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Gianluigi Buffon Juventus 03/07/18Getty

Gianluigi Buffon in Wembley: Aufgeschobene Götterdämmerung


NACHBERICHT SPURS vs. JUVENTUS

Die Ragnarök, das Schicksal der Götter, bisweilen auch mit Götterdämmerung übersetzt, prophezeit in der Nordischen Mythologie ebenjenes Abtreten der Allmächtigen und den damit verbundenen Untergang der Welt.

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Beinahe wäre es an diesem nasskalten Mittwochabend im Londoner Wembleystadion zu einem solchen - zumindest in der Fußballwelt - Schreckensszenario gekommen. Fast hätten wir - sofern der ewige Gigi nicht tatsächlich noch ein weiteres Jahr dranhängt - Gianluigi Buffon zum letzten Mal auf der ganz großen internationalen Bühne bestaunen dürfen.

Tottenham Juventus Davide AstoriGettySchweigeminute für Davide Astori

Vor Anpfiff des Duells zwischen den Spurs und Juventus wurde es still im Rund. Spieler, Trainer, Zuschauer, sie alle gedachten dem am Sonntagmorgen plötzlich verstorbenen Florenz-Kapitän Davide Astori in einer Schweigeminute.

Die Kameras waren auf Juves Torhüter gerichtet, der sich Stunden nach Bekanntgabe des tragischen Todes Astoris mit einem rührenden Post bei seinem Nationalmannschaftskollegen verabschiedet hatte. Buffon, die Augen zusammengekniffen, in Gedanken bei seinem Freund, der viel zu früh gegangen ist.

In solchen Momenten, in diesen Bruchteilen der Verletzlichkeit, umgibt den 40-Jährigen eine ganz spezielle Aura, eine schwer zu beschreibende Strahlkraft. Es sind diese Augenblicke, die Buffons Menschlichkeit in ihrer Vollkommenheit ganz besonders abbilden. Etwas, das nur einen Wimpernschlag darauf umgewandelt wird, in Leidenschaft, lodernde Pupillen, den Siegeswillen in jeder einzelnen Furche des markanten Gesichtes.

Juventus spielerisch völlig unterlegen

Buffon, er schien mit diesem Vorhaben gegen die Lillywhites allein auf weiter Flur. Tottenham stürzte sich mit Tempo, beinahe schon wütend, auf die überforderten Bianconeri, die stets einen Schritt zu spät beim Gegenspieler waren, sich bisweilen nur noch mit Fouls zu helfen wussten, um Heung-Min Son, Christian Eriksen und Co. überhaupt mal aus dem Tritt zu bringen. Die sonst kaum zu durchdringende Juve-Abwehr, sie erinnerte an eine omnipermeable Membran.

Gianluigi Buffon Tottenham JuventusBuffon nach der zwischenzeitlichen Spurs-Führung

Der schwache Auftritt des italienischen Serienmeisters schien auf die Leistung von Schiedsrichter Szymon Marciniak abzufärben, ließ der Pole doch nach einem glasklaren Foulspiel im Strafraum von Jan Vertonghen an Douglas Costa einfach weiterspielen. Eine Fehleinschätzung, die spielentscheidend hätte sein können, Buffon allerdings keineswegs zur Weißglut trieb. Vielmehr klopfte er dem Unparteiischen, der wahrlich nicht seinen besten Tag erwischt hatte, nach der Halbzeit auf die Schulter. Nicht hämisch, sondern aufmunternd.

Was sich dann zwischen der 64. und 67. Minute abspielte, war letztlich nicht zu erklären, zumindest nicht rational. Dass Gonzalo Higuain und Paulo Dybala plötzlich, vollkommen aus dem Nichts, die Partie drehten, deren Drehbuch eigentlich nur noch die Treffer zwei und drei für die Hausherren vorgesehen hatte, sorgte für überschwänglichen Jubel im Turiner Block und Paralyse bei den Anhängern der Engländer.

Kein angemessener Rahmen für einen Abschied

Würde man das Weiterkommen des Vorjahresfinalisten als "glücklich" bezeichnen, wäre dies ein wohlwollendes Synonym. Aber, wer weiß - vielleicht wollten die Götter nicht, dass Buffon verfrüht von der internationalen Bühne abtritt. Vielleicht hielten sie einen nasskalten, grauen Abend in der englischen Hauptstadt nicht für adäquat, um eine Legende zu verabschieden.

Tatsächlich gäbe es nur eine einzige Szenerie, die dahingehend angemessen wäre: Gigi Buffon im Konfettiregen, den Henkelpott gen Abendhimmel reckend.

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