Ein dramatisches Spiel hatte Jupp Heynckes angekündigt, ein dramatisches Spiel hatte er bekommen. "Sehr dramatisch" sei das DFB-Pokalspiel bei RB Leipzig (6:5 n.E.) sogar gewesen, befand der Trainer des FC Bayern rückblickend. Ob sich die Zuschauer am Samstag auf ein ähnliches Spektakel einstellen können, vermochte er nicht vorherzusagen.
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Am Mittwoch seien schließlich "alle Zutaten des Fußballs" dringewesen. Emotionen, Intensität, Tempo, Kampf, Klasse, strittige Schiedsrichterentscheidungen, Verlängerung, Elfmeterschießen.
Das ist natürlich schwer zu toppen, allein schon, weil sich der Rekord- und der Vizemeister diesmal nicht in einem K.o.-Wettbewerb, sondern in der Bundesliga gegenüberstehen. "Man kann nicht voraussetzen, dass es ähnlich wird. Ich denke aber, dass es genauso eng wird", sagte Heynckes also auf der Pressekonferenz am Freitag.
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Nicht nur mit dem Ausgang, auch mit der spielerischen Leistung im Pokalspiel war Heynckes ziemlich zufrieden. "Wenn man von den Situationen absieht, in denen wir in der Vorwärtsbewegung unnötig den Ball verloren haben, haben wir clever, taktisch klug und geduldig gespielt. All diese Dinge sind auf hohem Niveau ganz wichtig. Dass wir noch besser spielen können, weiß ich auch", erklärte er. Nur müsse man eben auch sehen, was vorher war.
Heynckes meinte damit jene Spiele kurz vor seiner Rückkehr an die Säbener Straße. Das 2:2 nach 2:0 gegen den VfL Wolfsburg, das 0:3 bei Paris Saint-Germain, das 2:2 nach 2:0 bei Hertha BSC. Da ist ein Weiterkommen gegen die aktuell neben den Bayern beste deutsche Mannschaft schon ganz ordentlich.
"Haben wieder großes Selbstvertrauen"
Der Sieg, der als Unentschieden in die Statistik eingeht, war Heynckes' vierter Erfolg im vierten Spiel. Er gibt der Mannschaft noch mehr Selbstvertrauen, wobei das schon vor der Partie im alten Zentralstadion ziemlich ausgeprägt war. Ein Indiz dafür seien die Elfmeter gewesen. "Die waren richtig gut geschossen, mit Aggressivität und Überzeugung. Das zeugt davon, dass die Mannschaft wieder großes Selbstvertrauen und Sicherheit hat. Und das ist etwas, das für die kommenden Wochen sehr wichtig ist", sagte Heynckes, der den zusätzlichen Rückenwind allerdings nicht überbewerten wollte.
Psychologie spiele im Fußball zwar eine wesentliche Rolle, "es wäre aber ein Fehler zu meinen, dass wir durch den Sieg im Pokal einen riesengroßen Vorteil hätten und dass es deshalb leichter werden würde. Nein, es wird genauso schwierig", sagte Heynckes. Bei aller Zufriedenheit weiß er allerdings auch ganz genau, dass seine Mannschaft gerade vor dem Platzverweis gegen Naby Keita durchaus Probleme mit dem forschen Auftreten der Gastgeber hatte. Erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schossen die Bayern in Form eines harmlosen Versuchs von Corentin Tolisso zum ersten Mal aufs Leipziger Tor.
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Getty Images"Wir hatten 15 ordentliche und dann 30 ganz schwache Minuten, in denen wir viele Bälle und Zweikämpfe verloren haben. Da ist Leipzig richtig gut ins Spiel und auch zu Chancen gekommen", sagte Joshua Kimmich. Im zweiten Duell wollen die Münchner nun noch besser gewappnet sein. Im Mittelfeld könnte Javi Martinez wieder von Beginn spielen und dabei helfen, den Leipziger Aktionsradius einzudämmen. Ansonsten dürfte Heynckes seine Elf weitgehend unverändert auf den Rasen schicken.
Rummenigge hofft auf doppelten Vorteil
Grünes Licht gab er bereits für Martinez und Kingsley Coman, der trotz eines Hämatoms am Knie einsatzbereit ist. Und auch einem Einsatz von Jerome Boateng stehe nichts im Wege. "Jerome wird immer fitter, immer besser. Natürlich haben wir mit Niklas Süle eine sehr gute Alternative, aber Mats und Jerome sind eingespielt. Beide sind Weltmeister. Da würde ich schon ungern auf einen verzichten." In den wichtigen Spielen setzt Heynckes auf Kontinuität, diese Herangehensweise ist auch ein Stück weit alternativlos.
"Für den Trainer ist es schwierig. Seit er da ist, haben wir nur englische Wochen. Da kann man dann nicht so viel im Training arbeiten, um taktische Inhalte einzustudieren", gab Kimmich zu bedenken. Das Wichtigste sei deshalb, "dass wir positive Ergebnisse haben und als Mannschaft gut zusammenarbeiten. Wenn wir das tun, haben wir die Qualität, um jeden zu schlagen."
Am Samstag wird es nun auch darum gehen, wer den strapaziösen Pokalfight besser weggesteckt hat, wer besser regeneriert hat. "Im eigenen Stadion sind wir mit der Unterstützung unserer Fans eine Macht, sodass wir gegebenenfalls auch die Müdigkeit überspielen können", sagte Heynckes. "Wir hatten den kleinen Vorteil, dass wir am Mittwoch mit elf Mann spielen konnten. Leipzig musste da natürlich noch mehr laufen. Und am Samstag haben wir den Vorteil, dass wir in München spielen. Wir wollen den Schub mitnehmen und gewinnen", meinte indes Karl-Heinz Rummenigge.
Der Vorstandsboss wusste, dass man in der "Lotterie" Elfmeterschießen (Heynckes) letztlich auch "Glück" hatte. "Im Fußball muss man hin und wieder leiden. Diesmal haben wir gelitten und uns zum Schluss gefreut. Dann ist es perfekt", sagte er und vermutete: "Wir haben gewonnen. Die Dramaturgie des Spiels wollte es so." Es bleibt abzuwarten, wie viel Drama in der vierten Auflage des neuen, deutschen Top-Spiels stecken wird - und wem die Dramaturgie diesmal wohlgesonnen ist.








