Übermorgen Freitag ist es soweit: Dann wartet der FC Bayern seit exakt vier Wochen auf einen Sieg. Dass sich die Münchner deshalb nicht längst in einer Krise von historischem Ausmaß befinden, liegt lediglich daran, dass sie in diesem Zeitraum wegen der ausgedehnten Länderspielphase nur zwei Pflichtspiele bestritten haben. 2:2 beim FC Augsburg, nun 3:3 bei Viking Stavanger.
Durchaus besorgniserregend macht die beiden Patzer aber, dass sie einerseits gegen zwei nominell deutlich schwächere Mannschaften passiert sind. Und andererseits, dass sie auf ähnliche Muster zurückzuführen sind.
Die Zusammenfassung lautet: Der FC Bayern scheitert aktuell am FC Bayern, beziehungsweise an der eigenen Dummheit und Unzulänglichkeit. "Ich stehe wieder hier wie nach dem Augsburg-Spiel und im Grunde haben wir das gleiche wieder gemacht", resignierte Sportvorstand Max Eberl in Stavanger. "Fast identisches Spielbild." Aber nicht nur das: "Wir haben heute nochmal mehr Fehler gemacht als gegen Augsburg." Und damit zur ausführlichen Version.
FC Bayern: Frühe Gegentore und fatale Ballverluste
In beiden Spielen kassierten die Münchner ein ganz frühes Gegentor. Gegen Augsburg sogar das historisch schnellste der Bundesliga-Geschichte nach acht Sekunden, gegen Stavanger nach 72 Sekunden. Ermöglicht wurden beide Treffer durch individuelle Schnitzer. In Augsburg leistete sich Keeper Manuel Neuer einen fatalen Ballverlust. In Stavanger verschuldete Min-Jae Kim unnötigerweise den Eckball, der zum Gegentor führte. Trainer Vincent Kompany beklagte diesbezüglich den "Übermut" seiner Mannschaft, stets spielerische Lösungen finden zu wollen.
Das jeweils zweite Gegentore gegen Augsburg und Stavanger resultierte aus einem gegnerischen Steilpass quer durch eine schlecht abgestimmte Münchner Defensive. Fast schon prophetisch hatte Viking-Kapitän Zlatko Tripic bei der Pressekonferenz vorab angekündigt: "Wenn sie viele Leute nach vorne schicken, öffnen sich Räume." In Stavanger beließen es die Münchner aber nicht bei fußballerischen Fehlern.
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Dank eines Doppelpacks von Harry Kane und dem 3:2 durch Luis Diaz war der FC Bayern zurückgekommen, ehe Michael Olise die Sicherungen durchbrannten. Gelb für ein taktisches Foul. Nochmal Gelb, weil er seinem Gegenspieler den Ball ins Gesicht schmiss. Gelb-Rot. "Überblöd", befand Kompany. Das späte Gegentor zum 3:3 in Unterzahl resultierte dann wiederum aus einem vermeidbaren Ballverlust von Joshua Kimmich.
IMAGOFC Bayern: Wankende Achse und Schiedsrichter im Fokus
Und damit zu einem weiteren Problem des FC Bayern: der wankenden Achse. Mehrere Schlüsselspieler durchleben aktuell persönlich schwierige Phasen. Kapitän Manuel Neuer muss nach seinem Fehler gegen Augsburg Debatten über einen etwaigen vorzeitigen Machtwechsel im Münchner Tor über sich ergehen lassen, zudem hat er mal wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Vize-Kapitän Kimmich wird seit der für ihn so unglücklich verlaufenden Länderspielphase im DFB-Team in Frage gestellt. "Unnötig", findet sein Nebenmann im Mittelfeldzentrum, Aleksandar Pavlovic, diese Debatten - aber sie existiert nun mal dennoch.
Jonathan Tah musste nach einer ganz schwachen ersten Halbzeit in Stavanger zur Pause runter. Luis Diaz wirkt auch nach seinem Sonderurlaub verkrampft. Von seiner einst so positiven Energie ist aktuell wenig zu sehen, die drei nicht gegebenen Abseitstore taten ihr übriges. Womöglich sorgt sein - regulärer! - Treffer in Stavanger aber nun für die Trendwende. Olise muss derweil den ersten Platzverweis und die wohl schwachsinnigste Aktion seiner bisherigen Profikarriere verarbeiten. Besonders bitter ist, dass er auf jeden Fall das Topspiel gegen den Vorjahresfinalisten FC Arsenal kommende Woche gesperrt verpasst.
Über Olises völlig berechtigten Platzverweis beschwerte sich vom FC Bayern in Norwegen zwar niemand. Wie schon in Augsburg arbeiteten sich die Münchner aber auch in Stavanger am Schiedsrichter ab. Einerseits während des Spiels, wie Kompany zugab: "Wir waren vielleicht beschäftigt mit Sachen, die uns nicht helfen in dieser Situation, wie dem Schiedsrichter." Vor allem aber auch bei den anschließenden Analysen.
In Augsburg wegen Diaz' wohl zu Unrecht nicht gegebenem ersten Treffer. Nun in Stavanger wegen der allgemeinen Attitüde des - ob seiner einstigen Sperre sowieso kritisch beäugten - Bulgaren Georgi Kabakov. Inhaltlich war die Kritik zwar jeweils durchaus berechtigt. Als FC Bayern sollte man nach Patzern gegen Mannschaften vom Kaliber Augsburgs oder Stavangers aber eher auf die eigenen Unzulänglichkeiten blicken, statt die Leistung des Schiedsrichters in den Fokus zu rücken.
Wie geht es für den FC Bayern jetzt weiter?
Mindestens zwei Pflichtspiele ohne Sieg hintereinander hat es seit Kompanys Amtsübernahme im Sommer 2024 bisher viermal gegeben. Dreimal in seiner Premierensaison und dann einmal diesen Frühling, als die Münchner zwischen den beiden Champions-League-Halbfinals gegen Paris Saint-Germain (4:5 und 1:1) in der bereits entschiedenen Bundesliga gegen den 1. FC Heidenheim remisierten.
In der Anfangsphase der Vorsaison war der FC Bayern derweil noch völlig makellos geblieben. Während jetzt nach neun Spielen schon drei Patzer stehen, legten die Münchner damals mit wettbewerbsübergreifend 16 Siegen am Stück den besten Saisonstart aller Klubs aus Europas Top-5-Ligen der Geschichte hin. Unterwegs gelangen eindrucksvolle Erfolge gegen Klubweltmeister FC Chelsea und Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain. Den ersten Punktverlust setzte es erst Mitte November bei einem Remis gegen Union Berlin.
Nun warten nach zwei Spielen ohne Sieg gleich drei schwere Aufgaben hintereinander auf den FC Bayern. In der Bundesliga gegen ein scheinbar wiedererstarktes RB Leipzig, in der Champions League gegen Arsenal und dann abermals in der Bundesliga gegen Tabellenführer SC Freiburg. Es besteht zumindest die Gefahr, dass aus einer Delle eine echte Krise wird.
Immerhin eines macht Hoffnung: An Toren mangelt es dem FC Bayern trotz der teils durchwachsenen Chancenverwertung derzeit nicht. Was vor allem an Harry Kane liegt, der an allen fünf Treffern gegen Augsburg und Stavanger beteiligt war.





