Alphonso Davies mit Debüttreffer für den FC Bayern: Falsche Position, falscher Fuß, richtiges Zeichen

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Beim 6:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05 erzielte Alphonso Davies sein erstes Pflichtspieltor für den FC Bayern München - trotz ungewohnter Position.

HINTERGRUND

Dreimal hatte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach diesem 6:0-Sieg gegen Mainz bereits erwähnt, dass Alphonso Davies stets "gut trainiert", zweimal, dass er "sich jeden Tag reinhaut" und je einmal, dass er ein "Diamant" und ein "super Junge" sei", als Salihamidzic folgenden Satz sagte: "Ich glaube, er ist der schnellste Spieler der Bundesliga. Das müsste man mal messen."

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Anders vielleicht als zu Salihamidzics aktiven Spielerzeiten - als die Verwissenschaftlichung des Fußballs noch nicht so weit vorangeschritten war; als eher "Eier, Eier" statt beispielsweise "xG, xG" (was "erwartete Tore" bedeutet) gefordert wurde - wird Geschwindigkeitsmessung bei Bundesligaspielen heutzutage flächendeckend durchgeführt. Problemlos lässt sich also ermitteln, wer der schnellste Spieler der Bundesliga ist. Und das ist - anders als von Salihamidzic vermutet - nicht Davies, sondern Frankfurts Ante Rebic. Bei einem Spiel gegen Borussia Dortmund wurde er mit dem bisherigen Saisonhighspeed von 35,11 km/h geblitzt.

Im Ranking kommen dann Spieler wie Jerome Roussillon (VfL Wolfsburg), Robin Bormuth (Fortuna Düsseldorf) oder Pablo Maffeo (VfB Stuttgart) und mit Kingsley Coman sogar noch ein anderer Bayern-Spieler, ehe auf Platz 36 tatsächlich Davies auftaucht. Aber gut, im Vergleich zu den anderen durfte Davies in der Bundesliga bisher auch weniger sprinten, weil er weniger spielen durfte. Seit seiner Ankunft in München stand Davies genau 56 Bundesligaminuten auf dem Platz.

Alphonso Davies: Linksverteidiger und Torschütze

Über die Hälfte seiner Bundesligaminuten machte Davies bei diesem Spiel gegen Mainz, bei dem ihm sogar sein erstes Pflichtspieltor für den FC Bayern gelang. Nach einem parierten Schuss von Robert Lewandowski staubte Davies mit rechts zum 6:0 ab. "Mit seinem schwachen Fuß", sagte sein Kollege Niklas Süle nach dem Spiel. "Und ich habe bisher gedacht, dass er den nur zum Stehen hat." Ein kleiner gemeiner Scherz, der aber auch ein positives Zeichen ist. Wer so geneckt wird, ist wohl gut integriert.

Dann verkündete Süle jedenfalls noch ganz ernsthaft: "Ich habe ihm gesagt, dass nicht nur das Tor schön war, sondern auch wie er mal den Ball erkämpfte und wie er gedeckt hat. Er hat mutig gespielt." Vor allem aber hat Davies auf einer für ihn ungewohnten Position gespielt: der gelernte Linksaußen kam für David Alaba ins Spiel und besetzte fortan auch dessen Posten als Linksverteidiger.

ALPHONSO DAVIES BAYERN MÜNCHEN

Defensiv gefordert wurde Davies von den harmlosen Mainzern nicht, offensiv mischte er ein bisschen mit. Der eine oder andere gute Pass blieb in Erinnerung. Beachtlich ist, dass jedes einzelne seiner Zuspiele auch ankam. Salihamidzic sah "Qualitäten, die in der Bundesliga selten zu sehen sind" und lobte abgesehen von Davies' Tempo explizit auch dessen "unheimliche Dynamik".

Nach all der Schwärmerei erinnerte sich Salihamidzic aber offenbar doch noch an seine im Winter geäußerte Bitte, "keinen Hype um ihn zu machen", und schob nach: "Natürlich hat er noch einiges zu tun." Was, das erklärte neulich Trainer Niko Kovac: "Fußballerisch wird er sich noch weiterentwickeln." Vor allem technisch gäbe es bei Davies Verbesserungspotenzial.

Anders als abgesprochen spielte Davies in der Reserve

Weiterentwickeln soll er sich anders als zunächst angedacht nun doch auch in der Reservemannschaft des FC Bayern, die aktuell Tabellenführer der Regionalliga Bayern ist. "Wenn man so viel Geld ausgibt für einen Spieler, wird man ihn sicherlich nicht in der zweiten Mannschaft parken", hatte Kovac erklärt, nachdem sein Arbeitgeber für Davies rund zehn Millionen Euro an die Vancouver Whitecaps überwiesen hatte.

Ende Februar lief Davies bei einem Spiel gegen den FC Ingolstadt 04 II dann trotzdem für die Reserve auf. "Das war schon länger mal angedacht", erklärte Reserve-Trainer Holger Seitz ob Kovacs ursprünglicher Aussage etwas überraschend. Aber gut, Seitz freute sich über die Verstärkung. Seine Mannschaft gewann damals 3:0, Davies verteilte einen Assist und Seitz lobte: "Der ist schnell, das ist ja der Wahnsinn."

Langfristig soll Davies aber natürlich nicht unter Seitz spielen, sondern unter Kovac. Eigentlich ist er als Herausforderer für die im Sommer freiwerdenden Plätze auf den offensiven Flügeln vorgesehen. Nach seinem Einsatz links hinten könnte er aber auch dort zur Alternative werden. "Der Alphonso ist die Zukunft", sagte Salihamidzic ganz generell, "aber nicht nur die Zukunft: Er zeigt auch, dass er schon jetzt eine große Rolle spielen kann."

Sein Auftritt gegen Mainz war jedenfalls ein erstes gutes Zeichen.

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