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Mile SvilarGetty Images

Der beste Keeper ist kein Nationalspieler: Nicolo Tresoldis warnendes Beispiel aus der Serie A

1. September 2021, ein Mittwochabend in der ungarischen Stadt Debrecen. Gut 14 Monate vor Beginn der WM im eigenen Land traf Katar in einem Testspiel auf Serbien. Viel zu erzählen gibt es nicht über dieses Spiel auf neutralem Platz, das die Serben 4:0 gewannen, an das selbst die allermeisten Beteiligten heute, etwas mehr als fünf Jahre später, keine wirklich lebhaften Erinnerungen mehr haben dürften.

Bei Mile Svilar ist das ziemlich sicher anders. Einerseits, weil es sein erstes A-Länderspiel war, zur zweiten Halbzeit war der damals 22-jährige Torhüter für Predrag Rajkovic eingewechselt worden. Andererseits - und das dürfte die noch prägendere Erinnerung sein - weil ihn dieser unscheinbare Mittwochabend in Debrecen bis heute verfolgt.

Svilar stand in den folgenden vier WM-Qualifikationsspielen zwar noch in Serbiens Kader, spielte allerdings nicht mehr. Und so ist sein erstes auch das immer noch einzige A-Länderspiel des mittlerweile 27-Jährigen - obwohl er sich bei der AS Rom zu einem der stärksten Keeper Europas entwickelt hat und vergangene Saison zum besten Torhüter der Serie A gewählt wurde.

Mile Svilars Vater war Nationaltorwart Jugoslawiens

Wie das so kommen konnte? Von vorne: Svilar wurde im August 1999 im belgischen Antwerpen geboren, wuchs in Belgien auf. Sein Vater: Der ehemalige jugoslawische Nationaltorhüter (neun Länderspiele) Ratko Svilar, der seine Profikarriere 1996 nach 16 Jahren bei Royal Antwerpen beendet hatte und in der verhängnisvollen Entscheidung seines Sohnes später eine tragende Rolle spielen sollte.

Svilar junior machte sich früh als einer der besten Torhüter Belgiens in seiner Altersklasse einen Namen, schon als Zehnjähriger war er von Beerschot AC aus Antwerpen ins nahe gelegene Brüssel zu Rekordmeister RSC Anderlecht gewechselt. Später durchlief er von der U15 an sämtliche U-Nationalteams von Belgien, spielte unter anderem 2016 eine bärenstarke U17-EM. Im Rahmen derer sagte der Hochbegabte, der Anderlecht 2017 noch vor seinem ersten Einsatz für die Profis mit gerade 18 in Richtung Benfica verließ, zu UEFA.com: "Ich habe viel von meinem Vater gelernt, beinahe alles. Ich habe den selben Stil wie er."

Es verwundert nicht, dass Svilar einige Jahre später unter anderem wegen des Rats seines Vaters besagte Wahl traf, mit deren Konsequenzen er bis heute zu kämpfen hat. Wie der Papa wollte Mile für dessen Heimatland im Tor stehen - oder dachte zumindest, dass er das wollte. Und Svilar senior bestärkte ihn zusätzlich darin, hatte neben den emotionalen auch rein sportliche Gesichtspunkte im Blick.

Warum es Mile Svilar bei Belgien schwer gehabt hätte

Schließlich hatte Belgien damals und hat heute irgendwie ja immer noch einen der besten Torhüter der Welt: Thibaut Courtois. Der kam 2021, als Svilar sich für einen Verbandswechsel entschied, mit 29 gerade erst ins beste Torwart-Alter. Und legte nach der WM im vergangenen Sommer zwar eine Pause in der Nationalmannschaft ein, will aber im September 2027 zurückkehren. Den Svilars war vor rund fünf Jahren jedenfalls bewusst: In Belgien die Nummer eins zu werden, würde mittelfristig enorm schwierig.

Eine Nominierung für die belgische A-Nationalmannschaft war bis dato nicht bei ihm eingetrudelt und darum sagte sich Svilar nach insgesamt 26 Junioren-Länderspielen für Belgien mit 22 eben: Warum nicht auf die Avancen der Serben eingehen und den Verband wechseln? Doch er bereute seine Entscheidung schnell - wohl auch deshalb, weil ihm die gebotenen Perspektiven nicht gut genug waren.

