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Silva ChukwuemekaIMAGO / RHR-Foto

Keine Hilfe nach Konstantelias-Ausfall? Der BVB steckt in einem 45-Millionen-Dilemma

Es ist lobenswert konsequent, wie gradlinig die Verantwortlichen von Borussia Dortmund angesichts beinahe täglich kursierender Transfergerüchte um neue Spieler auf Fragen dazu mittlerweile antworten. Nämlich gar nicht. Carsten Cramer, Lars Ricken, Ole Book, Niko Kovac - niemand aus diesem Quartett ist trotz zahlreicher und freilich auch berechtigter Versuche der Medienvertreter bisher von dieser Linie abgewichen.

Deutlich mehr kommt naturgemäß herum, wenn es um Profis geht, die bereits im Kader des BVB stehen. Zwar drehte es sich am Montag bei Kovacs Pressekonferenz vor dem Auftaktspiel im DFB-Pokal bei Oberligist HEBC Hamburg einige Male zu oft um die unsinnigen Reaktionen in den sozialen Medien auf Samuele Inacios angeblich so bösen Flaschenwurf Richtung Dortmunder Wappen nach seiner Roten Karte gegen den HSV. Dennoch ließ der Coach bei zwei Personalien etwas erkennen, was sportlich nicht nur in der akuten Gegenwart von Bedeutung ist.

Denn die Frage, die sich die meisten rund um den BVB nun stellen, ist selbstverständlich: Wie wird die Borussia den am Kreuzband lädierten Neuzugang Giannis Konstantelias ersetzen? Hinsichtlich eines potenziellen Einkaufs von etwa Jadon Sancho verwehrte Kovac freilich einen Kommentar. Kurzzeitig bahnte sich eine feste Verpflichtung von Marcel Regula vom polnischen Erstligisten Zaglebie Lubin an, nun aber gibt es eine Einigung über eine Leihe bis Saisonende von Arsenals Ethan Nwaneri.

Wer allerdings Chancen hat, im Pokalspiel und womöglich darüber hinaus auf der halblinken Offensivposition eingesetzt zu werden, da wurde Kovac schon deutlicher.

Fabio Silva Borussia Dortmund 2025Getty Images

Ersatz für Giannis Konstantelias: Wer kommt beim BVB in Frage?

Ein möglicher Kandidat wäre Fabio Silva. Der Stürmer fristet beim BVB auch zu Beginn seiner zweiten Spielzeit ein schwieriges Dasein. Der Portugiese kommt meist von der Bank und ist gegen Serhou Guirassy, der bei Kovac einen großen Stein im Brett hat, ohne Chance. Wie bereits im Wintertransferfenster kursieren Wechselgerüchte um ihn, diesmal auch befeuert von Silvas eigenen Aussagen.

"Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich möchte natürlich mehr Spiele von Beginn an machen und der Mannschaft helfen. Ich möchte noch wichtiger sein. Wenn ich was anderes sage, würde ich lügen. Ich sage immer die Wahrheit", erklärte Silva kürzlich nach dem verlorenen Supercup gegen den FC Bayern (1:2), als er Dortmunds einziges Tor erzielte.

Auch beim 2:0 gegen den HSV am Samstag saß er draußen, diesmal über die volle Spielzeit. Entsprechend frustriert und angefressen sah man Silva im Anschluss, während Sportdirektor Book einen Abgang des 24-Jährigen quasi ausschloss. Ricken sagte über Silvas komplizierte Situation: "Dass ein Spieler dann nicht hundertprozentig glücklich ist, gehört zum Fußball dazu. Letztlich sind wir aber eine Mannschaft und jeder kann seinen Teil beitragen. Das kann man Fabio überhaupt nicht vorwerfen. Wir haben schon vor Wochen gesagt, dass hier kein Spieler das Gefühl haben soll, möglichst schnell den Verein verlassen zu müssen."

FBL-GER-BUNDESLIGA-DORTMUND-HEIDENHEIMGetty Images

Niko Kovac über Fabio Silva: "Wenn wir das jetzt auch noch umstellen ..."

Durch Konstantelias' Verletzung und Inacios Platzverweis dürften Silvas Chancen auf Startelfeinsätze steigen, könnte man meinen. Doch da geht Kovac nicht mit, wie er am Montag offenbarte. "Wir hatten es in der letzten Saison immer mal wieder auch getan", sagte er über Silvas bisherige Einsätze auf dieser Position, führte aber aus: "Wobei wir jetzt in dieser Saison schon sehr viele Spieler auf diesen beiden Halbpositionen haben. Wenn wir das jetzt auch noch umstellen, um ihm dort jetzt irgendwo noch einen Platz frei zu machen, dann wird's ein bisschen schwierig."

