Pierre-Emerick Aubameyang Shinji KagawaGetty

Borussia Dortmund: Das Phänomen Pierre-Emerick Aubameyang


HINTERGRUND

Wer in den vergangenen Wochen bei Spielen von Borussia Dortmund genau hingehört hat, hat vermehrt ein Murren gehört, wenn Pierre-Emerick Aubameyang am Ball war. Der Paradiesvogel würde doch ohnehin nicht mehr alles für die Mannschaft geben, hieß es immer wieder unter den Fans des BVB. Nachdem der Stürmer im Sommer mal wieder öffentlich mit einem Wechsel kokettierte, hat er viel Kredit bei den Anhängern verspielt. Auch, weil es auf dem Platz nicht mehr nur noch rund lief und er abseits des Feldes immer häufiger negativ auffiel.

Aubameyang bestätigt Verlängerung

Aubameyang ist ein besonderer Schlag Mensch. Er mag das Bling-Bling, kleidet sich auffällig, fährt gern schnelle Autos und umgibt sich selbst am Trainingsgelände in Brackel oft mit einer großen Entourage aus Familienmitgliedern und Freunden. Neu ist das nicht. Das war schon so, als er 2013 von Saint-Etienne ins Ruhrgebiet wechselte. Der damalige BVB-Trainer Jürgen Klopp schränkte damals das ganze Drumherum etwas ein. "Es muss alles im Rahmen bleiben", sagte der heutige Liverpool-Coach einst.

Über Jahre hinweg ging es gut mit dem Dortmunder Superstar. Einen wie ihn hatten sie schon lange nicht mehr. Einen, der sich in einem Federkostüm auf die Tribüne setzt, wenn er suspendiert nicht auf dem Platz steht. Einen, der dem BVB über 20 Tore in der Saison garantiert und deshalb auch einmal über die Stränge schlagen darf. Aubameyang allerdings übertrieb es und handelte sich so den Unmut der Fans ein.

Tuchel hatte ein gutes Händchen für Auba

Der 28-Jährige war noch nie der fleißige Arbeiter. Nur selten nimmt er am Kombinationsspiel seiner Mitspieler teil. Aubameyang ist der Spielertyp, dem der Ball in den Lauf gespielt wird und der dann vor dem gegnerischen Kasten kaltschnäuzig abschließt. So war es bei Aubameyang unter Klopp und so war es bei Aubameyang unter Thomas Tuchel.

Der heute in Dortmund ungeliebte Trainer hatte ohnehin ein gutes Händchen für den Starspieler. Er ließ Aubameyang viele Dinge durchgehen. Kam er zu spät, drückte man beim BVB eigentlich immer ein Auge zu. Aubameyang bekam sogar Sonderurlaube. Tuchel wusste, wie abhängig die Borussen von ihrem Stürmer waren und ließ ihn in vielen Dingen gewähren. Nur einmal griff Tuchel rigoros durch und suspendierte ihn aufgrund eines Trips nach Mailand für ein Spiel. In der Partie darauf schoss er vier Tore und herzte seinen Trainer, als wäre nichts passiert.

Peter Bosz guckte sich das nicht so lange an, wollte mehr Arbeit von ihm verrichtet sehen. Anfangs ließ sich Aubameyang noch mürrisch in das neue System zwängen, schließlich lief es zu Saisonbeginn für ihn und den BVB gut. Seine persönliche Krise mit 507 torlosen Minuten war dann aber auch eng mit der Dortmunder Krise verbunden. In dieser Zeit war besonders auffällig, mit welcher Gleichgültigkeit Aubameyang auftrat. So, als ginge es ihn alles nichts mehr an, als hätte er mit dem Kapitel BVB schon abgeschlossen.

Spieler äußern Unmut über Aubameyang

Zudem wurde der Unmut seiner Mitspieler über die lassifaire Art des Gabuners immer größer. Bosz griff durch, als Aubameyang ihm die Gelegenheit bot und kurz vor einem Spiel einen unerlaubten Werbedreh auf dem Trainingsgelände abhielt. Es sollte ein Zeichen an ihn und die Mannschaft sein: Alles lasse ich mir nicht gefallen. Anders als bei der Suspendierung unter Tuchel wollte Aubameyang allerdings nicht verstehen, was er falsch gemacht hatte.

Das merkten auch die Fans, unter denen sich immer mehr Unmut über Auba breitmachte. Mannschaftsmitglieder wie Marcel Schmelzer und Roman Weidenfeller kritisierten öffentlich die Einstellung des Stürmers. Sportdirektor Michael Zorc legte am Wochenende in einem Sky-Talk nach: "Wir haben nur ein Problem mit ihm, das ist die Pünktlichkeit. Das muss ich ganz deutlich sagen."

Pierre-Emerick Aubameyang Shinji KagawaGetty
Ehrliche Freude: Pierre-Emerick Aubameyang feiert mit Shinji Kagawa

In Dortmund wissen sie aber auch, was sie an Aubameyang haben. Trotz seiner Torkrise im Herbst 2017 schoss er in 23 Pflichtspielen schon wieder 21 Saisontore. Allein in der Liga knipste er in 15 Spielen 13 Mal. "Auba ist ein besonderer Spieler. Er ist extravagant und ein bunter Vogel. Das tut einer Stadt wie Dortmund auch mal ganz gut", sagte Zorc. So lange er nicht freidreht, hätte er auch anfügen können. Aber aufgrund dieser Qualitäten schonte Dortmunds neuer Trainer Peter Stöger Aubameyang am Montag sogar im Training. Ein Einsatz am Mittwoch im DFB-Pokal gegen den FC Bayern darf nicht in Gefahr geraten. "Auba braucht im Moment keinen zusätzlichen Trainingsreiz. Das Risiko ist zu groß", sagte er.

Stöger bringt Aubameyang wieder in die Spur

Schließlich liegen auf Angreifer die größten Hoffnungen, wenn der BVB in München um den Einzug ins Viertelfinale kämpft. Seine Tore sollen die Dortmunder weiterbringen. Auch deshalb verlängerte der Verein klammheimlich den Vertrag mit dem Stürmer bis 2021. "Wir planen ganz klar mit Auba, er hat einen sehr langfristigen Vertrag in Dortmund. Irgendwann wird er Dortmund verlassen, aber für uns ist er ein extrem wichtiger Spieler, und wir planen weiter mit ihm", sagte der Sportdirektor.

Zumal sich die Situation um Aubameyang unter Stöger scheinbar wieder entspannt. "In der kurzen Zeit, in der ich hier bin, ist mit ihm überhaupt nichts vorgefallen. All diese Werte, die wichtig sind, Disziplin und Respekt, das ist alles wunderbar", sagte der neue BVB-Trainer über seinen Stürmer. Und Stöger hatte schon beim 1. FC Köln bewiesen, dass er mit schwierigen Typen gut umgehen kann. Anthony Modeste machte der Österreicher zu einem der besten Bundesliga-Stürmer, indem er ihn von Zwängen auf dem Spielfeld befreite und auch menschlich einen lockeren Umgang mit ihm pflegte.

Aubameyang scheint das verstanden zu haben. In Mainz und gegen Hoffenheim wirkte er plötzlich nicht mehr so fremd auf dem Platz wie in den Wochen zuvor. Er feierte die Tore wieder ausgiebig mit der Mannschaft, nahm Zweikämpfe an und arbeitete mit nach hinten. Genau in dieser Form braucht der BVB Aubameyang auch in München. Gut möglich, dass Stöger ihn pünktlich zum wichtigen Spiel im DFB-Pokal wieder in die Spur bekommen hat.

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