Nick Woltemade erlebte bei Juventus Turins 0:2-Pleite gegen den FC Genua den nächsten Rückschlag. Berichten zufolge droht Trainer Luciano Spalletti nun sogar die Entlassung. Der deutsche Nationalspieler kam am Mittwochabend erst mit Beginn des zweiten Durchgangs in die Partie, nachdem die Bianconeri gegen Genua bereits einem 0:2-Rückstand hinterhergelaufen waren. Spalletti opferte Abwehrmann Federico Gatti, um die Offensive zu beleben.
Zwar suchte Woltemade Bindung zum Spiel und erarbeitete sich Gelegenheiten, der entscheidende Ertrag blieb jedoch erneut aus. Erst Sekunden vor dem Abpfiff verhinderte Genuas Schlussmann Justin Bijlow mit einer Parade gegen einen Kopfball des 24-Jährigen ein Tor.
Die Reaktion der italienischen Fachpresse folgte prompt, nachdem Woltemade in der Serie A weiterhin ohne Treffer bleibt. Die Gazzetta dello Sport bewertete seine Leistung mit der Note 5,5 und urteilte: "Der Riese fand gegen Genuas Beton einfach keine Lücken. In der Liga fehlt ihm schlicht der Killerinstinkt. Sein starker Kopfball kam viel zu spät, um die bittere Pleite noch abzuwenden."
Ebenso deutlich fiel das Fazit von Tuttosport aus, das dem Angreifer ebenfalls die Note 5,5 gab: "Spalletti brachte Woltemade zur Pause, um dem lahmenden Sturm endlich Leben einzuhauchen. Das Ergebnis war ernüchternd. Zusammen mit Kolo Muani bildet er derzeit ein Duo, das den gegnerischen Strafraum meidet wie der Teufel das Weihwasser. Schön anzusehende Hackentricks helfen Juve einfach nicht weiter, wenn man dringend Tore braucht."
Getty ImagesBekommt Nick Woltemade bald einen neuen Trainer?
Die Diskussionen um Woltemades Durchschlagskraft hatten schon kurz vor der Partie neue Nahrung erhalten. Der frühere italienische Stürmer Marco Borriello äußerte sich in einem Interview kritisch über die Offensive der Turiner: "Juventus hat aktuell ein massives Problem im Sturmzentrum. Woltemade ist zwar ein langer, technisch versierter Lulatsch, aber er agiert auf dem Platz völlig berechenbar. Dem Deutschen fehlt auf diesem absoluten Top-Niveau im italienischen Oberhaus einfach die nötige Kaltschnäuzigkeit."
Die sportliche Talfahrt verschärft zugleich die Lage für den Cheftrainer. Nach dem Abrutschen auf den achten Tabellenplatz und dem zunehmenden Rückstand auf die Tabellenspitze wächst der Druck auf Spalletti. Laut einem Bericht der Tageszeitung La Stampa beschäftigt sich die Vereinsführung bereits mit potenziellen Nachfolgern.
Als Favorit gilt demnach der frühere Juve-Coach Antonio Conte. Neben dem ebenfalls verfügbaren Stefano Pioli wird auch Didier Deschamps als Kandidat gehandelt. Der 58-jährige habe bereits signalisiert, für ein Engagement bereitzustehen. Deschamps, der die Turiner bereits in der Saison 2006/07 betreute und seinen damaligen Rücktritt vor einem Jahr öffentlich als Fehler einstufte, könnte somit rund zwei Jahrzehnte später auf die Trainerbank des Klubs zurückkehren.



