Auch mit knapp einer Woche Abstand schlagen die Aussagen von Bundestrainer Jürgen Klopp während der Halbzeitpause des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Bayern und Arsenal (2:2) hohe Wellen.
Der ehemalige DFB-Sportdirektor Sammer sieht Klopps Einlassungen zur Taktik des FCB und der Rolle von Starstürmer Harry Kane kritisch. In der Sky-Sendung 'Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk', die am Dienstag um 15.30 Uhr ausgestrahlt wird, sagte der 59-Jährige über Klopp: "Ich denke, er muss schnell lernen. Und, dass er ein Stück weit unterschätzt hat, dass er jetzt Nationaltrainer ist. Die Sensibilität und die Empfindsamkeit sind hoch. Auch ihm gegenüber. Das wird er aber schnell verstehen."
Ausgangspunkt waren Klopps Aussagen, er habe "bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht und will mich weiterbilden. Mal hybrid. Mal gegen den Mann, dann nicht gegen den Mann. Dann im Raum. Ich bin immer noch am Lernen, sagen wir es mal so."
Ziemlich skeptisch war Klopp auch, weil FCB-Torjäger Harry Kane gegen die Gunners oft eine weit zurückgezogene Position eingenommen hatte: "Sie haben gerade gesagt: 'Harry Kane ist heute überall.' Das finde ich mit Ball völlig in Ordnung. Aber wenn ich Harry Kane in der letzten Linie stehen sehe und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeldpressing, dann..."
Weiter führte er den Gedanken nicht aus, meinte jedoch auch: "Aber ich bin nicht der Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen. Aber abschließend dahinter gestiegen bin ich immer noch nicht."
Während Bayerns Cheftrainer Vincent Kompany dies nach dem Spiel nicht kommentieren wollte ("Da sage ich nichts zu. Nächste Frage."), hagelte es von mehreren Ex-Profis Kritik. Sammer meinte: "Ich glaube, Jürgen wird selber gut einschätzen können, was in Zukunft wirklich wichtig und was unwichtig ist. Da waren ein paar Dinge dabei, die hat er auch nicht nötig."
Matthias Sammer über Jürgen Klopp: "Damit tut er sich keinen Gefallen"
Gefragt, ob Klopp sich künftig mit öffentlichen Äußerungen zurückhalten sollte, antwortete der Europameister von 1996: "Absolut! Damit tut er sich keinen Gefallen. Aber er hält das aus. Das ist für ihn kein Problem. Er ist eine große und starke Persönlichkeit."
Getty ImagesKlopp ist seit wenigen Monaten Bundestrainer. Er übernahm das Amt nach der verkorksten Weltmeisterschaft des DFB-Teams in den USA, Kanada und Mexiko von Julian Nagelsmann. Die Endrunde in Nordamerika hatte Klopp noch als TV-Experte bei MagentaTV und sorgte dabei unter anderem mit seiner "Noch-Bundestrainer-Aussage" Richtung Nagelsmann für Wirbel.
In diesem Jahr stehen für Klopp und seine Mannschaft noch zwei Länderspiele auf dem Programm: Im November trifft Deutschland in der Nations League auf Serbien (13.11.) und die Niederlande (16.11.).



