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GER ONLY Joshua KimmichImago Images

FC Bayern hadert nach Gladbach-Schock mit sich selbst: "Ich könnte durchdrehen"

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HINTERGRUND

50 Minuten pure Dominanz, Chancen en masse, aber nur ein Tor und am Ende eine Last-Minute-Pleite: Der FC Bayern München hadert nach dem 1:2 (0:0) bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach mit sich und der eigenen Ineffizienz und formuliert das in ungewohnter Deutlichkeit. Der Tonus: Die Lage ist ernster als im vergangenen Winter.

"Wer glaubt, dass es so wie in der letzten Saison läuft, der ist komplett fehl am Platz." So ruhig und besonnen Joshua Kimmich diesen Satz kurz nach der Niederlage des FC Bayern in Mönchengladbach auch von sich gab, man kam nicht umhin, die Bitterkeit in seinen Worten zu bemerken. "Ich könnte durchdrehen", schob Kimmich noch in aller Deutlichkeit nach.

Eine Deutlichkeit, die so ziemlich jeder Bayern-Protagonist, der auf dem Gang von der Kabine zum Mannschaftsbus noch einen kurzen Halt bei den Medienvertretern machte, an den Tag legte.

Sieben Punkte Rückstand auf Gladbach an der Spitze, nur Tabellenplatz sieben. Der deutsche Rekordmeister befindet sich in einer ähnlichen Situation wie schon zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison. Die endete nach zwischenzeitlich sogar neun Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund mit dem Meistertitel. Ein Szenario, das sich für Kimmich so nicht wiederholen wird.

"Man kann es nicht vergleichen", stellte Kimmich klar: "Wir spielen zwar besseren Fußball als noch im letzten Winter, aber es sind momentan mehr Mannschaften vor uns. Auch wenn es 'nur' sieben Punkte sind, wird es in diesem Jahr deutlich schwieriger." Eigentlich habe er gehofft, dass nach der Niederlage gegen Leverkusen am vergangenen Samstag schon vor dem Spiel in Gladbach die Alarmsignale angegangen seien.

Eine Hoffnung, die erst nach dem bis dahin noch unverdienten Ausgleich einer erschreckend harmlosen Borussia durch einen Kopfball von Ramy Bensebaini in der 60. Minute zu bröckeln begann und in der Nachspielzeit durch den dann nicht gänzlich unverdienten Siegtreffer Bensebainis aus elf Metern endgültig erlosch.

"Nach dem Gegentor hat Gladbach gezeigt, warum sie vorne stehen", sagte Bayerns Interimstrainer Hansi Flick hinterher. Was er nicht aussprach, war: Nach dem Gegentor haben die Bayern gezeigt, warum sie nicht vorne stehen. Stattdessen sagte er einfach nur, dass man aufgehört habe, Fußball zu spielen und traf damit den Nagel auf den Kopf. Auf Bensebainis Ausgleich folgte ein kaum für möglich gehaltener Bruch im Spiel des Rekordmeisters.

Hasan Salihamidzic Oliver Kahn Bayern Munchen 2019

Bayern-Sportdirektor Salihamidzic: "Wir müssen Klartext reden"

Der hatte sich - um im Vokabular von Kimmich zu bleiben - über mindestens 50 Minuten eigentlich in absoluter Alarmbereitschaft befunden. Dominant und spielfreudig trat der FCB beim aktuellen Tabellenführer auf, schnürte ihn phasenweise in der eigenen Hälfte ein. Dass Gladbach nur ein harmloser Torschuss in der ersten Halbzeit gelang, sprach Bände. Allerdings haperte es bei den Bayern wie schon gegen Leverkusen in der Vorwoche an der Chancenverwertung.

Kimmich selbst, dessen Schuss von Sommer Millimeter vor dem Überqueren der Torlinie noch geklärt wurde, Thomas Müller, Robert Lewandowski, Kingsley Coman, sie alle ließen ihre guten Chancen liegen. "Davon musst du normalerweise zwei oder drei machen", analysierte Hasan Salihamidzic den Münchner Chancenwucher, der nach der Pause vom früh eingewechselten Ivan Perisic nach einem Bilderbuch-Spielzug ein Ende fand.

"Wir kommen gut aus der Halbzeit, spielen weiter, machen das Tor und hören dann komplett auf", sagte der bediente Bayern-Sportdirektor. Warum das so gewesen sei, wisse er nicht und erklären könne er auch nicht, warum der FCB "nicht mehr eiskalt" vor dem Tor sei. Feststand für ihn nur: "Darüber müssen wir reden und nach innen sehr ehrlich zu uns sein. Wir müssen Klartext sprechen, aber auch die Ruhe bewahren."

Kimmich hakt Herbstmeisterschaft ab: "Nahezu unmöglich"

Ob der Effekt des Trainerwechsels von Niko Kovac auf Hansi Flick, der seine ersten vier Spiele als Interimstrainer der Bayern mit einem Torverhältnis von 16:0 gewonnen hatte, nun nach zwei Niederlagen in Folge schon verpufft sei, verneinte Salihamidzic. "Da hat sich nichts verändert."

Und auch der eigene Anspruch blieb durch den Last-Minute-K.o. am Niederrhein zumindest nach außen hin unberührt. "Selbstverständlich" wolle man immer noch Meister werden, stellte Salihamidzic abschließend klar.

Die Herbstmeisterschaft aber hat man an der Isar mittlerweile abgehakt. "Mein Ziel wäre es gewesen, aber das ist nahezu unmöglich. Das Ziel muss es jetzt sein, keinen einzigen Punkt mehr abzugeben", betonte Kimmich. Andernfalls "sieht es schattig aus", ergänzte Thomas Müller nur ein paar Minuten später. Zumindest tabellarisch sieht es schon jetzt so aus.

Durch den Sieg von Bayer Leverkusen über den FC Schalke 04 fiel der FCB am 14. Spieltag sogar aus den Europa-League-Plätzen heraus. Eine unangenehme Situation, die - und da waren sich alle Bayern-Spieler einig - ernster ist, als noch in der Vorsaison. Eine zum "Durchdrehen", wie es Kimmich formulierte.

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