Fünf Pflichtspiele, fünf Siege, dreimal ohne Gegentor, bester Bundesligastart seit 2015 - es läuft momentan richtig rund bei Borussia Dortmund. Das bisherige Gesicht der Westfalen in der erst kürzlich begonnenen Saison ähnelt jenem aus dem Vorjahr: Der BVB ist schwer zu bezwingen, die Defensive hält, vorne schlägt man effektiv zu. Es gibt gewiss größere Freuden, als ein Fußballspiel gegen die Truppe von Trainer Niko Kovac bestreiten zu müssen.
Noch ist es sehr früh in dieser Spielzeit, so dass man sich nicht zu sehr mit dem Für und Wider der skizzierten Gemengelage aufhalten sollte. Vieles kann noch passieren, vieles sich entwickeln, bis zu einer richtig fundierten Bewertung werden noch mehr absolvierte Partien benötigt.
Was sich bereits aktuell allerdings festhalten lässt: Dortmund steckt in spielerischer Hinsicht weiter im bekannt erfolgreichen Kovac-Dilemma fest. Hier war der Auftrag an den Coach von all seinen Verantwortlichen vor dem Saisonstart klar formuliert. "Natürlich wollen wir jetzt auch irgendwo den nächsten Schritt machen", sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken. Sein Kollege Carsten Cramer klang so: "Arbeit und Spektakel müssen sich ergänzen, wir wollen in diesem Bereich Akzente setzen."
Getty ImagesBVB gegen Paderborn überlegen? "Das habe ich gar nicht so gesehen"
Gelungen ist beides bislang noch nicht. Zwar hat der BVB einen verheißungsvollen Transfersommer hinter sich gebracht und in Joey Veerman auch einen Spieler verpflichtet, der im Zentrum in der Lage ist, das gewohnte Kovac-U im Spielvortrag zu durchbrechen und für mehr Varianz zu sorgen. Bisher ist der wenig inspirierte Spielaufbau dadurch aber strukturell noch nicht besser geworden - und das ganz unabhängig von unterschiedlichen personellen Besetzungen oder den Nachwehen eines Champions-League-Spiels.
Weshalb der BVB so überlegen war, wurde Ralf Kettemann am Samstagnachmittag nach dem 0:3 seiner Paderborner im Signal Iduna Park bei Sky gefragt. Der Trainer des Aufsteigers gab darauf die richtige Antwort: "Das habe ich gar nicht so gesehen." Für Kettemann bestand der Unterschied zwischen beiden Teams in der Effizienz im letzten Drittel.
Auch diese Einschätzung war korrekt. Der zuvor und weiterhin torlose SCP zeigte im Vergleich zur Borussia die reifere Spielanlage und einen klar ersichtlichen Plan im Spiel mit und gegen den Ball. Zur Pause führten die Gäste in der Statistik der Ballberührungen im gegnerischen Strafraum mit 15:8 und mit 5:1 bei Schüssen im Strafraum.
Getty ImagesDem BVB mangelt es weiterhin an einer kollektiv ausgeführten Spielidee
Dortmund jedoch lag mit 1:0 vorne, weil ein gut vorgetragener Konter (!), begünstigt durch einen Fehler in Paderborns Verteidigung, dafür reichte. Davon ab hatte der BVB große Schwierigkeiten, sich spielerisch aus der Mann-gegen-Mann-Verteidigung der Ostwestfalen zu befreien und den Ball planvoll Richtung gegnerisches Tor zu bringen. Dafür waren die Passabstände häufig schlicht zu groß.
Mit Ball am Fuß mangelt es den Westfalen somit weiterhin an einer kollektiv ausgeführten Idee. Auch in den vorherigen Begegnungen schon, in der Kreativspieler Konstantinos Karetsas nicht wie am Samstag ausfiel. Das Ergebnis: Gegen einen Aufsteiger war vom BVB in spielerischer Hinsicht keinerlei Dominanz ausgegangen, das gesamte Spiel über nicht. Stattdessen lebt Kovacs Mannschaft weiter von ihrer individuellen Qualität, was nicht zuletzt die beiden sehenswerten Treffer von Joker Felix Nmecha zum Endstand untermauerten.
