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GER ONLY Klaus-Michael KühneImago

Jovanovs HSV: Ohne Kühne geht nichts mehr


HINTERGRUND

Der Inhalt der Pressemitteilung von Klaus-Michael Kühne hätte deutlicher nicht sein können. Entweder passiert das, was er will. Oder es gibt kein Geld mehr von ihm. Seine Forderung: Der "voraussichtliche Wahlvorschlag" des Vereinspräsidenten Jens Meier für die anstehenden Aufsichtsratswahlen soll nicht zum Zuge kommen. Es fehle an unabhängigen Kandidaten mit mehrheitlich wirtschaftlicher Kompetenz, heißt es in dem Schreiben. Der eigentliche Hintergrund: Meier und einige seiner Mitstreiter, vor allem aus dem Beirat, wollen Kühnes rechte Hand Karl Gernandt und dessen Verbündete Felix Goedhart und Dieter Becken rauswerfen. Kühne wiederum fordert Kontinuität im höchsten Kontrollorgan des Hamburger SV, wie er später via Vereinshomepage ergänzte.

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Aus meiner Sicht sind in diesem Machtkampf mehrere Aspekte äußerst problematisch. Erstens: Gibt es angesichts der Bilanz der letzten Jahre - Verluste in Höhe von 31,3 Millionen Euro, fallende Umsatzzahlen, Anstieg der Verbindlichkeiten, Verkauf von knapp einem Viertel der AG-Aktien, zwei Fast-Abstiege und Transfers in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro - auch nur einen Grund für Kontinuität in diesem Rat? Auch Meier, seit 2013, also noch vor der Ausgliederung dabei, kann keinen einzigen Erfolg vorweisen. Ein vollständiger Neuanfang wäre daher nur logisch.

Kühne sitzt am längeren Hebel

Zweitens: Kühne trägt diesen Machtkampf in der Öffentlichkeit aus und demonstriert damit abermals, wie erpressbar der HSV geworden ist. Er nimmt damit bewusst das Risiko in Kauf, den HSV zu spalten und in den Fokus der DFL zu geraten. Einige halten zwar eisern an der These fest, dass aus Frankfurt nie ernsthafte Konsequenzen zu befürchten seien. Auch im Sommer, als der Ligaverband wegen des Verdachts, Kühne nehme Einfluss auf die Transferpolitik des HSV, Ermittlungen aufnahm, war das Thema nach kurzem Schriftverkehr aus der Welt. Aber kann sich darauf wirklich jemand dauerhaft verlassen? Fakt ist: Als Minderheitsgesellschafter steht Kühne rechtlich nicht einmal ein Interessensvertreter zu. Geschweige denn, dass er über die Gesamtbesetzung mitentscheiden darf.

Medien: HSV bangt ohne Kühne um Lizenz

Drittens: Es mag ein hehres Ziel sein, sich aus der Abhängigkeit eines Investors befreien zu wollen, der nicht nur die falschen Berater an seiner Seite hat, sondern mit öffentlichen Statemens regelmäßig Spieler oder Manager schwächt. Allerdings: Wie wahrscheinlich ist es, dass der HSV, der kürzlich noch heimlich Anteile verkaufte, einen kalten Entzug überleben würde? Oder anders gefragt: Wer springt ein, wenn's mit dem Geld wieder ein wenig knapper wird? Meier ist zudem als Chef einer Art öffentlich-rechtlicher Institution (Hamburg Port Authority) der völlig falsche Mann, um Kühne in dieser prekären Lage die Stirn bieten zu können - aus der Hamburger Politik gibt es nicht zum ersten Mal Ärger wegen seines zeitaufwändigen und medienwirksamen Engagements bei den Rothosen.

Segen, Fluch oder beides?

Es gibt in der Debatte darüber, ob Kühne Segen oder Fluch ist, keine eindeutige Antwort. Er ist in gewisser Weise beides: Brandstifter, weil er den HSV mangels Durchsetzungsstärke zu sinnlosen, aber äußerst teuren Maßnahmen treibt (zum Beispiel der Verpflichtung von Rafael van der Vaart), die die Krise nur verschlimmern; Feuerlöscher, weil er anschließend die finanziellen Löcher wieder gestopft hat. Aber immer nur so, dass es gerade noch passt. Luft beziehungsweise Geld zum Atmen hatte keiner der zahlreichen Vorstände oder Sportdirektoren. Und wenn doch Geld floss, spielten sie damit in der Regel All-In. Dieser Versuchung muss tatsächlich ein Ende gesetzt werden.

Jedoch ist es inzwischen zu spät, die Lage viel zu verfahren, um sich abrupt von Kühne zu emanzipieren. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich die finanzielle Situation nämlich nicht entspannen, zumal so gut wie alle Optionen der Geldbeschaffung ausgereizt sind. Der Kompromiss müsste darin bestehen, gemeinsam einen Plan zu erarbeiten, wie der HSV seine Kosten in Zukunft allein tragen und auf eigenen Beinen stehen kann. Ein echter "Gönner" wird doch wohl nur das Beste für seinen Herzensklub im Sinn haben. Und nicht nur über alle Köpfe hinweg regieren wollen. Oder?

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