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Von Brasiliens Barcelona zu Chelsea: Die unglaubliche Geschichte von Diego Costa

12:15 MESZ 27.05.17
GFX Diego Costa Chelsea 26052017
Der Stürmer musste überzeugt werden, dass er dem Fußball nicht den Rücken kehrt. Dabei deutete bei ihm alles auf eine große Karriere hin.

HINTERGRUND

Diego Costa nicht mehr bei den Blues? Ein herber Verlust für den FC Chelsea, würde wohl jeder Experte sagen. Und eben dieser Meinung ist auch Paulo Sergio Moura, Präsident von Costas erstem Klub Barcelona Capela in Brasilien. Goal hat Moura tiefe Einblicke in die jungen Jahre des heutigen Weltklasse-Stürmers gegeben.

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Costa war seit seinem Wechsel von Atletico Madrid zu Chelsea 2014 immer ein Liebling der Fans, in seiner ersten Saison gleich eine der Schlüsselfiguren auf dem Weg zur Meisterschaft 2015. Auch in Antonio Contes Team wusste er in dieser Saison zu überzeugen und führte seine Mannschaft erneut zum Titel. Doch am Samstag im FA-Cup-Finale gegen den FC Arsenal könnte es das vorerst letzte Spiel für den Angreifer im Dress der Blues sein. Es wird über einen Transfer nach China oder eine mögliche Rückkehr zu Atletico Madrid spekuliert.

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Moura kennt Costa bereits aus Kindertagen. Er weiß genau, wie der bullige Angreifer tickt. Die stürmische Art, für die er bekannt ist, habe Costa erst in Europa aufgeschnappt.

"Erstaunlicherweise war er nie ein Rebell. Er war wie jeder andere Junge, hatte seine Probleme, aber der Aufruhr rührte eher von Geldproblemen her", so Moura im exklusiven Gespräch mit  Goal. "Auf dem Platz war er nie der respektlose Diego, der er heute ist. Bei uns war er immer ein Teamplayer."

"Wenn Sie mich fragen, kann ich Ihnen nicht erklären, warum dieses Verhalten erst in Europa auftrat. Vielleicht, und das soll kein Vorwurf sein, haben Brasilianer Probleme mit dem Einleben und das merken sie in großen Klubs. Da gibt es Gruppen und du musst beweisen, dass du gut bist. Du musst aufpassen, dass du nicht gemobbt wirst, da die Menschen nicht gerne Brasilianern folgen", setzte der Präsident fort. "Am Ende stehst du robuster da, in einer aufdringlichen Art und Weise. Du musst mit breiter Brust an die Sache rangehen."

Moura kann Costa daher verstehen: "Ich denke, dass sich Diego dies zu Herzen nahm. Er wollte in eine Rolle schlüpfen, wurde aber dann in eine andere gedrängt. Das ist Diegos Marke, er dachte es sei eine gute Sache, die vielen Streitereien. Viele Menschen sehen dies negativ, aber es hat ihm nicht wirklich geschadet. Es wird nur bedeutender und die Medien lieben es, darüber zu schreiben. Die Fans lieben ihn und wenn er Chelsea wirklich verlässt, dann werden sie auseinanderfallen."

"Egal ob in Spanien oder Portugal, überall wo er war, wurde er wie ein König behandelt. Ich glaube, dass er das mag, doch tief in seinem Inneren ist er ein guter Kerl. Er ist extrovertiert, albern, gesprächig und nicht ignorant oder dumm. Neben dem Platz ist er ein höflicher Mensch."

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Doch beinahe wäre der Traum von der großen Karriere in Europa geplatzt. Bei einem Turnier wurde er während seiner Zeit bei Barcelona Capela wegen Fehlverhaltens vom Platz geschickt. Dabei waren einige Scouts gekommen, um ihn spielen zu sehen. Doch der Klub schaffte es, eine mögliche sechsmonatige Sperre abzuwenden. Danach konnte Costa sein Talent weiterhin zeigen und verdiente sich so seinen Wechsel nach Portugal zu Braga.

"Wir luden ein paar Leute von Jorge Mendes' Gestifute-Unternehmen ein. Uns war bewusst, dass wir eine gute Freundschaft mit Mendes pflegten und wir haben Armando Silva gefragt, ob er sich Diego ansehen könnte", erklärte Moura.

