Neil Taylor Hal Robson-Kanu with their children Wales Belgium Euro 2016Getty

Hal Robson-Kanu: Das walisische Sommermärchen

Stell Dir vor, Du bist aktuell arbeitslos, erweist deinem Land ehrenamtlich aber einen großen Dienst und die halbe Welt liebt dich dafür. Was klingt, wie ein sozial-engagiertes Märchen, ist der Sommer von Wales-Stürmer Hal Robson-Kanu. Und auf diesem ruhen die Hoffnungen nun auch im EM-Halbfinale gegen Portugal (21 Uhr im LIVE-TICKER).

Aaron Ramsey ist gesperrt, Gareth Bale kann es nicht alleine richten und Wales trotzdem völlig sensationell am 10. Juli im Finale von Paris? Was vor rund drei Wochen noch so unwahrscheinlich wie die Meisterschaft von Leicester City war, könnte nun schon bald Realität werden - und das mit Hilfe eines Arbeitslosen.

Egal, wie es am Ende ausgehen wird, Robson-Kanu muss sich jedenfalls keine Sorgen um seine Zukunft machen. Wenngleich der 27-Jährige derzeit vereinslos ist, nachdem sein Vertrag beim englischen Zweitligisten FC Reading ausgelaufen war, hat spätestens sein Bilderbuchtor gegen Belgien dafür gesorgt, dass mögliche neue Arbeitgeber Schlange stehen.

"Ich hatte vor dem Turnier gute Angebote von starken Vereinen, aber ich habe die Entscheidung getroffen, meinen Vertrag bei Reading auslaufen zu lassen", erklärte er gegenüber BBC Sport. "Ich war zwölf Jahre hier, habe alles gegeben und glaube, es war die beste Entscheidung für mich und meine Karriere. Es ist wahrscheinlich die beste Entscheidung meines Lebens."

Eine sehr gute Entscheidung war es auch, die belgische Innenverteidigung im Strafraum wie orientierungslos herumtapsende Welpen in der Hundeschule aussehen zu lassen und den Ball im Stile eines Weltklasse-Stürmers zum vorentscheidenden 2:1 zu verwandeln. Jenes Meisterstück brachte ihm mitunter nun "Angebote aus aller Welt" ein.

Es war bereits der zweite Treffer von Thomas Henry Alex, wie er mit vollem Namen heißt. Dahinter verbirgt sich aber nicht etwa ein britischer Lord, sondern auch der Torschütze beim Vorrundensieg gegen die Slowakei. Und während sich die Kollegen von Nachbar England bereits die Sonne auf den muskelgestählten Körper brennen lassen, ist Robson-Kanu mehr 'on fire' denn je.

Dabei sollte es eine Genugtuung für den bulligen Angreifer sein, die Three Lions in Frankreich erfolgstechnisch in die Knie gezwungen zu haben. Der gebürtige Londoner spielte bis zur U20 für die Jugendauswahlen Englands, wechselte aufgrund von Perspektivlosigkeit und zahlreichen Verletzungen aber den Verband und spielte fortan für das Geburtsland seiner Großmutter.

Rausschmiss bei Arsenal

So mancher England-Fan dürfte sich ob der Treffsicherheit des Angreifers nun grün und blau ärgern. Seine Karriere begann Robson-Kanu übrigens beim FC Arsenal, wo er im Alter von 15 Jahren allerdings als zu klein und schmächtig befunden wurde,  wobei er über das folgende Jahrzehnt fortan in Reading anheuerte.

"Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es mein Wunsch ist, in der Premier League zu spielen und wenn das der beste Ort für mich ist, werde ich da sein", erklärte Robson-Kanu seine Zukunftspläne. Doch zunächst gilt es, gegen Portugal zu bestehen. Und da ist Wales der "Underdog", wobei der Offensivmann die exorbitante Bedeutung der Partie nochmals herausstellte.

"Wir haben hart gearbeitet für diesen Tag. Wir haben uns nach Jahren belohnt und unsere Nation ist stolz - wir sind es auch", sagte der Stürmer, der in Englands höchster Spielklasse bislang sieben Tore in 25 Spielen erzielt hat, als Reading in der Saison 2012/13 erstklassig war. "Wir haben eine Chance ergriffen für alle Waliser, die hier sind."

Und dass er ein ganz Großer ist, das beweist spätestens die Tatsache, dass auch er nun einen eigenen EM-Song hat, was sonst nur Legenden wie Will Grigg zuteilwird. Und so tönt es hoffentlich auch am Mittwoch auf die Melodie des 90er-Jahre-Hits "Push It" von Salt'n'Pepa wieder aus der walisischen Fan-Kurve: "Hal...Rob-son. ...Hal Robson-Kanu!" Es wäre ihm zu gönnen …

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