Joachim Löws Götterdämmerung: Bundestrainer lässt Zukunft offen

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Joachim Löw will "in Ruhe" darüber reden, ob er als Bundestrainer weitermacht. Präsident Reinhard Grindel stellt bereits Bedingungen.


HINTERGRUND

Joachim Löw war am Boden zerstört. Seine schwarz-rot-goldenen Glücksbändchen hatte der mit seiner Mannschaft so blamabel gescheiterte Weltmeistercoach längst achtlos abgelegt, als er über den Wolken über seine Zukunft als Bundestrainer grübelte. Eine Antwort hatte Löw auch bei der Landung am Donnerstagnachmittag in Frankfurt noch nicht gefunden.

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"Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen", hatte Löw am Abend der ebenso historischen wie katastrophalen 0:2 (0:0)-Pleite gegen Südkorea gesagt, die das erste Vorrunden-Aus in der 84-jährigen deutschen WM-Geschichte besiegelte. Ein Hauch von Götterdämmerung wehte durch die Kasan-Arena.

Löw wusste: Ein "Weiter so!" kann es nicht geben - obwohl er seinen Vertrag erst kurz vor Turnierbeginn bis 2022 verlängert hatte. Doch er erbat sich Zeit, "ich bin auch geschockt", sagte er und rang sichtlich um Fassung.

Joachim Löw über Zukunft: "Darüber muss man in Ruhe reden"

"Ich bin frustriert, klar", meinte Löw, er müsse sich "erst einmal sammeln." Der überaus schmerzhafte K.o. hat ihn völlig unvorbereitet getroffen, "ich hätte mir das auch nicht vorstellen können, dass wir gegen Südkorea verlieren", gab er zu.

Die Enttäuschung darüber sitze "tief in mir drin", betonte Löw mit roten Augen. Ein sofortiger Rücktritt als Konsequenz der Katastrophe erschien ihm jedoch nicht klug. "Wie es weiter geht, darüber muss man in Ruhe reden", sagte er. Erste Gespräche gab es noch in der Nacht.

Joachim Löw Germany WC 2018 27082018

T-Online.de-User fordern Rücktritt von Joachim Löw

Eine Mehrheit der Deutschen sprach sich am Tag nach dem Debakel für einen Rücktritt Löws aus. In einer von t-online.de in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage antworteten 55,1 Prozent der Teilnehmer auf die Frage, ob Löw zurücktreten solle, mit "Ja, auf jeden Fall" oder "Eher ja". 32,9 Prozent antworteten mit "Eher nein" oder "Nein, auf keinen Fall". Zwölf Prozent hatten keine klare Meinung.

Löw, seit 2006 im Amt, ist bewusst: An diesem schwarzen Abend in Kasan ist etwas zerbrochen. "Vieles, das wir uns aufgebaut haben", sei an der Wolga kaputtgegangen, sagte er. Und das wird, das muss Konsequenzen haben. Auch für ihn?

Reinhard Grindel hält an Joachim Löw fest

DFB-Präsident Reinhard Grindel stärkte Löw den Rücken. Der Verband habe den Vertrag mit seinem wichtigsten Angestellten deshalb verlängert, weil er diesem den Neuaufbau der Mannschaft in Richtung EM 2020 und WM 2022 zutraue. "Diese Meinung gilt für mich nach wie vor", sagte Grindel. Löw selbst sprach vor der desaströsen Russland-Reise von seiner "Vision" einer neuen, schlagkräftigen Mannschaft.

Aber: Grindel erwartet von der sportlichen Leitung um Löw und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff "eine saubere Analyse". Dann "werden wir darüber sprechen und die notwendigen Konsequenzen ziehen". Welche? Das ist offen.

Reinhard Grindel Joachim Löw 07102017

Müller, Kimmich und Hummels hoffen auf Löw-Verbleib

Bierhoff, der wie Löws Assistenten Thomas Schneider, Marcus Sorg und Andreas Köpke ebenfalls bis 2022 verlängert hatte, geht "fest davon aus, dass Jogi weitermacht". Klar werde es "wichtig sein, dass wir alles aufarbeiten", betonte er, "jeder für seinen Bereich". Aber "alles über den Haufen schmeißen"? Nein, betonte Bierhoff.

Mats Hummels stützte diese Sicht. "Es war das erste Mal, dass etwas unter seiner Trainerschaft nicht so gut funktioniert hat", sagte er über Löw. Dieser müsse "in jedem Fall weitermachen", meinte Joshua Kimmich, und Thomas Müller sagte: "Wir sind alle von seinem Weg überzeugt."

Mats Hummels Joachim Löw DFB 23062018

Bierhoff bat darum, Löw "Zeit zu lassen". Der Bundestrainer hat sein Tun nach Turnieren noch immer reflektiert. Gerne zog er sich dafür in die Sonne zurück - um nach ein paar Tagen weißen Rauch aufsteigen zu lassen: Ja, ich will (noch)!

So könnte es auch diesmal kommen, meinte Bierhoff. Er erwartet, dass Löw "im September die Sachen wieder richtig angeht". Dann steht in München gegen Frankreich in der neugeschaffenen Nations League das nächste Länderspiel an.

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