Vicente del Bosque Spain Czech Republic Euro 2016Getty Images

Der nette Herr del Bosque kann nicht loslassen

Vicente del Bosque folgt einer recht einfachen Philosophie. "Es gewinnt nur der, der intelligent und bescheiden ist", sagt Spaniens Nationaltrainer. Im hektischen Fußballgeschäft ist der 65-Jährige mit dem markanten Schnauzer diesem Motto auch nach mehr als 30 Jahren treu geblieben. Wie lange es der Welt- und Europameistermacher seinen Spielern noch vorlebt, ist aber offen. Auf ein Karriereende will er sich nicht festlegen.

Bei jedem anderen wäre wohl schon vor zwei Jahren Schluss gewesen. Das Vorrundenaus bei der WM in Brasilien nach einem niederschmetternden 1:5 gegen die Niederlande und einem 0:2 gegen Chile war ein Schock für die stolzen Spanier. Doch: del Bosque hatte die Furia Roja eben auch zum EM- (2010) und WM-Titel (2012) geführt. Das hat vor allem der allmächtige Verbandspräsident Angel Maria Villar nicht vergessen - und so scheint eine Vertragsverlängerung über die EURO hinaus durchaus realistisch.

Wird er Spanien zurück zu alter Stärke führen?

In seiner Autobiografie "Gewinnen und Verlieren - die emotionale Kraft" kündigte der Ehrendoktor der Universität von Salamanca zwar an, dass sein Abschied nach der EM in Frankreich unter anderem aus "gesundheitlichen Gründen" höchstwahrscheinlich sei. Später relativierte er jedoch, dass das Buch "kein Werk sei, um Adios zu sagen".

Natürlich wird alles davon abhängen, wie es sportlich läuft, ob die Spanier zu alter Dominanz zurückkehren und die Schmach von Brasilien vergessen machen. Hoch angerechnet wird ihm, dass er mittlerweile neue Wege geht und nicht an den "alten Herren" festhält.

Trotz des Sexskandals machte "der nette Herr del Bosque" den jungen David De Gea (25) zur Nummer eins im Tor und verbannte die Ikone Iker Casillas (35) auf die Bank. Auch taktisch nahm er in seinem achten Jahr als Nationaltrainer Änderungen vor, er agiert nach dem Rücktritt von Xabi Alonso beispielsweise nur noch mit einem statt mit zwei defensiven Mittelfeldspielern.

Famile hält ihn auf dem Boden

Als zweiter Trainer nach Helmut Schön (1972/1974) formte del Bosque ein Team zum Welt- und Europameister, es dominierte über Jahre den Weltfußball. Prunk und Protz sind trotzdem nichts für ihn, del Bosque ist ein Familienmensch. Neben seiner Frau Trini gilt seinen Söhnen die ganze Liebe. Vor allem Álvaro, der unter dem Down-Syndrom leidet, habe ihn viel gelehrt und klargemacht, was im Leben wirklich zählt: "So eine Situation relativiert die Dinge."

Demut ist eine Tugend, die del Bosque verinnerlicht hat. "Fußball beschädigt Menschen, die denken, sie sind die Besten", sagte der Routinier, der 2011 von König Juan Carlos I. der Adelstitel Marqués verliehen bekam.

Für Guardiola gibt es keinen Besseren

Die Spanier lieben ihn für seine weichen Wesenszüge. "Es gibt keinen besseren Trainer als Vicente del Bosque für die Nationalmannschaft", sagt sein Landsmann Pep Guardiola: "Mit Vicente wird Spanien weiter auf hohem Niveau spielen."

Sollte er nach diesem Sommer doch abtreten, ist die Frage nach einem Nachfolger völlig offen. Joaquín Caparrós, Ex-Coach von Deportivo La Coruna, gilt als Kandidat. Doch noch kann sich die Spanier kaum jemand ohne del Bosque vorstellen.

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