Es war Oktober vergangenen Jahres, als die Beobachter der Ligue 1 ein Deja-vu erlebten. Die Saison in der höchsten französischen Spielklasse kam langsam ins Laufen, da machte ein junger, schüchterner Flügelstürmer namens Kylian Mbappe auf sich aufmerksam. Scheinbar furchtlos stürzte er sich in atemberaubende Dribblings. Mit beneidenswerter Leichtigkeit spielte er seinen Gegnern Knoten in die Beine, um den Ball anschließend lässig in die Maschen zu befördern.
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Nur ein Jahr zuvor hatten die französischen Fans bereits Ähnliches erlebt. Damals avancierte Ousmane Dembele zum absoluten Shootingstar der Liga und dribbelte sich Tür und Tor in die große, weite Fußballwelt auf. Nach der Saison folgte der mittlerweile 19-Jährige den Rufen Borussia Dortmunds in die Bundesliga, wo er sich anschickt, zu einem der besten Angreifer der Welt zu werden.
Wenn die Westfalen an der Seite ihrer Kontrahenten aus Monaco am Dienstagabend den Rasen des Signal Iduna Parks betreten, werden viele Augen auf die beiden Mega-Talente gerichtet sein, stellen sie doch das Gesicht einer neuen, einer goldenen Generation des französischen Fußballs dar. Für Mbappe und Dembele wird es der bisherige Höhepunkt ihrer noch jungen Karrieren sein. Am Ende dieses Viertelfinals der Champions League wird für einen die Reise zu Ende sein, für den anderen geht sie weiter. Wie im echten Leben liegen auch im Fußball Freud und Leid manchmal so nah zusammen.
Tatsächlich lassen sich jedoch viele Parallelen zwischen den beiden Shootingstars erkennen. Sowohl Dembele als auch Mbappe haben sich in der laufenden Saison zu absoluten Schlüsselspielern in ihrer Mannschaft entwickelt. Beide profitieren wesentlich von der offensiv ausgerichteten Spielweise ihrer Teams.




Des Einen Freud, des Anderen Leid
Der 19-jährige Ousmane Dembele konnte seit seiner Ankunft, augenscheinlich komplett ohne Anpassungsschwierigkeiten, in Dortmund überzeugen. "Sie sagten mir, ich würde auf jeden Fall spielen, wenn ich meine Leistung bringe. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein und bereue meine Wahl auf gar keinen Fall", erklärte er im Februar im exklusiven Goal-Interview. Dass er seinen Stammplatz im Team der Schwarz-Gelben schon seit Saisonbeginn sicher hat, ist nicht nur seinen großartigen Auftritten, sondern wohl auch der andauernden Personalproblematik der Dortmunder geschuldet.
Mit Andre Schürrle verletzte sich bereits zu Beginn der Saison sein größter Konkurrent auf dem Flügel. Mit Emre Mor verpflichtete der Meister von 2011 und 2012 im vergangenen Sommer ein weiteres hoffnungsvolles Talent. Dieser liegt in seiner spielerischen und taktischen Entwicklung jedoch mindestens einen Schritt hinter dem Franzosen. Mario Götze, ein weiterer möglicher Konkurrent des Flügelflitzers, konnte aufgrund immer wiederkehrender gesundheitlicher Probleme bisher nie das Niveau seiner ersten Jahre im Dortmunder Trikot erreichen.
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Aufgrund dieser Personalproblematiken war der Stammplatz Dembeles von Anfang an gesichert. Mit starken Leistungen konnte er so früh jegliche Zweifel im Keim ersticken und ließ zu Saisonbeginn selbst den Ausfall von Superstar Marco Reus vergessen. Doch wie der Rest der jungen Dormunder Mannschaft blieb auch er nicht von zwischenzeitlichen Formschwankungen verschont, so standen furiosen Spielen in der Vorrunde gegen Real Madrid anschließend blutleere Auftritte und Niederlagen gegen Leverkusen und Darmstadt gegenüber.
In Dortmund weiß man jedoch aus Erfahrung mit jungen, hochtalentierten Spielern umzugehen. Vom medialen Trubel um seine Person wird Dembele weitgehend ferngehalten, ein Interview von ihm bekommt man selten zu sehen. Er versucht sich auf das Sportliche zu konzentrieren, private Fehltritte gab es von ihm noch keine. Vielmehr gibt er sich sympathisch bescheiden. "Ich bin kein Phänomen. Ich versuche nur zu zeigen, was ich kann, Spaß auf dem Platz zu haben und dort meine Mitspieler zu unterstützen. Was über mich gesagt wird, ändert nicht das Geringste", versucht er den Wirbel um sich zu beruhigen.
Ähnliches gilt für Kylian Mbappe, seinen Kontrahenten am Dienstag. Dieser lehnte offenbar erst kürzlich ein hochdotiertes Angebot von Champions-League-Sieger Real Madrid ab, um sich den Traum von einem Titel in seinem Heimatland zu erfüllen. "Um in die Geschichte einzugehen, muss man Titel gewinnen. Genau das will ich mit Monaco schaffen", gab sich der 18-Jährige gegenüber Telefoot ambitioniert.
Arsene Wenger: "Mbappe ist wie Henry"
Dass die Monegassen auf dem besten Weg dahin sind, haben sie zu einem großen Teil auch ihrem Shootingstar zu verdanken. Sein sensationeller Aufstieg begann im Oktober letzten Jahres. Nach einer Kopfverletzung, welche ihn bereits früh in der Saison außer Gefecht setzte, kämpfte er sich zurück ins Team. Zusammen mit den arrivierten Altstars Falcao und Germain bildete er anschließend die gefährlichste Offensive Europas.
Eine Offensive, welche auch über die Grenzen Frankreichs hinaus zu beeindrucken weiß. "Was das Toreschießen angeht sind sie das beste Team der Welt", sagte ManCity-Coach Pep Guardiola nach dem Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen die Monegassen. Nur wenige Tage später kegelte die Mannschaft aus dem Fürstentum die Skyblues aus dem Wettbewerb.
Dass sich Mbappe nahtlos in den Angriff Monacos einfügen konnte, verleitet den Einen oder Anderen bereits dazu, den 18-Jährigen mit großen Namen zu vergleichen. "Mbappe ist wie Henry, vielleicht nicht exakt so, aber es ist wahr, dass er ähnliche Qualitäten hat. Das Talent und das Potenzial sind ähnlich", sagte beispielsweise Arsenal-Coach Arsene Wenger im Februar über den Shooting-Star.
Bezüglich der Effektivität ist er Henry zumindest bereits ebenbürtig. In 33 Partien netzte der 19-Jährige in dieser Saison elfmal, dazu gesellen sich neun Vorlagen. Im Schnitt benötigt Mbappe lediglich 59 Minuten für eine Torbeteiligung, ein unglaublicher Wert für einen so jungen Spieler. Konkurrent Dembele benötigt dafür durchschnittlich 115 Spielminuten.
Rein statistisch ist der Monegasse dem Dortmunder Shootingstar also voraus. Dass Fußball jedoch keine Mathematik ist, dürfte Beobachtern der Szene spätestens seit der philosophischen Spitze Karl-Heinz Rummenigges in Richtung Ottmar Hitzfeld bewusst sein. Welches der beiden Super-Talente das bessere ist, wird sich wohl auch nach dem Viertelfinale der Champions League nicht abschließend beurteilen lassen. Die Fans dürfen sich jedoch freuen, die Gesichter der goldenen Generation Frankreichs im Duell bestaunen zu dürfen.
