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Thomas HitzlspergerGetty Images

Hitzlsperger im Goal-Interview: So will Stuttgart die Mercedes-Millionen investieren


EXKLUSIV

Seine erfolgreichste Zeit erlebte Thomas Hitzlsperger zwischen 2005 und 2010 beim VfB Stuttgart. 2007 gewann er mit den Schwaben sogar die Meisterschaft in der Bundesliga. Seit rund einem Jahr engagiert sich der 52-malige Nationalspieler als Funktionär im Verein.

Als Berater für den Vorstand in der Schnittstelle zwischen der Vereinsführung und dem Lizenzspielerbereich will er für den Absteiger des vergangenen Jahres wieder für bessere Zeiten sorgen. Dabei bringt der 35-Jährige seine sportliche Erfahrung ein.

Mit dem direkten Wiederaufstieg wird das wichtigste Ziel am kommenden Wochenende aller Wahrscheinlichkeit nach erreicht werden. Bei der Verleihung des Deutschen Fußballbotschafters sprach Hitzlsperger mit Goal über die vergangene Saison, die Planungen für die Bundesliga und mögliche Millionen-Investitionen durch Mercedes.

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Herr Hitzlsperger, dürfen wir Ihnen bereits zum Aufstieg gratulieren? Immerhin hat Stuttgart einen Spieltag vor Schluss drei Punkte und zehn Tore Vorsprung auf Platz drei.

Thomas Hitzlsperger: Sie können machen, was Sie wollen (lacht). Aber entscheidend ist ja, wie die Mannschaft damit umgeht - wie wir alle damit umgehen. Es sieht gut aus, aber es ist trotzdem noch einmal eine ganz normale Trainingswoche. Das hat der Trainer auch betont. Die Voraussetzungen sind aber sehr gut, dessen sind wir uns bewusst.

Wie hat der Verein denn die Erfahrung in der 2. Liga mitgenommen? Was war anders als in der Bundesliga?

Hitzlsperger: Es war nicht zu erwarten, dass so viele Zuschauer zu den Heimspielen kommen würden. Es war auch sensationell, wie viele Fans bei den Auswärtsspielen dabei waren. Wenn man jetzt nach dem 33. Spieltag Erster ist, ist das ein ganz anderes Gefühl, als in der Bundesliga jahrelang gegen den Abstieg zu spielen. Die Fans haben wieder Freude am VfB und das ist deutlich spürbar.

Und wie ist die spielerische Qualität?

Hitzlsperger: Klar, der Unterschied zur Bundesliga ist schon deutlich erkennbar, vor allem was die Ruhe am Ball und das Passspiel betrifft. Die meisten Partien waren spannend und unsere Mannschaft hat vor allem in der Rückrunde großes Kämpferherz gezeigt. Der Anspruch ist aber schon, dauerhaft in der 1. Liga zu sein und mit den besten Klubs zu konkurrieren.

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Und wie lautet die Zielsetzung für die kommende Saison?

Hitzlsperger: Wir müssen erstmal den Job erledigen, und dann geht die Planung los. Zudem stimmen die Mitglieder am 1. Juni über die Ausgliederung der Profifußballabteilung ab. Im Anschluss daran herrscht Klarheit, wie die Zielsetzung für die kommende Saison und auch die Jahre danach lauten kann.

Es steht viel Geld auf dem Spiel. Bei einer Ausgliederung soll Mercedes etwa 40 Millionen Euro zahlen wollen. Will der Verein dieses Geld eher in Steine oder in Beine investieren?

Hitzlsperger: Die Investitionen in die Infrastruktur sind zwingend notwendig. Aber wie in jeder Saison, wird es auch im Kader wieder Veränderungen geben.

Sie haben die gute Stimmung bereits angesprochen. Mit durchschnittlich über 50.000 Zuschauern hat der Klub einen neuen Rekord aufgestellt. Sind Verein und Fans enger zusammengerückt?

