL (English Football League) ausgeschlossen.
Ein Mitarbeiter aus dem Analyse-Team der „Saints“ war dabei erwischt worden, wie er heimlich, hinter einem Baum versteckt, das Training des Gegners Middlesbrough gefilmt hatte. Da dies gemäß der Regularien der English Football League (EFL) 72 Stunden vor einem Spiel verboten ist - und Southampton insgesamt drei solcher Fälle nachgewiesen werden konnten - griff die EFL hart durch. Neben der Disqualifikation wurde Southampton für die nun anstehende Zweitliga-Saison 2026/27 mit einem Abzug von vier Punkten belegt.
Eckert, der trotz des Skandals weiterhin bei Southampton im Amt ist, muss zudem noch die Konsequenzen einer Anklage durch den englischen Fußballverband (FA) wegen der Spionage-Vorwürfe abwarten, bei der eine persönliche Sperre im Raum steht. Im Juni hatte er sich bereits öffentlich bei Mitarbeitern, Spielern und Fans für die Vorfälle entschuldigt.
IMAGOWieso ließ Tonda Eckert das Training des Gegners filmen?
Wieso seine Mitarbeiter überhaupt das Training des Gegners filmten erklärt Eckert im kicker mit Unwissenheit über die Regularien der EFL: "Ich wusste es nicht, nein. Ich habe es aber autorisiert, deshalb liegt die Gesamtverantwortung bei mir. Gerade in England sind in der Rolle des Managers viele Aufgaben gebündelt. Die Entscheidung war falsch und hatte riesige Folgen für Spieler, Fans und den Verein", sagte Eckert.
Er sei im Sommer "zunächst als U-21-Trainer nach England gekommen und habe die erste Mannschaft erst im November übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein anderes Verständnis von Gegnerbeobachtung auf öffentlich zugänglichem Gelände", sagte er. Zwar würden die Trainer der Zweitligaklubs in England jeden Sommer geschult, aber "für U-21- oder anschließend für mich als Interimstrainer gab es diese Schulung nicht, aber die Regeln waren zugänglich. Es wäre meine Pflicht gewesen, sie zu kennen. Ich habe das im Sommer nachgeholt"; so Eckert.



