"Ich bin der Meinung, dass die Titel oder Trophäen, die Manchester City in der besagten Zeit gewonnen hat, ihnen weggenommen werden sollten", erklärte Carragher am Mittwoch bei Sky Sports.
Am Dienstagabend hatte die Premier League die Citizens offiziell für schuldig erklärt. Dem Klub wird vorgeworfen im Zeitraum zwischen 2009/10 und 2017/18 seine Bilanzen frisiert und sich dabei einen finanziellen Vorteil verschafft zu haben.
Der zehnmalige Meister habe unter anderem durch "Scheinverträge" mit Sponsoren, wie die Premier League in ihrem Statement schreibt, die Einnahmen künstlich erhöht und seine Kosten gesenkt. Laut der von der englischen Liga eingesetzten, unabhängigen Kommission handelte es sich um eine Summe von 900 Millionen Pfund (rund 1,05 Milliarden Euro).
ManCity habe zudem falsche Jahresabschlüsse eingereicht sowie den tatsächlichen Zustand der Finanzen verschleiert. Gegen die Ausgabenlimits der Liga sowie der UEFA habe der Klub damit verstoßen. Die Kommission kam dadurch zu dem Schluss, dass der Verein "durch sein Verhalten eindeutig beabsichtigte, die Regeln der Premier League zu umgehen".
Der Klub reagierte "sowohl enttäuscht als auch überrascht" und erklärte, "unschuldig hinsichtlich der von der Premier League erhobenen Vorwürfe" zu sein. ManCity-CEO Ferran Soriano etwa sprach von einer "Verschwörungstheorie", schließlich verfüge man über "unwiderlegbare Beweise", die die eigene Unschuld belegen sollen.
Was City konkret droht, ist dabei noch nicht ersichtlich. Grundsätzlich werden immer wieder Vergleiche zum FC Everton und Nottingham Forest herangezogen, die in der Saison 2023/24 wegen einzelner Verstöße gegen das Financial Fair Play mit Punktabzügen belegt wurden. Die Manchester-Saga mit ihren 115 Anklagepunkten scheint eine ganz andere Dimension zu haben - auch die Möglichkeit eines Zwangsabstiegs sehen die Statuten vor.
Jamie Carragher hat Mitleid mit Kevin de Bruyne
Für Carragher ist ein geschlossener Rücktritt der gesamten Vereinsführung unausweichlich, um das Image des Klubs nicht nachhaltig zu beschädigen. "Solange sie nicht aus dem Verein ausscheiden, weiß ich nicht, wie dieser Makel entfernt werden kann", erklärte er. "City wird weitermachen - sie werden auch in Zukunft großartige Mannschaften haben. Aber ich sehe nicht, wie die Bosse nach dem, was hier passiert ist, und ihrer Reaktion darauf weitermachen können."
Für die Spieler, die in der besagten Zeit bei City unter Vertrag standen, empfindet die Ikone des FC Liverpool hingegen beinahe schon Mitleid. "Es muss sehr schwer für sie sein, all das mit anzusehen und fast das Gefühl zu haben, dass ein Großteil ihrer Karriere mit einem Sternchen versehen wird oder dass die Leute das Ganze einfach als Farce bezeichnen werden."
Er denke dabei etwa an Mittelfeldspieler Kevin de Bruyne, der zwischen 2015 und 2025 zehn Jahre lang das City-Trikot trug und mit dem Verein in dieser Zeit unter anderem einmal die Champions League, sechsmal die englische Meisterschaft und zweimal den FA Cup gewann.
"Er hätte für jede Mannschaft der Welt spielen können und wäre trotzdem einer der besten Spieler gewesen. Er war fantastisch", so Carragher. "Aber wenn er jetzt am Ende seiner Karriere dasteht und die ganze Welt auf seine zehnjährige Karriere bei Manchester City blickt und sie als Farce betrachtet..., dann wäre ich wütend."



