Rückblende: Nach sechs Jahren in den Farben von Athletic Club, in denen der Verein unter anderem zweimal spanischer Meister wurde, ist Schluss für Andoni Zubizarreta. Der baskische Torhüter wechselt 1986 für 1,7 Millionen Euro Ablöse, die damalige Rekordsumme für einen Spieler auf seiner Position, zum großen FC Barcelona.
Dieser Entschluss stellte sich einige Jahre danach als die richtige Entscheidung heraus, denn mit der Übernahme von Johan Cruyff sollte eine der glorreichsten Zeiten des katalanischen Vereins anbrechen. Nicht nur wird Zubizarreta mit Barcelona vier Jahre in Folge spanischer Meister, sondern gewinnt 1992 auch erstmals in der Vereinsgeschichte den Europapokal der Landesmeister.
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Drei Jahrzehnte später fürchten die Fans Athletics, dass sich die Geschichte wiederholt und erneut ihr hochbegabter Liebling dem Ruf eines der beiden Edelvereine aus LaLiga folgt. Der junge Hoffnungsträger zwischen den Pfosten heißt diesmal Kepa Arrizabalaga. Wie auch Zubizarreta vor 30 Jahren möchte der 23-Jährige nach seinem Debüt in einem Test gegen Costa Rica vor zwei Wochen zu einem festen Bestandteil des spanischen Nationalteams werden. Und genauso wie einst Zubizarreta muss sich Arrizabalaga nun entscheiden, wie seine weitere Karriere aussehen soll.
Durch konstante Leistungen ist der Torwart großen europäischen Vereinen, darunter vor allem Real Madrid, ins Auge gestochen. Die Gerüchte um ein Interesse des Champions-League-Siegers halten sich umso hartnäckiger, je näher das Öffnen des Transferfensters rückt. Interessanter werden diese Meldungen noch durch die Tatsache, dass Kepas Vertrag in Bilbao im Sommer 2018 ausläuft und das Talent dann gar ablösefrei zu haben wäre.
Arrizabalaga steht also vor einer wegweisenden Entscheidung: Nutzt der 23-Jährige im Sommer die Chance, sich bei einem Schwergewicht zu beweisen, oder soll seine gesamte Karriere im Zeichen seines Jugendvereins stehen?
Über die Tercera Division kontinuierlich nach oben
Denn wie so viele Basken pflegt auch Kepa eine ganz besondere Beziehung zu seinem Verein. In Ondarroa, einem kleinen Fischerdorf in der Provinz Bizkaia gelegen, geboren, stieß er bereits als 10-Jähriger zu Athletic.
Der Torhüter durchlief die gesamte Jugend des Klubs und wurde 2011 schließlich an CD Baskonia, einen Ausbildungsverein der Löwen, ausgeliehen, um sich erstmals auf einem höheren Niveau zu beweisen.
Nachdem Arrizabalaga zwei Jahre in der baskischen Kleinstadt verbracht hatte, kam der Youngster 2013 zu seinem Debüt für Athletic Club B. Bereits damals erkannte man, mit dem Jugendlichen einen Torhüter von großer Qualität in den eigenen Reihen zu haben.
Diese Tatsache blieb auch dem damaligen Cheftrainer Marcelo Bielsa nicht verborgen, der ihm ermöglichte, regelmäßig am Training der Profis teilzunehmen. Um Arrizabalaga zusätzlich zu fördern, sollte der Youngster in der Segunda Division in den professionellen Fußball hereinschnuppern und wechselte daher zunächst auf Leihbasis zu SD Ponferradina sowie anschließend zu Real Valladolid.
Nach seiner kurzen Rundreise durch Spanien kam Kepa schließlich wieder nach Bilbao und sollte sich in der abgelaufenen Saison zunächst mit Gorka Iraizoz abwechseln. Am 11. September 2016 feierte das Eigengewächs sein Debüt in der Primera Division und nutzte seine Chance, verdrängte seinen Konkurrenten aus dem Tor und hat sich den unter Ernesto Valverde erarbeiteten Stammplatz bis heute nicht mehr nehmen lassen.
Iraizoz wechselte deshalb nach zehn Jahren im Verein zu Aufsteiger Girona und auch dem neuen Ersatztorhüter Iago Herrerin bleibt lediglich die Europa League, um sich auszuzeichnen.
Kann Arrizabalaga dem Ruf von Real Madrid widerstehen?
In Spanien wird Arrizabalaga längst als eines der größten Talente auf seiner Position angesehen. Er ist mit exzellenten Reflexen gesegnet, verfügt über ein gutes Antizipationsvermögen und passt mit seinen Fähigkeiten am Ball perfekt in die Kategorie "mitspielender Torhüter".
Wie spanische Medien berichten, spielen die Königlichen angesichts dieses verlockenenden Gesamtpakets mit dem Gedanken, Stammtorhüter Keylor Navas durch ihn zu ersetzen. Hintergrund: Der 30-Jährige ist weiterhin nicht unumstritten, und den Wunschkandidaten David De Gea von Manchester United loszueisen, stellte sich in den letzten Jahren als schwieriges Unterfangen heraus.

Ab dem Winter darf Arrizabalaga wegen seiner Vertragssituation in Gespräche mit anderen Vereinen treten. "Ich weiß, dass es Gerüchte gibt, denn meine Familie und Freunde lesen die Berichte und hören Radio. Und ich bin natürlich nicht taub und blind", kann der umworbene Schlussmann nicht verneinen, von den Berichten gehört zu haben. Er lässt sich von dem plötzlichen Interesse an seiner Person jedoch nicht aus der Spur bringen: "Die Gerüchte machen mich nicht nervös. Ich kann nur das beeinflussen, was ich tue. Nicht das, was geschrieben wird."
Obwohl seine letzten Aussagen ("Ich freue mich darauf, hier weiterzumachen") nicht unbedingt darauf schließen lassen, dass Arrizabalaga den Verein mit aller Gewalt verlassen möchte, weiß man in Bilbao dennoch um die Gefahr, das Talent im Sommer zu verlieren. Athletic Club möchte daher eine feste Ablösesumme von 70 Millionen Euro in seinen Vertrag schreiben und würde bei den Bezügen bis an die Schmerzgrenze gehen, um ihn von einer Verlängerung zu überzeugen.
Die schwere Entscheidung zwischen Abschied und Verbleib
Sollte sich der 23-Jährige trotz der hohen Erwartungshaltung und dem gesteigerten medialen Interesse dennoch in Richtung Madrid verabschieden, bedeutete dies zwar einen großen Verlust für Bilbao, jedoch hat der Verein in den letzten Jahren die Abgänge von zahlreichen Leistungsträgern überlebt und würde auch diesmal nicht verzweifeln.
David De Gea rät seinem Landsmann jedenfalls, in Spanien zu bleiben und nicht sofort dem Ruf des Auslands zu folgen. Der 27-Jährige spricht dabei aus eigener Erfahrung: "Wenn man Spanien verlässt, wird man ein wenig vergessen. Die mediale Präsenz, die man in der Primera Division erhält, ist mit der in anderen europäischen Ligen nicht zu vergleichen."
Arrizabalaga wird sich entscheiden müssen, ob für ihn die Philosophie von Athletic Club und die Aussicht darauf, vielleicht eines Tages zur Vereinslegende zu werden, oberste Priorität haben, oder ob er sich wie damals Zubizarreta der Herausforderung stellen möchte, sich bei einem größeren Verein durchzusetzen und mit diesem die Aussicht auf viele Titel zu haben.





