Amos Pieper BVB 22072018Getty

BVB: Amos Pieper im Kader gegen Gladbach - das Dortmund-Talent im Porträt


BVB-TALENT AMOS PIEPER IM PORTRÄT

Mai 2017, Finale um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft. 33.000 Fans im Dortmunder Signal-Iduna-Park halten den Atem an, eine berauschende Kulisse für ein Nachwuchsspiel. Amos Pieper muss das in diesen Sekunden, als er vom Mittelkreis zum Elfmeterpunkt schreitet, ausblenden. Dort angekommen, läuft er an, haut das Ding rein - und jubelt, wie er vielleicht nie zuvor gejubelt hat.

Pieper traf im Elfmeterschießen gegen die U19 des FC Bayern zum alles entscheidenden 8:7 für den BVB, sicherte seinem Team damit den Meistertitel. Für Pieper war es seinerzeit nicht nur das letzte Spiel im Nachwuchsbereich, sondern auch bereits der dritte deutsche Meistertitel.

"Klar, man könnte sagen, beim zweiten A-Jugend-Titel habe ich den entscheidenden Elfer geschossen, und es war für uns alle das erste Finale Zuhause", probierte er sich im Interview mit Schwatzgelb.de mal an einem Vergleich. "Das war als Moment schon ein emotionaleres Erlebnis vor der Rekordkulisse von 33.000 Zuschauern im Signal Iduna Park, aber an sich war jede deutsche Meisterschaft gleichbedeutend und einfach jedes Mal das gleiche, geile Erlebnis."

Amos Pieper gegen Gladbach erstmals im BVB-Kader

Am Freitag ist Pieper derweil seinem ganz großen Ziel einen weiteren Schritt näher gekommen. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Hinrunde steht er gegen Gladbach (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) erstmals im Kader der BVB-Profis und darf zunächst auf der Bank Platz nehmen. Weil Trainer Lucien Favre im Abwehrzentrum ob der verletzungsbedingten Ausfälle von Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou Personalnot hat, darf der 20-jährige Innenverteidiger in einem Pflichtspiel mal reinschnuppern. Goal stellt Euch Amos Pieper daher etwas genauer vor.

Mit dem Kicken begann Pieper bereits als Vierjähriger in seinem Heimatort Nordkirchen. Die Nähe zu Dortmund machte ihn schnell zum BVB-Anhänger. "Mein Vater und mein großer Bruder waren immer schon große Dortmund-Fans. Ich fand dann eben auch, dass das ein super Verein ist", erklärte er.

BVB-Talent Amos Pieper: Die wichtigsten Daten

Geburtsdatum17.01.1998
Alter20 Jahre
PositionInnenverteidiger
Regionalliga-Einsätze 18/1916
Bundesliga-Einsätze0
Beim BVB seit2010
TitelDeutscher B-Jugendmeister, 2x Deutscher A-Jugendmeister

Bis zur D-Jugend spielte Pieper beim FC Nordkirchen, ging dann zu Union Lüdinghausen, einem etwas größeren Verein. Er blieb allerdings nur ein Jahr, ehe er als Zwölfjähriger bei einem Turnier mit der Kreisauswahl vom BVB entdeckt wird. "Mit der haben wir an der Westfalenmeisterschaft teilgenommen, bei der ich dann gesichtet wurde“, erinnert er sich bei den Westfälischen Nachrichten.

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Pieper überzeugt im Probetraining, wird fortan bei den Schwarz-Gelben bestens ausgebildet. In der U17 wird der heutige HSV-Coach Hannes Wolf sein Trainer, Piepers 98er-Jahrgang ist mit Christian Pulisic, Jacob Bruun Larsen oder Felix Passlack exzellent besetzt. "Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass es ein sehr hohes Niveau war, wenn wir zusammen trainiert haben. Ich glaube, wir haben uns gegenseitig auf diesem sehr hohen Niveau gehalten, auch die Spieler, die anschließend nicht gespielt haben. Wir als 98er Jahrgang waren eine durchweg qualitativ sehr hoch besetzte Truppe", sagt Pieper.

Amos Pieper: In der U17 steht seine BVB-Zukunft auf der Kippe

In seinem zweiten B-Jugend-Jahr wird er mit dem BVB erstmals deutscher Meister. Alles läuft dabei aber keineswegs rund, der Klub teilt ihm zunächst mit, dass er nicht mehr für die Nachwuchs-Bundesligamannschaft vorgesehen ist. "Für mich brach da natürlich ein Traum zusammen“, sagt er. Im ersten Saisondrittel spielt er kaum, steht teilweise gar nicht im Kader. Doch Pieper kämpft sich zurück, wandelt die Wut in seinem Bauch im Training immer besser in Leistung um. "Aus dieser Zeit habe ich eine Lehre gezogen und konnte in meiner Spielqualität noch mal einen Sprung machen."

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In der zweiten Saisonhälfte entwickelt er sich zum Stammspieler, ist schließlich auch in der Endrunde gesetzt. Beim überraschend deutlichen 4:0-Sieg im Finale gegen den VfB Stuttgart bereitet Pieper, der auch als Rechtsverteidiger eingesetzt werden kann, sogar einen Treffer vor. Der Übergang in die U19 gelingt ihm daraufhin nahtlos, in beiden Meisterjahren ist er aus der ersten Elf nicht wegzudenken.

Der Sprung in die U23, Dortmunds Regionalliga-Mannschaft, gestaltet sich dann schon schwieriger. An den ersten zwölf Spieltagen seiner ersten Senioren-Saison spielt er nur zweimal, insgesamt lediglich 80 Minuten. "Es ist natürlich schon eine neue Situation, wenn man über Jahre Stammspieler war und dann quasi gar nicht spielt. Im Nachhinein war es prägend und für meine Entwicklung vielleicht sogar gut, weil ich gemerkt habe, dass mir nichts geschenkt wird. Ich hatte keinen Bonus", blickt er heute zurück.

Amos Pieper durfte in der Vorbereitung mit auf USA-Reise

Nach und nach fightet sich Pieper in die Mannschaft, ist in der Rückrunde plötzlich unangefochtener Stammspieler. Eine Entwicklung, die auch Lucien Favre auf dem Schirm hatte, als er den BVB im vergangenen Sommer übernahm. Pieper durfte in der Vorbereitung mit auf die USA-Reise, spielte in den Tests gegen Liverpool, Manchester City oder Benfica.

"Es war gut, aktiv zu spüren, wie europäischer Spitzenfußball aussieht. Man sieht diesen zwar oft im Fernsehen, aber es ist Wahnsinn, das mal live und davon je eine volle Halbzeit als Innenverteidiger mitzuerleben. Gerade Liverpool ist mit einer guten Truppe angereist, das war wirklich Top-Niveau, bei dem ich wusste: Das ist die Messlatte, viel besser wird es nicht mehr", fasst er seine Eindrücke zusammen.

In der U23 setzte er seine Entwicklung daraufhin fort, stand in dieser Regionalliga-Saison bisher 16-mal auf dem Platz. Und vielleicht darf er am Freitagabend nun sogar sein Debüt in der ersten Mannschaft feiern. Diesmal vor noch etwas mehr als 33.000 Zuschauern im Signal-Iduna-Park.

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