Deutscher Krimi mündet im Halbfinale

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Opta nimmt die EURO anhand von Zahlen und Grafiken unter die Lupe. Heute: Beim Drama gegen Italien zeigte Deutschland Charakter und eine stabile Abwehr. Bis auf einen Aussetzer.

Das hatte sich wohl niemand gewünscht: Ein Elfmeterschießen gegen die Squadra Azzurra. Nach drückender Überlegenheit, die die deutsche Mannschaft jedoch in zu wenige Chancen ummünzen konnte, musste die Partie gegen den Angstgegner vom Punkt entschieden werden. Die DFB-Elf gewann letztlich das sechste Elfmeterschießen in Folge bei großen Turnieren und zog ins Halbfinale ein, obwohl erstmals bei Welt- oder Europameisterschaften drei Spieler verschossen.

Die Youngster ohne Nerven

Gegen die erfahrenen und abgebrühten Italiener zeigten vor allem die jungen deutschen Spieler, dass sie Charakter haben und zogen den deutschen Kopf mehrfach aus der Schlinge. Während Thomas Müller - er verschoss in Pflichtspielen für den FC Bayern 2015/16 bereits ganze vier Elfmeter - Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger nicht die Nerven hatten, zeigten die weniger erfahrenen Akteure, wie es geht. Man hatte den Eindruck, als wäre es gerade die Unbedarftheit - nervös schienen sie jedenfalls nicht zu sein. 

Julian Draxler und Jonas Hector trafen bei ihren jeweils ersten (!) Elfmetern in Pflichtspielen als Profis entschlossen und relativ sicher. Joshua Kimmich schnappte sich das Leder, obwohl er im Pokalfinale 2016 gegen den BVB noch recht kläglich verschossen hatte. Nicht zu vergessen: Manuel Neuer mit zwei gehaltenen Elfmetern und Jerome Boateng, der nach seinem folgenschweren Patzer erneut Verantwortung übernahm.

DFB-Elf hoch überlegen, aber ohne Großchance

Dreht man die Uhr zurück, war Deutschland über 120 Minuten das überlegene Team. Das einzige Problem war, dass die Italiener so gut wie nie die Kontrolle in der Defensive verloren und die deutsche Elf in der Regel dort agieren ließen, wo es ihnen nicht weh tat. Das Geschehen verlagerte sich stark in die italienische Hälfte - die DFB-Elf hatte ihre Ballgewinne durchschnittlich 39 Meter vor dem eigenen Tor, die Italiener nur 27 Meter.

Wie die folgende Grafik des durchschnittlichen Aktionsradius ("Tatsächliche Positionen") zeigt, bewegten sich zwar fast alle deutschen Spieler in der italienischen Hälfte, jedoch befand sich selbst Mario Gomez (23) in Sicherheitsabstand zum Strafraum. Der unermüdliche Thomas Müller (13) zog genauso in die Mitte wie Mesut Özil (8), der auf der linken Seite unauffällig begann und dann immer wieder rochierte. Die Italiener standen mit sieben Feldspielern organisiert in der eigenen Hälfte, lediglich die beiden Stürmer Pelle (9) und Eder (17) sowie Giaccherini (23) sorgten für Entlastung.

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Immer wieder prallten die Schützlinge von Joachim Löw an der Abwehrwand ab und versuchten es mit zahlreichen Flanken (21), die aber nur zweimal einen Mitspieler fanden. Auffällig war vor allem, dass Antonio Conte Wert darauf gelegt hatte, Toni Kroos aus dem Spiel zu nehmen - was auch gelang. Kroos hatte zwar wieder über 100 Ballaktionen (116), jedoch waren es die wenigsten im Turnierverlauf. So lief der Spielaufbau weitestgehend über Jerome Boateng und Mats Hummels. 

Fast schon italienisch mutet die deutsche Defensive an. Ohne Gegentor war man ins Viertelfinale marschiert. Gegen Italien riss diese Serie zwar, aber nur wegen des Aussetzers von Jerome Boateng. Aus dem Spiel heraus sind Manuel Neuer & Co. aktuell kaum zu überwinden, in 120 Minuten musste der deutsche Keeper nur drei Schüsse parieren. Gegen Spanien waren die Italiener noch brandgefährlich, gegen Deutschland hatten sie kaum ernsthafte Abschlüsse. Umso bitterer, dass Mats Hummels, der eine fehlerlose EM spielt und in Zweikämpfen überaus sicher agiert, im Halbfinale aufgrund seiner zweiten Gelben Karte ausfällt.       

 

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