Stefan Effenberg sieht nach der Niederlage gegen Griechenland die Euphorie rund um das DFB-Team und Jürgen Klopp schon etwas verpufft. Vor allem eine Sache verwundert den ehemaligen Nationalspieler.
In seiner Kolumne für t-online schrieb Effenberg, dass die bittere 0:1-Pleite am Sonntagabend gegen den Europameister von 2004 zu keinem unpassenderen Zeitpunkt hätte kommen können.
"Ich komme nicht drumherum, so deutlich zu werden: Ein schlechteres Ergebnis hätte Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp so früh in seiner Amtszeit nicht passieren können. Aber nicht nur das: Ein schlechteres Ergebnis hätte auch Fußball-Deutschland und der Euphorie, die mit Klopps Amtsantritt entfacht wurde, nicht passieren können", so der ehemalige Bundesligaprofi.
Der Grund: Die Ernennung von Klopp zum neuen DFB-Coach hätte im gesamten Land große Euphorie und Vorfreude auf die ersten Spiele in der Nations League ausgelöst. "Es ist genau das eingetreten, wovor ich noch in meiner letzten Kolumne nach der Kadernominierung gewarnt habe: Ein ganz heftiger Dämpfer für die gerade erst wieder entwickelte Begeisterung rund um die DFB-Elf", schrieb Effenberg.
Man sei endgültig in der Realität angekommen und diese laute: "Deutschland ist keine Spitzennation mehr, sondern nur noch Mitläufer im Weltfußball. Das kann jetzt endgültig niemand mehr verleugnen oder schönreden."
Effenberg wundert sich über die DFB-Herangehensweise gegen Griechenland
Für Verwunderung sorgte bei Effenberg vor allem die Art und Weise, wie die Deutsche Mannschaft an das Duell mit den Griechen herangegangen war. "Dass die Griechen tief stehen würden, war ja keine Überraschung, dafür kennen wir sie seit über 20 Jahren. So sind sie 2004 unter Otto Rehhagel Europameister geworden. Sowohl die deutsche Mannschaft als auch Klopp und sein Trainerteam müssen sich vorwerfen lassen, dass sie nun gegen diese altbekannte Spielweise kein Rezept hatten, keine Lösung gefunden haben", schrieb der 58-Jährige.
Dabei sei nicht nur das Spiel gegen die Griechen insgesamt zu schwach gewesen - auch bereits gegen die Niederlande habe das DFB-Team nicht gut performt und hätte nur mit viel Spielglück ein 1:1-Unentschieden geholt. "Schon das erste Spiel gegen die Niederlande hätte verloren werden können. Da war der Auftritt der deutschen Elf zwar gut, aber nicht überragend", so Effenberg.
Getty ImagesMit dem Ergebnis könne man "am Ende froh sein, denn das 1:1 schmeichelt eher uns als den Niederlanden. Marc-Andre ter Stegen hat - trotz einiger Unsicherheiten - mehrfach glänzend gerettet, ansonsten hätte schon diese Partie böse enden können für die DFB-Elf. Stattdessen passierte das Unvermeidliche drei Tage später."
Gleichzeitig gestand Effenberg Klopp mehr Zeit zu, um seine Stammelf zu finden und taktische Einzelheiten zu verfeinern. "Selbstverständlich muss sowohl Klopp als auch den Spielern etwas Zeit gelassen werden, einander zu finden. Dieser 'Prozess' wird schwer genug."
Effenberg: Auch Klopp genießt nicht ewig Welpenschutz
Zumindest die jüngsten Auftritte hätten noch nicht die gewünschten Fortschritte erkennen lassen. "Das muss - bei aller Perspektive - Sorgen machen", so Effenberg, der zum Abschluss noch einen Appell an Klopp richtete: "Die Öffentlichkeit verzeiht ihm mehr als anderen Trainern. Aber: An ihn werden auch größere Erwartungen gestellt als an andere Trainer. Deshalb muss er jetzt aufpassen: Sollte in den nächsten Spielen weiter keine Besserung eintreten, wird sich der Ton auch ihm gegenüber schnell verschärfen. Darauf muss er vorbereitet sein."
In Gruppe 2 der A-Liga in der Nations League A steht Deutschland mit einem Zähler aus zwei Spielen derzeit hinter Griechenland (sechs Punkte) und den Niederlanden (vier Punkte) auf dem dritten Tabellenplatz. Als nächster Gegner wartet am Donnerstag Serbien auf das DFB-Team.



