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GFX Quote Ryan SmithGoal

Ex-Arsenal-Juwel Ryan Smith: Fabregas' Kumpel, dessen Traum nach einer Verletzung zerplatzte


EXKLUSIV

Cesc Fabregas hat in seiner Karriere so gut wie alles erreicht. Er ist Weltmeister, zweifacher Europameister, holte den Titel in England und Spanien, gewann 2012 mit dem FC Barcelona die Klub-WM. Seit einem Jahrzehnt zählt der 30-jährige Spanier zu den meistgeschätzten Mittelfeldspielern dieser Welt.

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Ryan Smith, ganz abgesehen davon, dass er einen Allerweltsnamen trägt, kennt heute so gut wie niemand mehr, der sich mit Fußball beschäftigt. Fabregas kennt ihn dafür umso besser. "Du warst das wirkliche Talent jener Generation", schrieb der Chelsea-Star vor einigen Tagen auf Twitter. Adressiert an? Genau, an Ryan Smith.

Fabregas und Smith kennen sich aus gemeinsamen Tagen in London. Damals, im September 2003, als Cesc mit 16 aus Barcelona zu den Gunners kam, galten er und Smith als die beiden Wunderkinder, die die Zukunft des Klubs prägen könnten.

"Seit ich denken kann, wollte ich für Arsenal spielen", sagt Smith exklusiv gegenüber Goal in einer vergangene Woche veröffentlichten Dokumentation. Sie war der Anlass für Fabregas' Tweet, eine Story über einen Jungen mit riesigem Talent, dessen Traum an einer schweren Verletzung scheiterte - kurz nachdem er begonnen hatte, ihn zu leben.

In Islington, einem Bezirk im Norden Londons, nur einen Steinwurf vom alten Highbury entfernt, wuchs Smith auf. "Ich war immer Ian Wright, wenn wir als kleine Kids kickten", erzählt er von seinem Schwärmen für eine der Arsenal-Ikonen jener Zeit. Smith war unfassbar schnell, konnte dribbeln wie Ryan Giggs. Sich in höchstem Tempo um seine Gegenspieler zu winden, sie ins Leere laufen zu lassen, fiel ihm leicht.

Bis Arsenal auf den Hochbegabten aus der Nachbarschaft aufmerksam wurde, war es daher nur eine Frage der Zeit. "Es war ein Traum, der wahr wurde", erinnert sich Smith an den Moment, als er in den Nachwuchs seines Herzensklubs aufgenommen wurde. "Ich wusste, ich würde mich voll auf diese Reise einlassen, um Profi zu werden."

Und es lief gut. Jahr für Jahr entwickelte er sich in der Talentschmiede der Gunners weiter, wurde mit 14 englischer U16-Nationalspieler. "Da wurde es ernst. Von diesem Punkt an ging es für mich nur noch darum, in die erste Mannschaft zu kommen."

Mit 16 Debüt bei Arsenals Profis

Bereits kurz vor seinem 17. Geburtstag sollte Smith dieses Ziel erreichen. Gemeinsam mit dem rund sechs Monate jüngeren Fabregas feierte er Ende Oktober 2003 im Ligapokalspiel gegen Rotherham sein Debüt für das Team von Arsene Wenger. "Er hat so viele Dinge, die jeder junge Fußballer gerne haben würde", schwärmte Arsenals französischer Coach von Smith.

Der machte seine Sache an diesem Abend gut, nachdem er in der 73. Minute eingewechselt worden war, verwandelte im Elfmeterschießen genau wie Gael Clichy, der der gleichen Young-Gunners-Generation wie Smith und Fabregas angehörte, seinen Strafstoß und trug so zum Weiterkommen bei.

Die Zukunft sah rosig aus. Er hatte den ersten kleinen Schritt gemacht, war als blitzschneller Flügelspieler mit herausragender Technik und starkem linken Fuß seinerzeit eine Rarität in England. "Es war mit Sicherheit einer meiner stolzesten Augenblicke", sagt Smith über seine Premiere bei Arsenals Profis.

In den nächsten Monaten machte Smith ein paar Spiele für die Reserve, wurde zudem in zwei weiteren Ligapokalmatches von Wenger eingewechselt. Doch statt so richtig durchzustarten, kam alles anders. Denn ein Tag im Februar 2004 gab Smith' Karriere eine neue, eine schlechte Wendung.

GFX Quote Ryan Smith

In einer Partie mit der Reserve gegen Ipswich Town zog er sich einen Kreuzbandriss zu, das Knie war immens beschädigt. "Als der Gegenspieler die Grätsche machte, wusste ich sofort, dass etwas Schlimmes passiert ist. Ich hatte höllische Schmerzen", blickt er zurück auf den Moment, der seinen Traum zerplatzen lassen sollte.

Die Schmerzen ließen zunächst nach, doch er merkte in den nächsten Tagen beim Gehen, dass sein Knie immer wieder einknickte. Ein MRT wurde durchgeführt, Arsenals damaliger Chef-Physiotherapeut Gary Lewin rief Smith in sein Büro. "Er sagte zu mir: 'Du wirst wieder spielen. Aber deine Karriere wird mit 26 beendet sein.'"