"An dem Tag, als Silva nach Brasilien kommen wollte, bekam Diego seine Rote Karte und wurde für 180 Tage gesperrt. Diego kam zu mir und meinte 'Ich hab es dir doch gesagt, Paulo, dass ich keine Fußballer werden möchte. Das zeigt mir, dass ich kein Fußballer werden soll'", erzählte der Capela-Präsident.

Costa war am Boden zerstört. Doch das Blatt wendete sich wieder. "Drei, vier Tage, nachdem diese Menschen landeten, gingen wir zum Verband und holten Beweise, dass er sich bisher noch nie so etwas geleistet hatte. Der Verband revidierte daraufhin seine Entscheidung und ich rief Diego an, dass er zum nächsten Spiel kommen soll."

Costa spielte ohne Training

"Ich sprach mit dem Coach und wir einigten uns darauf, dass er in der zweiten Halbzeit spielen soll. Kurz vor Ende der Partie wurde Diego dann eingewechselt. Nach den fünf Minuten, die ihn der Scout sah, stand er auf und meinte nur 'Danke, ich habe genug gesehen, ich will ihn'", schwelgte Moura in Erinnerungen.

Mit 15 Jahren hatte Costa begonnen, in Sao Paulo Fußball zu spielen -  auf der Suche nach einem besseren Leben mit mehr Möglichkeiten. Sein Wechsel zu Barcelona Capela kam im richtigen Moment, als der Verein sich gerade auf Stürmersuche befand. Er war der Stürmertyp, den man unbedingt haben wollte.

"Die Geschichte von Diego Costa ist ähnlich wie die von einigen anderen jungen Spielern. Er stand an einem normalen Tag auf, um ein Probetraining bei uns zu absolvieren. Sein Onkel besuchte uns und sprach mit unserem Scout Moacir, der bis heute hier arbeitet, und bat ihn um eine Chance für Diego."

"Und Diego war dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir suchten einen Spieler mit genau seinen Eigenschaften", betonte Moura. "Wir wollten im Januar an einem Turnier teilnehmen und während der Vorbereitung verletzte sich ein Spieler auf seiner Position. Es war genau dieser Tag, als Diego bei uns auftauchte."

"Wir sagten ihm und seinem Onkel, dass, wenn er das Probetraining besteht, er mit uns zum Turnier fahren kann. Dazu brauchten wir aber noch das Einverständnis seines Onkels, da er ja noch minderjährig war. Beide Seiten haben von diesem Deal profitiert - er durfte mit zum Turnier und wir konnten ihn einsetzen", erinnerte sich Moura. "Da es kein wichtiges Spiel war, mussten wir ihn nicht beim Verband registrieren lassen. Er war ein normaler Junge, aber er merkte bald, dass er viel weiter war als die anderen."

Capelas Präsident fügte hinzu: "Diego war 15 Jahre alt, knapp vor seinem 16. Geburtstag. Er kam von Sergipe, aus einer ordentlichen Familie und lebte nun mit seinem Onkel in Sao Paulo. Sein Onkel versuchte mit vielen Vereinen Kontakt aufzunehmen und ging dabei den direkten Weg."

"Er fand den richtigen Verein - und das war unserer. Diego lebte im Osten von Sao Paulo und musste durch die ganze Stadt reisen, um in den Süden zu unserem Trainingszentrum zu kommen. Neben dem Problem mit der langen Anreise waren auch die Finanzen ein heikles Thema zu dieser Zeit. Diego musste einige Spiele auslassen, da er mit einem Nebenjob versuchte, an Geld zu kommen."

 

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Ein Beitrag geteilt von Diego Costa (@diego.costa) am 27. Jun 2016 um 16:50 Uhr

Costa hatte viele Möglichkeiten, um sofort Geld zu verdienen. Damals kam er durch seine Arbeit auf zwischen 1500 und 2000 Reals - beim Fußball bekam er lediglich 200 bis 300 Reals. Für einen 15-jährigen Jungen war das Geld sehr reizvoll, doch Moura konnte ihn letztlich abhalten, den für ihn falschen Weg einzuschlagen. Dies freut wohl nicht nur seinen jetzigen Arbeitgeber Chelsea, sondern auch Costa selbst.