Hitzlsperger: Wir haben viele Spiele gewonnen und die Stimmung bei den Spielen war hervorragend, aber das ist nichts, was für die Ewigkeit hält. Die Erwartungshaltung steigt automatisch und wir müssen uns täglich dem Wettbewerb stellen. Ich bin lange genug im Fußballgeschäft um zu wissen, wie schnell die Stimmung kippen kann. Wir sind uns dessen bewusst und werden nicht locker lassen.

Haben Sie dabei noch einmal die Lust bekommen, selber die Schuhe zu schnüren?

Hitzlsperger: Ab und zu spiele ich mit Kumpels. Das macht Spaß, aber ich bin auch sehr zufrieden mit meinen neuen Aufgaben. Insgesamt blicke ich auf eine schöne Zeit als Fußballprofi zurück, aber ich bin auch ganz froh, einen guten Platz im Leben danach gefunden zu haben und neue Aufgaben anzupacken, wie die beim VfB Stuttgart.

Sie haben ihre Karriere recht früh beendet, wie kam das zu Stande?

Hitzlsperger: Verletzungen sind der Grund dafür. Ich habe viel investiert, aber in den letzten Jahren wurde ich immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Der Erfolg blieb aus und im Sommer 2013 war mir klar, dass meine Knochen und Muskeln nicht mehr das Niveau halten können. Die jungen Spieler kommen nach und sind noch schneller und noch ausdauernder. Ich wollte es nicht bis zur letzten Sekunde ausreizen.

Das war beim FC Everton, 13 Jahre nachdem sie erstmals auf die Insel gewechselt waren. Haben sie bei Ihrer Rückkehr nach England Unterschiede in der Liga bemerkt?

Hitzlsperger: Auch die Premier League hat sich verändert, wie die Bundesliga. Die Auslands- und TV-Vermarktung hat enorm viel Geld in die Kassen gespült. Es sind unzählige Experten in den Vereinen tätig, jeder Teilbereich wird professionalisiert und kaum mehr etwas wird dem Zufall überlassen. Obwohl sich Fans in England aufgrund dieser Entwicklung vom Fußball abgewandt haben, hat die Premier League global nochmals an Popularität hinzugewonnen.

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Wie würden Sie das mit der Bundesliga vergleichen?

Hitzlsperger: In Deutschland ist der Fußball ebenfalls sehr populär geworden, nicht zuletzt wegen der Erfolge der Nationalmannschaft. Die DFL hat bei der Auslandsvermarktung sehr gute Arbeit geleistet, um den Abstand zu den restlichen europäischen Topligen zu verkleinern. Die Premier League hat finanziell mehr Möglichkeiten, aber die Bundesliga-Klubs wirtschaften gut. Die Premier League ist nicht in allen Belangen das Maß der Dinge und dessen müssen wir uns bewusst sein und nicht nervös werden, wenn wieder einmal 100 Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben werden.

Ist Ihnen in England auch etwas zur Spielweise aufgefallen?

Hitzlsperger: Es ist noch athletischer, noch schneller geworden. Zahlreiche Spezialisten sind dazugekommen, damit die Spieler sich in jedem Teilbereich verbessern können. Um weniger verletzungsanfällig zu sein, um stressstabiler zu sein, um ausdauernder und schneller zu werden. Der Drang nach Optimierung ist enorm. Und dennoch gibt es noch Mannschaften, die einem gepflegten Flachpass, den guten alten langen Ball bevorzugen ;-).

Gibt es etwas, was Sie an Ihrer Karriere bereuen, etwas was Sie gerne anders gemacht hätten?

Hitzlsperger: Ich habe mich das vor Jahren auch gefragt, aber irgendwie war alles schon ganz gut. Bei Verletzungen kann man ja oft auch nichts machen, da ist es dann eher eine Frage, wie man damit umgeht. Ich blicke aber zurück und sage: Es war alles gut so.

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