Predrag Rajkovic (heute Al-Ittihad) war seinerzeit die Nummer eins, als dessen Herausforderer stand Vanja Milinkovic-Savic (heute SSC Neapel) bereit und in den vergangenen Jahren lief es im serbischen Kasten dann auch meist auf ein Wechselspiel zwischen diesen beiden Torhütern hinaus. Svilar hatte sich, wenn er schon die Mühen des Verbandswechsels auf sich nahm, möglicherweise erhofft, rasch gesetzt zu sein.

Warum darf Mile Svilar nicht mehr von Serbien zurück zu Belgien wechseln?

Doch dem war nicht so und er hatte schnell doch keine Lust mehr auf Serbien, wollte wieder zum belgischen Verband zurück. Das Problem: Die FIFA-Statuten, genauer gesagt die sogenannte "One-Way-Rule", verbauen ihm diese Möglichkeit. Jene Regel besagt nämlich: Wechselt ein Spieler den Verband, darf er nicht mehr zurück wechseln, sobald er - völlig egal ob Test- oder Pflichtspiel - in einem A-Länderspiel für das neue Land gespielt hat. Und das tat Svilar eben in jenem Freundschaftsspiel mit Serbien gegen Katar im September 2021. Wieder für Belgien zu spielen, ist für Svilar damit unmöglich.

Nun ist es keineswegs so, dass der Roma-Keeper, 2022 von Benfica nach Italien gewechselt, das einfach so hinnehmen würde. Seit Jahren versucht er, bei der FIFA eine Ausnahmegenehmigung durchzudrücken, die ihm erlauben würde, doch wieder für Belgien zu spielen. "Wir verfolgen ihn natürlich seit vielen Monaten. Aber es ist klar, dass er nicht für uns spielen kann", hatte der damalige belgische Nationaltrainer Domenico Tedesco im Frühjahr 2024 bestätigt, dass es derlei Gedankenspiele auch von Verbandsseite aus gab.

Im Vorfeld der WM 2026 soll Svilar mal wieder einen Versuch unternommen habe, die FIFA davon zu überzeugen, ein Auge zuzudrücken. Wieder vergeblich. Und sehr wahrscheinlich juckte es Svilar in Händen und Füßen, als Courtois in Belgiens WM-Viertelfinale gegen Spanien verletzt raus musste und möglicherweise er statt Senne Lammens, dessen Patzer dem späteren Weltmeister kurz vor Schluss das 2:1-Siegtor ermöglichte, in der 71. Minute eingewechselt worden wäre.

Mile Svilar als warnendes Beispiel für Nicolo Tresoldi

Einem Bericht der Gazzetta dello Sport zufolge soll Svilar die Hoffnung auf einen erneuten Verbandswechsel zurück nach Belgien trotz der neuerlichen Enttäuschung im Sommer nicht aufgegeben haben. Dazu passt, dass es für ihn deshalb derzeit auch nicht infrage kommt, doch noch einmal für Serbien zu spielen. Denn das dürfte er ja und wäre wahrscheinlich auch weiterhin willkommen. 2025 war er das in jedem Fall noch: "Ich habe mit ihm gesprochen. Er hat beschlossen, nicht mehr für die Mannschaft zu spielen. Es tut mir leid, ich habe versucht, diesen Ansatz zu verfolgen, ihm zu zeigen, dass er wichtig ist und dass er einen Platz in der Nationalmannschaft hat, wenn er hier sein möchte", erklärte der serbische Nationaltrainer Veljko Paunovic vor rund einem Jahr bei TV Arena Sport.

Abseits des ganz persönlichen Dramas ist Svilar in gewisser Weise auch ein warnendes Beispiel für andere. Für Nicolo Tresoldi etwa: Der Stürmer von Club Brügge, in Italien geboren und als 13-Jähriger mit seiner Familie nach Deutschland gekommen, ist bekanntlich derzeit in aller Munde. Squadra Azzurra oder DFB-Team? Wofür entscheidet er sich denn nun?

Tresoldi hat noch in keiner italienischen Junioren-Auswahl gespielt, trägt stattdessen seit der U19 das DFB-Trikot und will im kommenden Sommer unbedingt noch die deutsche U21 zum EM-Titel ballern. Danach ist alles offen. Fest steht allerdings und davon kann Mile Svilar ein Lied singen: Er sollte reiflich überlegen und eine Entscheidung treffen, die er nicht ein paar Wochen später schon wieder bereut. Denn ein Zurück gibt es dann nicht mehr.

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