HINTERGRUND
Ob Signal-Iduna-Park, das Dreisamstadion in Freiburg oder das Wembley-Stadion in London: Dan-Axel Zagadou sieht oft so aus, als wäre er gelangweilt oder als ginge ihn das alles gar nichts an, was so um ihn herum passiert. Sein Gesichtsausdruck ist fast immer derselbe. Kein Lächeln, dafür immer ein etwas mürrischer Eindruck. Dabei hätte der 18-jährige Franzose derzeit genug Grund zur Freude. Denn er ist bei Borussia Dortmund unter Peter Bosz Stammspieler auf der Linksverteidigerposition.
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Natürlich profitiert Zagadou derzeit vom Ausfall von Marcel Schmelzer. Was der 1,96 Meter große Hüne allerdings ausstrahlt, ist beachtlich. Breite Schultern, breite Brust. Der Franzose überzeugt mit seinem Kopfballspiel, einem feinen linken Füßchen und einer beachtlichen Ruhe auf dem Platz.
Bosz glaubt an Zagadou
Gegen Real Madrid bekommt er es erstmals mit den ganz großen Namen des Fußballgeschäfts zu tun (das Spiel kann natürlich im TV und Livestream gesehen werden - alle Infos dazu gibt's hier). Sollte Zagadou am Dienstagabend sein Startelfdebüt in der Champions League geben, wird er auf Gegenspieler wie Cristiano Ronaldo, Gareth Bale oder Isco treffen. Eine ungewohnte Situation für das Talent, das erst im Sommer aus der zweiten Mannschaft von Paris Saint-Germain in den Ruhrpott gewechselt ist. Trainer Bosz hat aber keine Angst, dass er dem Druck nicht standhalten könnte. "Er kann das!", sagte der Niederländer auf Goal -Nachfrage. "Das hat er in der Bundesliga schon bewiesen."
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Getty ImagesKopfballungeheuer: Dan-Axel Zagadou (l.) im Duell mit Berlins Mathew Leckie
In der Tat hat er das. In acht von neun Pflichtspielen stand Zagadou auf dem Platz und überzeugte mit seiner ruhigen Art durchaus. Nicht umsonst ist er schon jetzt eine der Neuentdeckungen der Liga. Dabei rechneten Experten ihm im Sommer kaum Chancen auf Einsatzzeiten aus, weil er doch als Innenverteidiger eingekauft wurde. Nun spielt er auf der linken Seite einer Viererkette. Die ungewohnte Position hat er aber gut angenommen. "Es ist nicht seine Position, aber er macht das sehr gut. Er hat uns sehr geholfen", lobte Bosz den 18-Jährigen vor dem Spiel gegen Real Madrid.
Beeindruckende Statur
Beeindruckend an Zagadou ist vor allem seine Statur, die den Gegenspielern schon einmal Angst einflößen kann. Auf ihn passt wohl der oft bemühte Vergleich: Ein Mann wie ein Baum. Doch das ist nicht sein einziges Plus, weiß Bosz: "Trotz seiner Größe ist er ziemlich schnell und hat eine gute Technik." Allerdings hat Zagadou immer noch ein paar Probleme in der Rückwärtsbewegung. Ab und an laufen ihm noch die Gegner im Rücken davon, weil er diese übersieht. Auch ist sein Zweikampfverhalten in manchen Situation noch jugendlich naiv.
Das verzeiht Bosz dem 18-Jährigen auf der ungewohnten Position noch. Schließlich weiß auch der junge Franzose, was er kann, und was nicht. "Ich versuche, es so einfach wie möglich zu spielen, keine Überdinge zu machen. Ich versuche nicht Dinge zu machen, die ich nicht kann", sagte er kürzlich dem BVB-Stadionmagazin Echt. Fakt ist: Seine Entwicklung ist beachtlich.
Kein Wunder, dass der Linksfuß sich im Sommer bewusst für den BVB entschieden hatte. Ein Karrieresprung wie diesen dürfte er damals aber wohl kaum vorhergesehen haben. "Ich habe mich ganz bewusst für den BVB entschieden, weil es diesem großen Klub immer wieder gelingt, junge Spieler ins Profiteam zu integrieren und sie auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln", sagte er im Sommer. Aktuell ist er auf dem besten Wege dorthin. Real Madrid ist nun die erste richtige Reifeprüfung.
Zagadous Reifeprüfung gegen Real Madrid
Trotz der beachtlichen Entwicklung in den ersten Wochen bleibt Zagadou auf dem Boden. "Ich flippe deshalb jetzt nicht aus und werde auch nicht überheblich", sagte er. Schließlich kennt er auch noch die Zeiten, als er in Paris keine Chance sah, sich gegen Thiago Silva oder Marquinhos durchzusetzen und stattdessen ablösefrei nach Dortmund ging, wo er nun mit seinem Bruder zusammenwohnt. Im Sommer soll er sich sogar gegen Manchester City und den FC Chelsea entschieden haben. Auch eine Weiterbeschäftigung in Paris kam für ihn nicht infrage.
Die Entscheidung für Borussia Dortmund hat sich bisher ausgezahlt. "Wir haben diesen Transfer perspektivisch angelegt, sind vollkommen überzeugt von den Fähigkeiten des Spielers und freuen uns darauf, ihm dabei zu helfen, seine nächsten Entwicklungsschritte als BVB-Profi machen zu können", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor einigen Wochen. Der nächste Schritt für den Franzosen wäre nun der Startelfeinsatz in der Champions League. Und der winkt ausgerechnet gegen Real Madrid.





