Was mehreren deutschen Torwartlegenden in den vergangenen fast 50 Jahren verwehrt blieb, ist Bayern Münchens Jonas Urbig in seinen ersten beiden Auftritten für das DFB-Team gelungen.
Der FCB-Keeper hatte am vergangenen Donnerstag bei Deutschlands 2:0-Sieg im Nations-League-Spiel gegen Serbien sein Länderspieldebüt gefeiert und erhielt von Bundestrainer Jürgen Klopp beim 0:0 in Griechenland am Sonntag dann gleich seinen zweiten Einsatz im DFB-Tor.
In beiden Partien wahrte Urbig eine weiße Weste und ist damit laut Datenanbieter Opta erst der zweite deutsche Torhüter seit 1977, der in seinen ersten beiden Länderspielen über die vollen 90 Minuten jeweils ohne Gegentor blieb. In den vergangenen 49 Jahren gelang das gleiche Kunststück demnach lediglich Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) im Oktober und November 2024. Seinerzeit hielt der 36-Jährige, bei der WM noch Deutschlands Nummer zwei und für die ersten Länderspiele unter Klopp jedoch nicht nominiert, seinen Kasten bei einem 1:0 gegen die Niederlande und einem 7:0 gegen Bosnien-Herzegowina jeweils sauber.
Was Baumann und nun eben auch Urbig schafften, war zuvor so mancher deutschen Torwartlegende nicht vergönnt gewesen. Manuel Neuer, bei Bayern aktuell noch die Nummer eins vor Urbig, war seine weiße Weste einst schon nach dem Länderspieldebüt los (7:2-Testspielsieg gegen die Vereinigten Arabischen Emirate im Juni 2009).
Oliver Kahn, genau wie Neuer mehrmals Welttorhüter des Jahres, kassierte in den ersten beiden seiner insgesamt 86 Länderspiele jeweils ein Gegentor: Im Juni 1995 bei einem 2:1-Testspielsieg gegen die Schweiz und im September 1995, als Kahn bei einem 4:1 gegen Georgien in der Qualifikation zur EM 1996 ran durfte.
Jens Lehmann, eine weitere deutsche Torwartikone und Nummer eins bei der Heim-WM 2006, ist in dieser Statistik gewissermaßen ein Sonderfall: Der heute 56-Jährige blieb in seinen ersten beiden Länderspielen (2:0 gegen Oman im Februar 1998 und 7:0 gegen Luxemburg im Juni 1998, jeweils Testspiel) zwar wie Urbig und Baumann jeweils ohne Gegentor, allerdings wurde Lehmann in beiden Fällen erst zur zweiten Halbzeit für den damaligen Stammkeeper Andreas Köpke eingewechselt. In seinen beiden ersten Länderspieleinsätzen über die vollen 90 Minuten, die für das DFB-Team jeweils gründlich in die Hose gingen, musste Lehmann dann sehr wohl hinter sich greifen: Bei einer 0:1-Testspielniederlage gegen Schottland im April 1999 und einem 0:4 gegen Brasilien beim Confederations Cup im Juli 1999.
Getty ImagesUrbig indes war Anfang 2025 vom 1. FC Köln zu den Bayern gewechselt und wird in München seither als künftiger Nachfolger Neuers aufgebaut, der seine Karriere im kommenden Sommer möglicherweise beendet. Urbig ist zwar die Nummer zwei, erhält aber immer wieder Spielpraxis, kam in dieser Saison bisher schon zu zwei Einsätzen.
Jürgen Klopp erklärt Vorgehen bei Jonas Urbig
Für die deutsche A-Nationalmannschaft war der 23-Jährige erstmals noch von Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann nominiert worden, kam bei den Testspielen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) unmittelbar vor der enttäuschenden WM in Nordamerika allerdings nicht zum Einsatz. Klopp berief Urbig nun für den zweiten Teil seines XXL-Kaders für die ungewohnt lange Länderspielphase und setzte nach dem Debüt gegen Serbien auch in Griechenland auf den Bayern-Keeper.
"Es ist so, dass alle Jungs, die wir dabeihaben, regelmäßig spielen, bei Jonas ist das anders. Deshalb haben wir geplant, dass er noch ein Spiel bekommt", hatte Klopp am Tag vor dem Griechenland-Spiel erklärt, warum Urbig erneut den Vorzug gegenüber Noah Atubolu (Nummer eins bei Eintracht Frankfurt) und Finn Dahmen (Nummer eins beim FC Augsburg) erhielt.
Den Status als neue Nummer eins des DFB-Teams nach dem erneuten und endgültigen Neuer-Rücktritt hat Klopp vorerst Marc-Andre ter Stegen zugeteilt. Der derzeit vom FC Barcelona an Ajax Amsterdam verliehene Routinier stand bei Klopps Bundestrainer-Premiere gegen die Niederlande (1:1) im Kasten, war im zweiten Teil des DFB-Kaders für die zurückliegenden Nations-League-Partien dann allerdings nicht mehr vertreten.
Urbig dürfte nach den guten Eindrücken aus seinen ersten beiden Länderspielen gute Chancen haben, sich zum ersten Herausforderer ter Stegens zu entwickeln. Gegen die Griechen hatte Urbig viel Ruhe ausgestrahlt und zudem mit einer frühen Parade geglänzt, als er in der 2. Minute bei einer der seltenen gefährlichen Offensivaktionen Griechenlands einen Kopfball von Georgios Masouras herausragend entschärfte.

