"Kimmich geht als Kapitän mit seiner Erfahrung - und vor allem mit seiner Leistung voran. Ich weiß gar nicht, warum über Kimmich diskutiert wird", schrieb Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Für den Rekordnationalspieler ist der 31-jährige Mittelfeldstratege "beim FC Bayern und im DFB-Team nicht wegzudenken".
Kimmich spielte als Solosechser in Klopps 4-3-3-System ordentlich gegen die Niederlande, für Klopp war er sogar "der beste deutsche Spieler". Dann legte er aber einen unglücklichen Auftritt bei der Pleite gegen Griechenland hin. Obwohl er als Kapitän verständlicherweise bei der Mannschaft bleiben wollte, musste Kimmich als Teil von Klopps erstem Kader anschließend planmäßig abreisen.
Statt Kimmich zu stärken, befeuerte Klopp mit flapsigen Aussagen ("Das kann ich Jo sagen: Je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.") die ohnehin schon aufflammenden Debatte um seinen Kapitän. Mit Alexander Pavlovic in der Kimmich-Rolle als tiefem Sechser und Tom Bischof sowie Florian Wirtz in den Halbräumen spielte das DFB-Team gegen Serbien und in Griechenland deutlich ansehnlicher als zuvor.
Jürgen Klopp lobt Joshua Kimmich für dessen Chipbälle
"Manche kritisieren, Kimmich spiele den Ball zu häufig quer und zurück", erklärte Matthäus und zog einen historischen Vergleich zu einer Ikone des FC Bayern. "Aber wo hat denn ein Bastian Schweinsteiger früher die Bälle hin gespielt? Der hatte 180 Ballkontakte im Mittelfeld, aber nach vorne ist in Bayerns damaligem Tiki-Taka-Spiel auch häufig nichts gegangen. Kimmich spielt nicht nur quer oder nach hinten, sondern sorgt mit seinen Chipbällen auch vorne für Gefahr. Im Verein und in der Nationalmannschaft."
Etwas im Widerspruch zu diesem klaren Plädoyer befand Matthäus in seiner Kolumne jedoch ebenfalls, dass Kimmich "keinen Freifahrtschein" und wie der nicht nominierte Publikumsliebling Deniz Undav "auch keinen Puffer" habe. "Das Leistungsprinzip zählt für alle, und wenn Kimmich nicht so performt, wie Klopp es sich für seinen Spielstil vorstellt, hat er in Aleksandar Pavlovic, der gegen Serbien und in Griechenland zu den Besten gehörte, aus den Reihen des FC Bayern einen großen Herausforderer."
Ungeachtet der Kimmich-Debatte forderte Matthäus, Klopp müsse vor der nächsten Länderspielphase Mitte November einen "Stamm von 15 bis 17 Spielern finden, auf die er setzt". Dann geht es zum Abschluss der Nations-League-Ligaphase auswärts gegen Serbien und zuhause gegen die Niederlande.



