"Details haben heute den Ausschlag gegeben. Das Spiel war schwierig, wir hatten einige Möglichkeiten, konnten sie aber nicht nutzen. Hoffenheim war dreimal im Sechzehner und hat zwei Tore gemacht", gab sich der Trainer des FC Bayern München, Carlo Ancelotti, nach Schlusspfiff zugeknöpft. Die Details, die er ansprach waren in den Sekunden vor dem 1:0 durch die TSG 1899 Hoffenheim zu sehen. Mats Hummels, der Innenverteidiger des Rekordmeisters drosch den Ball über die Seitenlinie. Möglichst weit weg. Einwurf Hoffenheim.
Julian Nagelsmann - Bayerns Schreck und Bayerns Zukunft?
TSG-Balljunge Umut T. reagierte blitzschnell, warf das Leder in Sekundenbruchteilen zu Andrej Kramaric. Der brachte seinen Einwurf zu Mark Uth, der nicht lange zögerte, abzog und Manuel Neuer überwinden konnte. 1:0. Der Grundstein für den zweiten Hoffenheimer Sieg gegen den FC Bayern am Stück war gelegt. Das Tor zählte, trotz zweier Bälle auf dem Spielfeld - und auch der Balljunge zeigte sich nach der Partie glücklich über seine Aktion.
"Wir waren in allen Statistiken schlechter"
Eine Aktion, die auch Julian Nagelsmann erfreute. "Wir freuen uns, dass wir heute gewonnen haben. Wir waren in allen Statistiken schlechter, aber das zählt halt nicht. Bayern kam ganz anders aus der Kabine als letzte Saison (auch damals verlor der FCB gegen die TSG in Sinsheim. Hier geht's zur Analyse). Wir haben eine einheitliche Ausbildung, auch die Balljungen bringen den Ball schnell ins Spiel zurück", sagte der Trainer des Siegers nach Spielschluss. Mit Blick auf die nackten Zahlen hätte keiner der anwesenden Zuschauern und Fans auf einen Sieg der Hoffenheimer gesetzt, aber unverhofft kommt eben oft.
Goal+Und Nagelsmann hatte Recht. In allen Statistiken war der Rekordmeister überlegen - nur in der der erzielten Tore nicht. Wirft man beispielsweise einen Blick auf den Ballbesitz, haben die Bayern mit 72 Prozent das Geschehen in der Wirsol-Arena in Sinsheim deutlich dominiert. Auch die Anzahl der gespielten Pässe (653 Bayern zu 270 Hoffenheim) spricht eine deutliche Sprache. Aus ihrer Überlegenheit generierten die Münchner mehr Schüsse. Insgesamt sechsmal feuerten Robert Lewandowski, Thomas Müller und Co. auf das Tor von Oliver Baumann; neunmal schoss man vorbei. Hoffenheim brachte nur zwei Schüsse auf Manuel Neuers Kasten und verwandelte beide - die Chancenverwertung, die fast einzige Statistik, in der die Gastgeber in der Endabrechnung besser dastanden.
Mats Hummels im Interview nach Spielschluss: "Haben das falsch eingeschätzt"
Dass die Hoffenheimer allerdings das Spiel gegen Bayern enorm ernst nahmen und Einsatz zeigten, geht aus der Zahl der erfolgreichen Tackles zweifelsfrei hervor. 79 Prozent davon konnten die Gastgeber erfolgreich gestalten, der FC Bayern dagegen nur 68.

Nur einer aufseiten des Klubs aus der bayrischen Landeshauptstadt hatte einen kleinen Grund zu feiern: Thomas Müller absolvierte sein 400. Spiel im roten Trikot (Hier gibt's alles zur Entwicklung des Rekordspielers beim FC Bayern seit den van Gaal'schen Zeiten). Er ist damit der erst 14. Profi, der diese Schallmauer seit dem Aufstieg der Bayern in die Bundesliga im Jahr 1964 knacken konnte.
Galerie: Alle Rekordspieler des FC Bayern
Für Bayern München war es übrigens die früheste Niederlage seit sechs Jahren; 2011/12 hatte es schon am 1. Spieltag ein 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach gegeben. Letztes Jahr hatte der Serienmeister am 11. Spieltag erstmals verloren (0:1 beim
BVB).





