Es ist der Sommer 2003 und der FC Liverpool bereitet sich auf die anstehende Saison vor. Der blutjunge Angreifer Florent Sinama-Pongolle ist gerade erst aus Le Havre an die Merseyside gekommen und erlebt in der Halbzeit eines Vorbereitungsspiels etwas, das er später als "traumatisierend" bezeichnen wird. Protagonisten eines denkwürdigen Zoffs unter Mannschaftskameraden sind ausgerechnet Liverpool-Kapitän Steven Gerrard und Stürmer El-Hadji Diouf.
Gerrard knöpft sich seine Mitspieler in der Pause vor und fordert sie unter anderem auf, schneller den Ball abzuspielen. Stürmer El-Hadji Diouf, bereits seit einer Saison bei den Reds, aber des Englischen noch nicht mächtig, geht deswegen an die Decke. "Stevie G [..] meinte zu einigen Spielern: 'Du musst abspielen. Und du musst abspielen.' Da ist Diouf ausgerastet", erinnerte sich Simana-Pongole in einem Interview mit dem Journalist Walid Acherchour.
"Es war wahrscheinlich die größte Verschwendung von 18 Millionen Pfund in der Geschichte von Liverpool"
Der ehemalige französische Nationalspieler führte fort: "Steven Gerrard ging also auf ihn zu und sagt: 'Ey, Du Fi**er.' Diouf konnte ihm nicht antworten, also packte er sich Gerard Houllier (Liverpools damaliger Trainer, Anm. d. Red.) und forderte ihn auf: 'Sag ihm, ich fi**e seine Mutter.'" Der Zwischenfall an diesem Tag ist nicht der erste seiner Art und soll auch nicht der letzte zwischen den beiden Streithähnen bleiben.
2002 war Diouf nach starken Leistungen für den Senegal bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea zu Liverpool gewechselt und von Tag eins an war ihm "Stevie G" ein Dorn im Auge. "Als ich ankam, da habe ich ihm gezeigt, dass er nichts ist", sagte Diouf nach Gerrards Karriereende im Jahr 2016 bei SFR Spor: "Als Spieler respektiere ich ihn. Er ist ein großartiger Spieler. Aber als Mensch und Person nicht. Das habe ich ihm auch gesagt."
Auch der heutige Rangers-Coach hegte für seinen Kontrahenten von Beginn an Antipathien. In seiner Biografie "My Story" packte Gerrard über Diouf aus und warf ihm dabei vor, sich nicht für Liverpool interessiert zu haben. Und auch von den fußballerischen Fähigkeiten des Angreifers hielt er wenig: "Wir waren in der vorangegangenen Saison Vizemeister hinter Manchester United und eine Kombination aus Diouf, Salif Diao und Bruno Cheyrou sollte uns jetzt zum Titel führen. Es war wahrscheinlich die größte Verschwendung von 18 Millionen Pfund in der Geschichte Liverpools."
"Gerrard hat schwarze Menschen noch nie gemocht"
Diouf ließ die Aussagen in "My Story" nicht auf sich sitzen und erhob kurz darauf krasse Anschuldigungen. "Es war allgemein bekannt. Gerrard hat schwarze Menschen noch nie gemocht. Als ich in Liverpool war, habe ich ihm gezeigt, dass ich schwarz bin, kein Engländer, aber auch kein Schwächling. Die ganze Zeit über, die ich dort verbrachte, hat er sich nie getraut, mir in die Augen zu sehen", sagte er damals Radio Future Media. Gerrard schaltete daraufhin seinen Anwalt ein und erhielt zudem Unterstützung von Ex-Mitspieler Ryan Babel.
Dioufs größter Skandal ereignete sich aber im Jahr 2003. So spuckte der damals 22-Jährige bei einem UEFA-Cup-Spiel in Glasgow einen Celtic-Fan an und sorgte damit für einen so großen Aufruhr, dass er später von der Polizei vernommen wurde. Gerrard bezeichnete den Vorfall als Paradebeispiel für das "verächtliche und boshafte Auftreten" Dioufs.
Diouf verließ Liverpool 2004 Richtung Bolton, lief seinem Intimfeind Gerrard aber bis zu seinem Karriereende noch mehrmals im Dress der Wanderers, Sunderlands oder der Blackburn Rovers über den Weg.



