Southampton-Jubel 01112017Getty Images

FC Southampton: Die beste Entwicklungsschmiede Englands

"Wir kaufen nicht Erfolg, wir bilden ihn aus. Und nehmen dabei keine Abkürzungen, wir verdienen ihn uns. Wir sind die 'Saints', wir marschieren weiter."

Mit diesen Worten reagierte der Klub auf den Ausverkauf im Sommer 2014 in einem Videotrailer zur neuen Spielzeit. Wenige Wochen zuvor bedienten sich die großen Premier-League -Klubs bei Southampton . Adam Lallana, Dejan Lovren und Rickie Lambert wechselten zum FC Liverpool an die Anfield Road. Linksverteidiger Luke Shaw schloss sich den Red Devils aus Manchester an und Calum Chambers wechselte zum FC Arsenal . Aber damit nicht genug. Auch Trainer Mauricio Pochettino zog es vom Klub im Süden Englands in die Hauptstadt nach London zu Tottenham Hotspur.

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Über 120 Millionen Euro hatten die Saints an Transfererlösen in dieser Wechselperiode. Eine unglaubliche Zahl. Und das Bemerkenswerteste ist, dass ein Großteil der verkauften Spieler aus der klubeigenen Akademie stammt oder erst in Southampton zu einem absoluten Top-Spieler gereift ist.

Somit gibt es eine lange Liste an Weltklassespielern, die ihre Jugendzeit in der Saints-Akademie verbracht haben. Gareth Bale, Theo Walcott, Adam Lallana oder Alex Oxlade-Chamberlain sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Kaum ein Klub hat eine ähnliche starke Jugendarbeit vorzuweisen, vor allem nicht in England. Aber was macht die Philosophie des Vereins aus der Hafenstadt so besonders und welche Rolle spielt darüber hinaus das Konzept der Akademie?

"Der Southampton-Weg"

Auf der offiziellen Webseite des FC Southampton ist von einer Vision die Rede. Damit gemeint sind die Ziele, die bei der Ausbildung von Jugendspielern verfolgt werden. "Die Akademie soll 50 Prozent der Spieler des Kaders unserer Profimannschaft stellen und dabei nicht nur mit ihrem Können auf dem Feld, sondern auch mit dem Verhalten neben dem Platz glänzen."

Mit diesem Satz leitet Matt Hale, der Leiter der Akademie, die Beschreibung des Klubkonzepts ein. Im weiteren Verlauf wird erläutert, dass man junge Spieler aus der Umgebung zu absoluten Spitzenfußballern entwickeln will, ihnen die Werte und Normen des Vereins eingeimpft werden sollen und den Spielern dafür die besten Möglichkeiten für ihre Entwicklung geboten werden.

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"Sie nennen es den Southampton-Weg. Junge talentierte Spieler kommen in die Akademie und dort wird ihnen der richtige Weg gezeigt. Dort bekamen wir die ersten Eindrücke, was es heißt, professionell Tag für Tag zu arbeiten. Wir waren jung und sahen die Wege, die Bale, Walcott und Lallana gegangen sind. Das gab uns die Hoffnung, dass wir Ähnliches schaffen können. Jeder, der in der Akademie ist, weiß, dass er eine Chance bekommt. Die Vereinsführung und die Art, wie der Klub geführt ist, sind perfekt für junge Spieler", sagte der Ex-Spieler Calum Chambers einst dem Mirror.

Optimale Voraussetzungen für die Talentförderung

Dafür wurde ein mächtiges Trainingszentrum mit zwölf verschiedenen Plätzen errichtet. Dabei wurden Berichten zufolge sogar unterschiedliche Oberflächen verwendet, um die verschiedenen Raseneigenschaften der anderen Premier-League-Vereine zu simulieren. Die Juniorenteams spielen in Mini-Arenen mit einer Kapazität von bis zu 4500 Zuschauern. Im Inneren des Trainingsgeländes werden sämtliche Spiele auf der ganzen Welt angeschaut und detailliert analysiert. Für die medizinische Betreuung seiner Talente haben die Saints eine Zusammenarbeit mit der Universität von Oxford abgeschlossen. Somit wird jede Mannschaft eigentlich wie eine Profimannschaft betreut.

