In einer Masterclass des Senders Omroep Brabant erklärte Bosz, der von Juli bis Dezember 2017 als Verantwortlicher bei den Schwarzgelben an der Seitenlinie stand, warum er aus seiner Sicht damals so schnell entlassen wurde.
Bei einer Frage aus dem Publikum, ob er jemals Abstriche an seiner Spielvison machen musste, wenn er mit einem sehr guten Spieler zusammenarbeitete, kam Bosz auf seine Zeit beim BVB zurück. Den Anfang des Niedergangs markierte dabei eine 1:3-Niederlage in der Champions League gegen Real Madrid im September 2017.
"Da haben sich Sokratis Papastathopoulos, ein griechischer Innenverteidiger, der Torwart und der defensive Mittelfeldspieler zusammengesetzt und gesagt: 'Dieser Trainer ist total verrückt. Wir laufen viel zu weit nach vorne. Schau dir das mal an, wir kassieren drei Gegentore'", erinnerte sich Bosz zurück.
Die Spielerrevolte hätte dafür gesorgt, "dass die Mannschaft auseinanderzufallen begann. Da hätte ich eingreifen müssen. Ich hätte nicht mit ihnen reden sollen, sondern sie sofort aus dem Team werfen müssen. Mit dem Wissen von heute hätte ich das getan."
Welche Spieler er neben Sokratis genau meinte, ließ Bosz offen. Möglicherweise handelt es sich dabei jedoch um Roman Bürki, der als Keeper damals das BVB-Tor hütete und Nuri Sahin, der gegen die Königlichen im defensiven Mittelfeld startete.
Getty ImagesWann wurde Peter Bosz bei Borussia Dortmund entlassen?
Der BVB entließ Bosz im Dezember 2017, nachdem er nur eines seiner letzten dreizehn Spiele gewinnen konnte. Meinungsverschiedenheiten gab es derweil auch mit den Verantwortlichen in gewissen Transfer-Fragen, etwa um die Frage eines Wechsels des damaligen Star-Stürmers Pierre Emerick Aubameyang.
"Aubameyang war mein Stamm-Stürmer. Der Sportdirektor (Michael Zorc; Anm.d.Red.) hatte bei meiner Ankunft angedeutet, dass es keine Veränderungen im Kader geben würde, Aubameyang aber dennoch nach China wechseln würde", erklärte Bosz. "Dortmund würde 87 Millionen Euro für den Transfer erhalten, und er selbst könnte dort 24 Millionen Euro netto pro Jahr verdienen. Dann verstehe ich, dass man ihn nicht halten kann."
Der Transfer platzte jedoch. "Darüber war Aubameyang verärgert, vor allem, weil der Sportdirektor eine Woche später sagte, dass niemand mehr den Kader verlassen würde. Kurz darauf verkaufte Dortmund Ousmane Dembele für 140 Millionen Euro an Barcelona. Aubameyang war wütend und kam jeden Tag eine Minute zu spät in die Umkleidekabine."
Bosz erklärte anschließend, dass er Aubameyang zur Seite genommen habe. "Er sagte, es habe nichts mit mir persönlich zu tun, sondern sei vom Verein ausgegangen. Aubameyang kam weiterhin zu spät. Dann hatte ich irgendwann eine Pressekonferenz, und er ließ einen französischen YouTube-Kanal vorbeikommen, mit dem er noch einen Tag vor dem Spiel enorm beschäftigt war. Das war für mich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Da habe ich ihn an diesem Wochenende nicht aufgestellt."