"Ich habe meinen Traum vier oder fünf Monate lang gelebt"

Ein Schock. Smith hatte an den Worten des Physios zu knabbern, sah seinen Traum vor sich, zum Greifen nah - aber doch so weit weg. "Es war eine komische Zeit", erinnert er sich. Innerhalb von sechs Wochen war er plötzlich vom Jugendspieler über die U19 und das Reserveteam zum Teil der ersten Mannschaft geworden. "Und dann erleidest du solch eine Verletzung. Ich habe meinen Traum vier oder fünf Monate lang gelebt. Es war gleichzeitig sehr euphorisch und extrem vernichtend."

Während sich Kumpel Fabregas in der Saison 2004/05 schließlich in Wengers Elf etablierte, zum Premier-League-Star wurde, musste sich Smith von seiner schweren Verletzung erholen, sich zurückkämpfen, versuchen, zu alter Form zu finden. Alles im Wissen, seinen Körper jeden Tag ein bisschen mehr zu zerstören, dem sicheren Karriereende mit 26 entgegenblickend.

"Ich wusste, dass ich jetzt einfach spielen muss, denn ich liebe Fußball. Ich wollte nicht aufhören." Also tat er, was in seiner Macht stand, wurde wieder fit, kam bei Arsenal aber nicht mehr zum Zug. Und es begann eine Odyssee. Smith wurde an Leicester verliehen, 2006 dann ablösefrei an Derby County abgegeben und zog ein Jahr später weiter zu Millwall. Über Southampton landete er schließlich bei Crystal Palace.

Ein Premier-League-Spiel sollte er nie absolvieren - und in 50 Zweitliga-Einsätzen gelang ihm lediglich ein Tor. In England wurde er nirgendwo richtig glücklich, hatte Probleme mit Trainern, musste stets Schmerztabletten und Entzündungshemmer einnehmen, um überhaupt einigermaßen schmerzfrei auf dem Feld stehen zu können.

"Mein Knie war das Hauptproblem", sagt er, der immer den schönen Fußball liebte und nicht das Kick-and-Rush in Englands zweiter Liga. "Ich konnte Spiele nicht so durchstehen, wie es ein normaler Profi kann."

Depression bei Derby County, Aufschwung in den USA

Während seiner Zeit bei Derby County in der Saison 2006/2007 verfiel Smith zeitweise in eine Depression. "Das ist das erste Mal, dass ich darüber spreche. Ich kam von Arsenal zu Derby, einem Klub, bei dem ich nicht sicher war, ob der Trainer mich überhaupt holen wollte. Ich spielte nicht viel und es lief einfach überhaupt nicht gut."

Irgendwann, nach einem erfolglosen Halbjahr bei Crystal Palace, fasste Smith im Frühjahr 2010 dann gemeinsam mit seinem Berater Ryan Badu den Entschluss, England zu verlassen. "Es gab viele Optionen für einen Wechsel ins Ausland und Ryans Spielstil war begehrt", sagt Badu zu Goal. "Wir brachten ihn bei Kansas City in der MLS unter, wo er den vermutlich besten Fußball seiner Laufbahn spielte."

GFX Quote Ryan SmithGoal

Die USA waren das mit Abstand positivste Kapitel des Fußballers Ryan Smith. "Neben dieser ganz frühen Phase bei Arsenal war Amerika meine beste Zeit", betont Smith. Er blieb gute eineinhalb Jahre in Kansas, spielte dann noch ein Jahr für CD Chivas USA und sechs Monate beim griechischen Erstligisten Skoda Xanthi. Dann musste er aufhören. Mit 26, wie vorhergesagt.

"Es tut beinahe durchgehend weh", sagt er über seine aktuelle gesundheitliche Verfassung. "Das erste, was ich morgens nach dem Aufstehen mache, ist immer, mein Knie zu beugen, um es ein bisschen flexibler zu machen. Da ist so viel kaputt und so viel Narbengewebe. Ich hatte während meiner Karriere sieben Knie-Operationen, drei davon richtig schwerwiegend. Daher ist die Arthrose weit fortgeschritten."

In den USA habe ein Chirurg zu ihm gesagt, sein verletztes Knie sei wie das eines 70-Jährigen. "Es ist schwierig, den Alltag ohne Schmerzen zu meistern", muss er eingestehen. Und dennoch: Trotz all der Rückschläge, all des körperlichen und seelischen Schmerzes, hat er nie damit aufgehört, seiner Leidenschaft für den Fußball in irgendeiner Form nachzugehen. Er arbeitet mittlerweile für eine der größten digitalen Medienagenturen Europas, die unter anderem PSG-Star Angel Di Maria oder Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang vertritt.

Was er einem Jungen aus seiner Nachbarschaft raten würde, wenn er Profi werden will? "Schließ' eine Sportinvaliditätsversicherung ab", lacht Smith. "Nein, ich würde ihm einfach sagen, er solle es genießen. Ich denke, wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, ist das das Wichtigste. Du musst jede Trainingseinheit, alle Werte, die du als Spieler und Mensch besitzt, schätzen."

Cesc Fabregas wird das vermutlich auch so sehen. "Ich bin froh, dass wir heute immer noch Freunde sind", schrieb er in seinem Tweet an Smith weiter. Und so ist sein Erfolg auch ein bisschen der von Ryan Smith. Seinem Kumpel, dessen Traum so bitter zerplatzte.

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