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Auch die englische Konkurrenz blickt oftmals neidisch in Richtung Southampton. Nach dem oben erwähnten Ausverkauf im Sommer 2014 glaubten viele Experten an einen Abstieg aus der Premier League. Stattdessen spielte die Mannschaft mit Ronald Koeman, dem Nachfolger von Mauricio Pochettino, eine furiose Hinrunde und lag zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei der Tabelle. Letztlich beendete man die Saison auf einem hervorragenden siebten Platz und trotzte allen Erwartungen. Arsenal-Trainer Arsene Wenger antwortete damals auf die Frage, wie er denn diese Leistung der Saints einschätze: "Das sind Wundertäter."

 Ja, es grenzt eigentlich an ein Wunder, dass man die Top-Platzierung aus der vorherigen Saison noch einmal übertrumpfen konnte, obwohl die Mannschaft gnadenlos von den großen Klubs der Liga geplündert wurde. Vor allem der FC Liverpool bedient sich gerne bei ihnen und hat in letzten Jahren in Sadio Mane, Adam Lallana, Nathaniel Clyne, Dejan Lovren und Rickie Lambert gleich fünf Spieler an die Anfield Road gelockt.

GFX Chambers Southampton

Southampton hilft dem englischen Fußball

Lediglich 33 Prozent der Premier-League-Spieler sind Engländer. Darin liegt auch das große Problem der Nationalmannschaft, die seit Jahren nicht mehr zu den großen Teams der Welt gehört. In Southampton wird dagegen auf einheimische Spieler gesetzt. Das sieht man auch ganz deutlich am Kader der Three Lions. Acht Spieler des aktuellen Aufgebots spielen bei den Saints oder stammen aus deren Jugendakademie. Ohne diese Spieler sähe es mehr als düster aus für das Nationalteam. Der ehemalige Stürmer Rickie Lambert machte dies vor ein paar Jahren mehr als deutlich: "Southampton ist mit seiner Arbeit ein Vorbild für die ganze Liga."

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Aber die erfolgreiche Jugendarbeit ist nur ein Teil des Erfolgskonzeptes. Auch bei den Transfers gibt der Verein keine Unsummen für fertige Spieler aus. Vielmehr werden unbekannte Spieler aus der zweiten Reihe verpflichtet und in aller Ruhe zu absoluten Leistungsträgern geformt. Dafür gibt es zwei Gründe.

Vermutlich wäre es äußerst schwierig, absolute Top-Spieler aufgrund der begrenzten sportlichen Perspektive in den Süden Englands zu lotsen. Aber riesige Transferausgaben würden auch nicht zur Philosophie des Vereins passen. Die Rekordablöse, die jemals für einen Spieler bezahlt wurde, liegt bei lediglich 18,7 Millionen Euro. Für englische Verhältnisse eine niedrige Summe. Und wenn man doch viel Geld für einen Spieler in die Hand nimmt, erhofft man sich bei ihm natürlich auch einen großen Entwicklungssprung.

So war es auch im Fall von Sadio Mane. Der Senegalese kam vor der Saison 2014/15 von RB Salzburg. Nach zwei äußerst erfolgreichen Spielzeiten wechselte er dann letzten Sommer für mehr als 41 Millionen Euro zu Liverpool. Auch wenn der Klub seine Top-Spieler natürlich liebend gerne behalten würde, ist das der Weg, der den Saints gewissermaßen aufgezwungen wird.

Ein weiterer Beweis für das hervorragende Scouting ist auch Morgan Schneiderlin. Der Franzose wurde als 18-Jähriger für 1,5 Millionen Euro von Straßburg geholt. Knapp sieben Jahre später wechselte der defensive Mittelfeldspieler dann für 35 Millionen weiter zu Manchester United und ist somit eines von vielen weiteren Beispielen für die herausragende Arbeit von Southampton.

Eine Art Alleinstellungsmerkmal im englischen Fußball

Die Förderung des Nachwuchses ist noch immer ein blinder Fleck im englischen Fußball. Die meisten Klubs geben lieber wahnwitzige Summen für mittelmäßige Spieler aus, anstatt das Geld in die eigene Jugendarbeit zu investieren. Der FC Southampton stellt dabei eine klare Ausnahme dar. Mit ihrer überzeugenden Philosophie werden in regelmäßigen Abständen absolute Top-Talente hervorgebracht, die ihnen leider bereits nach kurzer Zeit von den großen Vereinen in England und ganz Europa weggekauft werden.

Mit dem Neu-Nationalspieler James Ward-Prowse steht bereits das nächste Talent aus der Akademie in den Startlöchern und ist längst auf dem Schirm der großen Vereine. Einziger Trost für die Saints könnte dann mal wieder die Einnahme einer riesigen Ablösesumme sein. Denn die kann ja gleich wieder in die Förderung der nächsten Talente gesteckt werden …

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