In der spanischen Primera Division machen Schiedsrichter seit der neuen Saison wie in der Bundesliga strittige Entscheidungen per Durchsage transparent für die Zuschauer. Nur nicht im Estadio Santiago Bernabeu von Real Madrid. Das berichtet die spanische Zeitung Sport.
Grundsätzlich sieht das neue Protokoll vor, dass Referees strittige Entscheidungen für die Fans am Bildschirm und im Stadion per Durchsage aufschlüsseln und dies natürlich auch in den TV-Übertragungen zu hören ist. Was als Gegenmittel für die Dauerkontroversen des spanischen Fußballs gedacht ist, stößt laut des Berichts an den Toren des Estadio Santiago Bernabeu jedoch an seine Grenzen.
Grund dafür ist schlicht das eigene Regelwerk des Rekordmeisters. Real stellt für die Arbeit der TV-Teams in den heimischen Katakomben äußerst restriktive Bedingungen auf.
Getty ImagesReal Madrid muss keine Strafen befürchten
Der Klub beschränkt die Zugangsrechte der Fernsehsender drastisch und erlaubt Schaltungen nur in einem sehr kurzen Zeitfenster direkt vor dem Anpfiff. Durch diesen eng gesteckten Zeitrahmen wird eine reibungslose Umsetzung der Schiedsrichter-Erläuterungen in der Praxis schlichtweg unmöglich gemacht.
Vom Verband gibt es für das Fehlen der Erklärungen in den Madrid-Heimspielen daher ausdrücklich keine Sanktionen. Der Technische Schiedsrichterausschuss stellte klar, dass die Referees in jedem Stadion sprechen dürfen und werden, sobald die organisatorischen Rahmenbedingungen vor Ort gegeben sind. Gilt das Protokoll ligaweit ohne Ausnahme, scheitert der Einsatz im Bernabeu somit rein an den technisch-logistischen Hürden, die Real den Medienpartnern auferlegt.
Real Madrid oft im Fokus von Streitigkeiten mit LaLiga
Diese Verweigerungshaltung fügt sich nahtlos in das angespannte Verhältnis zwischen den Bossen von Real, der Führung von LaLiga und dem Verband RFEF ein. Zwischen den Parteien schwelen seit langer Zeit Grundsatzkonflikte über die Vermarktung, Machtverhältnisse und organisatorische Details des spanischen Oberhauses. Die verweigerten Zugänge für die TV-Partner spiegeln die unnachgiebige Linie des Klubs in dieser Machtdemonstration wider.
Nach ersten Testläufen am ersten Spieltag soll die Transparenzoffensive ab dem 10. Spieltag flächendeckend ausgeweitet werden. Ziel der Liga ist es ausdrücklich nicht, die Unparteiischen zu Hauptdarstellern zu machen, sondern mehr Akzeptanz für deren Interpretationen komplexer Spielsituationen zu schaffen.