"Ich finde nicht, dass wir unser bestes Spiel gespielt haben. Wir haben wieder einen Weg gefunden, um zu gewinnen. Das ist ein gutes Zeichen, aber wir haben es uns speziell im letzten Drittel schwer gemacht. Das ist etwas, was wir verbessern müssen", sagte Ethan Nwaneri. "Das war ein Arbeitssieg, gut gespielt haben sie nicht. Sie haben sich über weite Strecken unheimlich schwergetan, die Paderborner zu knacken, die auch in der zweiten Hälfte viel vom Spiel hatten", lautete die Analyse von Sky-Experte Dietmar Hamann.
Getty ImagesDie alte BVB-Leier: Ein inhaltlich limitierter Fußball
Dass dem so war, sollte den Borussen durchaus Sorgen bereiten. Dortmund schaffte es in vielen Phasen der zweiten 45 Minuten - trotz des neuen Metronoms Veerman und der späteren Hereinnahme von Nmecha - nicht, das Spiel zu beruhigen. Man ging zwar auf das 2:0 und erspielte sich Gelegenheiten dazu, aber es fiel zunächst nicht. Stattdessen schnupperte Paderborn in Ansätzen mehrfach rund um den Dortmunder Strafraum am Ausgleich.
Es ist die alte Leier: Genau in diesem Punkt muss der BVB dringend zulegen, muss Kovac die Mannschaft tunlichst weiterentwickeln. Geschieht dies nicht, dürfte das Resultat dasselbe wie in der Vorsaison sein: Ein Fußball, der in steter Regelmäßigkeit Siege und Punkte garantiert, aber inhaltlich derart limitiert daherkommt, dass gegen qualitativ gleich- oder hochwertige Gegner das Ende der Fahnenstange schnell erreicht ist.
Getty ImagesBVB: Fünf Spiele, fünf Siege - aber weiter ohne Spektakel
Vom viel zitierten Spektakel jedenfalls war in den bisherigen Spielen nichts zu sehen. Denn damit sind ja nicht krude Spielverläufe wie beim 3:2-Sieg in Hoffenheim gemeint, wo 60 Minuten lang nichts vom BVB zu sehen war und man trotz einer Leistungssteigerung nach 0:2-Rückstand am Ende sehr schmeichelhaft gewann. Oder auch nicht die kollektive Passivität am vergangenen Dienstag nach der Führung gegen Villarreal. Damit sind dominante Auftritte gemeint, die vor spielerischer Klasse, taktischer Reife, Selbstbewusstsein in Ballbesitz und steter Torgefährlichkeit strotzen.
Bis dahin hat Kovac noch reichlich Arbeit vor sich. Er wird dazu weiter Zeit und Gelegenheit bekommen. Die Vielzahl der Siege spricht unzweideutig für ihn und ist im Fußball die wichtigste Währung. Auch gegen Paderborn. Vor allem, wenn man sich diese Statistik vor Augen führt: Mit dem Dreier gegen den SCP gewann der BVB seit 2012/13 erst das 38. Spiel (von 61) gegen einen Aufsteiger. Der FC Bayern siegte in 53 von 60 solcher Duelle.
BVB, Spielplan: Die nächsten Spiele von Borussia Dortmund
Datum | Wettbewerb | Spiel |
Samstag, 19. September (18.30 Uhr) | Bundesliga | VfB Stuttgart vs. Borussia Dortmund |
Freitag, 9. Oktober (20.30 Uhr) | Bundesliga | Borussia Dortmund vs. Werder Bremen |
Mittwoch, 14. Oktober (21 Uhr) | Champions League | FC Bodö/Gilmt vs. Borussia Dortmund |
Samstag, 17. Oktober (15.30 Uhr) | Bundesliga | Union Berlin vs. Borussia Dortmund |



