JURAJ KUCKA SLOVAKIA GERMANY FRIENDLY 29052016Getty Images

Juraj Kucka: Marek Hamsiks Teilzeit-Bodyguard

2006 war das Jahr des Sommermärchens, das erst später an Glanz verlieren sollte. Es war auch die internationele Geburtsstunde von Poldi und Schweini, stellvertretend für eine neue Generation deutscher Nationalspieler. Juraj Kucka dagegen kannte damals nahezu niemand. Er war 19 Jahre jung, spielte in der zweiten slowakischen Liga im 4000-Seelendorf Podbrezova. Die WM in Deutschland verfolgte er vor dem Fernseher, sah wie Italien schließlich triumphierte.

Wenige Wochen später wurde Kucka von einem Reporter gefragt, was denn sein größter Traum sei. "Ich würde gerne im Ausland spielen, am liebsten in der Serie A. Die beste Mannschaft dort ist der AC Mailand", antwortete der junge Mann. Ein ganz ordentlicher Kicker, mit einem utopischen Ziel vor den leuchtenden Augen, dachten die meisten, ist doch ganz nett.

Im vergangenen Sommer postete Kucka ein Foto dieses Interviews bei Instagram, schrieb dazu: "Träume werden wahr. Du musst daran glauben und Opfer bringen." Kurz zuvor hatte er einen Vertrag unterschrieben - beim AC Mailand. In der abgelaufenen Saison war der Mittelfeldspieler gar einer der besten Akteure in Italiens höchster Spielklasse.

So verwundert es kaum, dass der 29-Jährige längst eine feste Größe in der slowakischen Nationalmannschaft ist. Am Sonntag gipfelt Kuckas kometenhafter Aufstieg in seinem bis dato größten Spiel: dem EM-Achtelfinale gegen Deutschland (18.00 Uhr im LIVE-TICKER).

Kucka spielt neben Marek Hamsik im zentralen Mittelfeld, vereint Eigenschaften eines Sechsers und Zehners, ist aber auch keine klassische Acht. Seine Spielweise ist kraftvoll, athletisch, dynamisch, gleichzeitig temporeich. Mit seiner feinen Technik kann er als Ballschlepper fungieren, seine Gegenspieler aussteigen lassen. Vor allem seine Handlungsschnelligkeit zeichnet ihn in Ballbesitz aus, weshalb er ein hervorragender Umschaltspieler sein kann und damit perfekt ins Konzept von Trainer Jan Kozak passt. Zudem ist er im Spiel gegen den Ball ein unangenehmer Zeitgenosse: giftig, robust im Zweikampf, stark in der Balleroberung.

ManUnited-Legende als Vorbild

Spielerisch orientiert er sich an seinem Vorbild Paul Scholes. Den langjährigen Mittelfeldspieler von Manchester United bezeichnete er einst gegenüber der Gazetta dello Sport als "Held" und sagte: "Er ist einzigartig." Kucka ist dementsprechend keine billige Scholes-Kopie. Er ist größer als sein Vorbild, agiert körperbetonter und ist gleichzeitig nicht so gefährlich im Torabschluss. Gewisse Parallelen zwischen den Akteuren gibt es dennoch.

Wie einst Scholes ist sich auch Kucka nicht zu schade für die Drecksarbeit, im Gegenteil: Er liebt diese "Abnutzungskämpfe", von denen Bundestrainer Joachim Löw so gerne spricht. Er hat kein Problem, seine offensiven Qualitäten im Sinne des Mannschaftserfolgs zurückzustecken, mitunter als eine Art Bodyguard für Superstar Marek Hamsik zu fungieren.

Gegen Deutschland dürfte das seine Hauptaufgabe sein, die Slowakei wird sich voraussichtlich schließlich weit zurückziehen. Letztendlich ist das für Kucka nicht von großer Bedeutung. Viel wichtiger ist, dass er bei einem großen Turnier als einer der Protagonisten auf dem Rasen steht. Vor dem Fernseher sitzen diesmal andere.

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