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Christian Heidel FC Schalke 04 12052017getty Images

Schalke-Manager Christian Heidel im Mixed-Zone-Interview: "Ich bin sauer auf Origi"


MIXED-ZONE-INTERVIEW

Gegen den VfL Wolfsburg zeigte der FC Schalke 04 zwei Gesichter. Nach dominanter erster Halbzeit, die durch den Führungstreffer von Nabil Bentaleb gekrönt wurde, verlor Königsblau nach der Pause völlig den Faden und gab den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand.

Die Analyse: Last-Minute-Origi schockt Schalke

Für Aufsehen in der kampfbetonten Partie sorgte vor allem der Video-Assistent, der gleich zweimal umstritten auf Strafstoß entschied – Entscheidungen, die Schalkes Sportvorstand Christian Heidel nicht ganz verstehen kann, wie er im Mixed-Zone-Interview nach der Partie gegenüber Goal erklärte.

Christian Heidel, wie sauer sind sie nach dem Last-Minute Ausgleich?

Christian Heidel: Wenn man in der 93. Minute den Ausgleich bekommt, ist man enttäuscht, aber auf wen sollte ich sauer sein? Auf die Mannschaft bin ich nicht sauer. Auch wenn die erste Halbzeit wenig mit der Zweiten zu tun hatte, kann ich höchstens auf Origi sauer sein – der muss den Ball ja nicht noch reinstolpern.

Trotzdem müssen Sie verärgert darüber sein, das Spiel aus der Hand gegeben zu haben. Nach starker erster Halbzeit kam Wolfsburg nach der Pause deutlich besser ins Spiel.

Heidel: Ich denke, dass der Ballbesitz ausgeglichen ist. Wir waren in der ersten Halbzeit weit vorne, nach der Pause der VfL. Sie haben in der zweiten Halbzeit umgestellt und mit Dreierkette offensiver verteidigt, sodass sie spielerisch die Oberhand hatten. Klare Chancen hat sich Wolfsburg allerdings auch nicht herausgespielt. Bis auf den Elfmeter und das Tor war da nicht viel. Klar ist aber, dass der Spielverlauf so nicht auf unserer Agenda stand. Man muss allerdings anerkennen, dass das Unentschieden in dieser Form nicht unverdient ist. Das sind die Dinge, die unserer Mannschaft momentan noch fehlen.

Warum hat es Ihre Mannschaft nicht geschafft, konsequent aufs zweite Tor zu gehen?

Heidel: Diese Kritik müssen wir annehmen. Wenn wir das Zweite machen, ist das Spiel gelaufen. Trotzdem sind wir noch weit davon entfernt, zu sagen, dass wir schon alles im Griff haben. Auch der Trainer weiß, dass es noch einige Dinge gibt, die wir weiter verbessern müssen. Wir werden versuchen zu analysieren, warum wir nach der Pause den Faden verloren haben und unser Bestes tun, es im nächsten Spiel besser zu machen. Die Analyse würde aber auch nicht anders ausfallen, wenn es beim 1:0-Sieg geblieben wäre. Ob das Ding in der Nachspielzeit letztendlich reinrollt oder nicht, verändert unseren Blickwinkel nicht. Einziger Unterschied sind die zwei Punkte weniger.

GFX Christian Heidel

Mit Blick auf die Endergebnisse der Konkurrenz hätte Schalke mit einem Sieg einen großen Schritt machen können.

Heidel: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Das wichtigste ist, dass die Mannschaft sich stetig weiterentwickelt – das erkennen wir. Die erste Halbzeit war ähnlich dominant wie gegen Mainz und Berlin. Jetzt haben wir eben einmal eine Halbzeit gespielt, in der es nicht geklappt hat. Trotzdem sind wir in keiner Phase, in der wir ständig auf die Blitztabelle schauen. Wir haben den zehnten Spieltag – für die Platzierung nach dem zehnten Spieltag konnte man sich noch nie etwas kaufen.

Der Videoschiedsrichter hat heute zweimal auf Elfmeter entscheiden. Wie haben Sie die Szenen von der Bank gesehen?

Heidel: Bis ich die Wiederholung der ersten Szene gesehen habe, dachte ich, es sei bei unserem Elfmeter auf Hand entschieden worden. Aber man sieht klar, dass Thilo Kehrer festgehalten wird, daher kann man die Entscheidung nachvollziehen. Das Foul von Naldo wirft wieder Diskussionen auf. Ist es eine klare Fehlentscheidung und muss der Video-Assistent dort eingreifen? Klar springt Naldo in den Mann rein, doch für mich ist es alles andere als ein klares Foul. Wäre ich Wolfsburger, hätte ich mich auch beschwert, doch noch letzte Woche habe ich einen Brief bekommen, in dem es hieß, der Video-Schiedsrichter soll nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen. Vor der Saison hatten wir Angst, dass uns nun die Diskussionsthemen am Sonntagmorgen fehlen. Fakt ist aber, dass wir noch nie so viel zu diskutieren hatten wie aktuell.

Sind Sie der Meinung, dass der Video-Assistent auch künftig erhalten bleiben soll?

Heidel: Der Fußball wird dadurch nicht gerecht, aber immerhin gerechter. Es ist Fakt, dass dadurch eine Reihe von Fehlentscheidungen korrigiert werden. Gleichzeitig gibt es aber weiterhin Szenen, über die man sich ewig streiten kann.

Während des Spiels gab es Reibereien mit der Bank der Wolfsburger. Was war da los?

Heidel: Um Elfmeterentscheidungen ging es da gar nicht. Es nimmt momentan ein bisschen Einzug, dass die Manager auf die Bank gesetzt werden, um von der ersten bis zur letzten Minute mit den Schiedsrichtern zu meckern und diese zu beeinflussen. Ich verstehe gar nicht, warum er (Wolfsburg-Manager Olaf Rebbe, d. Red.) nicht auf die Tribüne geschickt wurde. Ich finde, so ein Verhalten gehört sich nicht. Er war 90 Minuten lang mit keiner Entscheidung einverstanden, die gegen Wolfsburg gefällt wurde. Das habe ich ihm nach dem Spiel auch erklärt und jetzt ist alles wieder gut.

Leon Goretzka stand heute wegen muskulärer Probleme nicht im Kader. Wie geht es ihm?

Heidel: Das Risiko war heute zu groß. Es soll zwar nichts kaputt sein, doch er hat noch Schmerzen im Oberschenkel. In den nächsten Tagen steht eine weitere Untersuchung an und wir hoffen sehr, dass er schnellstmöglich wieder zur Verfügung steht.

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