Der 54-Jährige argumentierte weiter: "Zumal wir dann vorne nur einen Stürmer haben. Deswegen glaube ich schon, dass er weiterhin derjenige sein wird, der vorn mit Serhou die Sturmspitze bilden wird und die anderen, da haben wir einige, spielen dann auf diesen sogenannten Halbpositionen."

Silvas großes Problem war bisher, dass er in seinen erst zehn Startelfeinsätzen nicht annähernd so überzeugte wie in den 30 Partien als Joker. Da glänzte der einmalige Nationalspieler mit hohem Laufpensum, viel Engagement und einer guten Dynamik, mit der er oftmals die biedere Statik des BVB-Spiels veränderte.

Carney Chukwuemeka Dortmund 01202026Getty Images

Carney Chukwuemeka: Eine mal wieder verletzte Alternative

Zehn seiner bislang elf Torbeteiligungen verbuchte Silva in Dortmund entsprechend als Einwechselspieler. Und dabei dürfte es bleiben, wenn Kovac nicht flunkert. Bereits vergangene Woche hat er zu Silva deutlich gemacht: "Er kennt seine Rolle in der Mannschaft. Serhou Guirassy ist unser Stürmer Nummer eins. Er ist der Herausforderer."

Ähnlich ernüchternd, aber auf andere Weise, ergeht es einem weiteren Neuzugang aus dem vergangenen Sommer. Carney Chukwuemeka macht seinem Ruf als ständig verletzter Profi auch aktuell wieder alle Ehre. In den vergangenen drei Partien stand er dem BVB nicht zur Verfügung.

Wie schon so oft bremsen ihn ominöse muskuläre Probleme aus, die der Verein nicht genauer spezifiziert. In der Vorbereitung konnte der österreichische Nationalspieler nur eineinhalb Halbzeiten mitmachen, sein letzter Auftritt liegt bereits über drei Wochen zurück.

FC Tokyo v Borussia Dortmund - Pre-Season FriendlyGetty Images

Was sagte Niko Kovac über Carney Chukwuemeka als Konstantelias-Ersatz?

Er wäre aber eine Alternative zu Konstantelias, wie Kovac mitteilte. "Es gibt sicherlich mehrere Spieler, die diese Position bekleiden können - dazu zählt auch Carney. Jeder Einzelne gibt dieser Position etwas, denn wir können nicht sagen, dass wir fünf Spieler haben, die so sind wie Delias. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Da sehe ich mehrere Spieler." Für den Trainer hat Chukwuemeka "auf dieser Position seine besten Spiele gemacht und dort sehe ich ihn auch letzten Endes".

Allerdings, das leidige Thema bleibt, das für Kovacs Fußball eine unumstößliche Grundbedingung darstellt: "Er muss an der Fitness arbeiten und dort hinkommen, damit er die Bundesligaminuten auch bekommen kann." Das bleibt weiterhin ein sehr langer Weg: 29 Minuten lief Chukwuemeka in seinen bislang 55 Spielen für den BVB durchschnittlich auf. Nur zwölfmal reichte es für die Startelf, erst einmal für die volle Spieldauer - im vergangenen April beim 1:2 in Hoffenheim. Es war überhaupt das erste Mal in seiner Karriere, dass Chukwuemeka sowohl bei An- als auch Abpfiff auf dem Platz stand.

FBL-GER-BUNDESLIGA-DORTMUND-FREIBURGGetty Images

Fabio Silva und Carney Chukwuemeka: 45 Millionen Euro Ablöse mit wenig Ertrag

Knapp 45 Millionen Euro Ablöse hat der BVB in Silva und Chukwuemeka investiert - und einen Ertrag erhalten, der bislang in keinem Verhältnis steht. Konstantelias' Ausfall verändert nun zwar die personelle Gemengelage, nicht aber Kovacs grundsätzliche Vorstellungen. Für Silva bleibt die Rolle des Herausforderers von Guirassy, Dauerpatient Chukwuemeka muss erst einmal fit werden.

Vielversprechend ist die Notsituation vorne links für beide damit nur auf den ersten Blick. Ob sich das bald ändert, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie lange die Borussia auf der halblinken Position improvisieren muss. Die Chancen sind hoch, dass Kovac im Pokal mit Inacio und am Wochenende in der Liga gegen Hoffenheim mit Maximilian Beier starten wird.

BVB, Spielplan: Die nächsten Spiele von Borussia Dortmund

Datum

Wettbewerb

Spiel

Dienstag, 1. September (20.45 Uhr)

DFB-Pokal

HEBC Hamburg vs. Borussia Dortmund

Samstag, 5. September (15.30 Uhr)

Bundesliga

TSG Hoffenheim vs. Borussia Dortmund

Dienstag, 8. September (21 Uhr)

Champions League, 1. Spieltag

Borussia Dortmund vs. Villarreal

Samstag, 12. September (15.30 Uhr)

Bundesliga

Borussia Dortmund vs. SC Paderborn

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