EM 2016: Kurz vor Toresschluss

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Bei der EURO lohnt es sich mehr denn je, bis zum Schlusspfiff dran zu bleiben. Goal ist den vielen späten Toren in Frankreich auf den Grund gegangen.

Bereits beim Eröffnungsspiel Frankreich gegen Rumänien war das Phänomen dieser Europameisterschaft zu beobachten. Da erzielte Dimitri Payet mit einem Linksschuss in den Winkel das 2:1-Siegtor für den Gastgeber in der Schlussminute. Das erste von 13 Toren, die bisher ab der 85. Minute einer Partie fielen.

Mario Gomez erklärte die vielen "Last-Minute-Tore" im Spox-Interview so: "In den letzten Minuten lässt die Konzentration nach. Wenn man bis zum Ende so leidenschaftlich fightet, kommt oftmals in der Schlussphase ein bisschen Hektik auf.“ Gegen die Ukraine hatte auch die deutsche Mannschaft einen Spätzünder: Bastian Schweinsteiger erzielte das 2:0 nach 91 Minuten und 50 Sekunden – eines von sechs Toren, die sogar erst in der Nachspielzeit fielen. Aber lange nicht das späteste. Dimitri Payet traf gegen Albanien nach 95 Minuten und zwei Sekunden, Nordirlands Niall McGinn toppte das gegen die Ukraine noch einmal (95:48) - diese beiden Treffer stehen ab sofort als späteste Treffer der EM-Historie in den Geschichtsbüchern.

Sechs Tore in der Nachspielzeit

Blickt man in die Historie der Europameisterschaften wird deutlich, dass der Eindruck nicht täuscht: 2016 sind die Spätzünder auf Rekordkurs, in der Nachspielzeit der regulären 90 Minuten könnten so viele Treffer kurz vor Toreschluss fallen wie nie zuvor. In der folgenden Grafik sind die fünf Turniere mit den meisten Treffern aufgelistet. Nach 26 gespielten Partien liegt die EM 2016 bereits auf Rang zwei hinter der Endrunde 2008, bei der am Ende sieben Tore nach der 90. Minute fielen.


Die Anzahl der Tore der vergangenen Turniere beziehen sich jeweils auf die komplette EM

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"Besser spät als nie", denkt sich vor allem der Gastgeber. Gegen die Schweiz klappte es im letzten Gruppenspiel zwar nicht mit einem späten Tor, doch in den Spielen gegen Rumänien (Tor nach 88 Minuten, 20 Sekunden) und Albanien (Tore: 89 Minuten und 20 Sekunden und 95 Minuten und zwei Sekunden) entpuppten sich die Franzosen als wahre Meister der Schlussphase. Doch was macht Frankreich so stark in den letzten Minuten? Didier Deschamps hat in seinem Kader sehr viele starke Offensivspieler, die er bei Bedarf einwechseln kann und die eine müde werdende Abwehr beschäftigen und neue Ideen entwickeln können. Ähnlich war es übrigens bei den Niederländern während der Weltmeisterschaft 2014. Auch aufgrund der Auswahl in der Offensive schoss die Mannschaft von Louis van Gaal damals allein vier Tore ab der 85. Minute. Im gesamten Turnierverlauf fielen allein 20 Tore in diesem Zeitraum. 

Insbesondere bei dieser EM-Endrunde ist Geduld und eine gute Bank gefragt, da durch den neuen Modus abwartender gespielt wird. Bemerkenswert deutlich macht das dieser Fakt: In 26 Partien wurden lediglich zwei Tore in den ersten 15 Minuten erzielt, bei exakt der Hälfte der Spiele gingen die Mannschaften mit einem 0:0 in die Halbzeit.

Die beste Bank der EM ist heute Abend wieder im Einsatz, wenn die Slowakei auf England (21 Uhr im LIVE-TICKER) trifft. Der Trainer der Three Lions, Roy Hodgson, wechselte im zweiten Gruppenspiel gegen Wales den Sieg ein. Jamie Vardy traf als Joker gegen Wales zum 1:1 bereits nach 56 Minuten, den 2:1-Siegtreffer erzielte der ebenfalls eingewechselte Daniel Sturridge. Natürlich in der Nachspielzeit.

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