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Gallery Ronaldo Nazario Internazionale looks 06051998Getty Images

AC vs. Inter: Der Tag, an dem Ronaldo und Co. Milan demütigten


HINTERGRUND

Im Giuseppe-Meazza-Stadion brodelt es am 22. März 1998. Die Atmosphäre knistert an diesem Sonntag nur so vor Anspannung, die Zuschauer halten den Atem an. Es steht wieder an, das wichtigste Derby Italiens, Milan fordert Inter, das ganze Land schaut in diesem Moment nach Mailand.

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Der Anpfiff, alle sehnen ihn herbei. Es wird ein heißer Kampf erwartet, harte Tacklings, überkochende Emotionen und natürlich Tore. Milan ist Tabellenachter, Inter kämpft als Tabellenzweiter noch um den Scudetto.

Dann, nach 90 unfassbaren Minuten, reiben sich die 80.327 Zuschauer im Stadion und viele Weitere an den Fernsehapparaten die Augen. Die Nerazzurri haben das Duell klar mit 3:0 für sich entschieden, selten war bis zu diesem Zeitpunkt einmal das Derby della Madonnina so klar ausgegangen. Ein Spieler ragt dabei heraus, an ihm verzweifeln alle Milan-Verteidiger, ja alle Milanisti überhaupt: Ronaldo Luis Nazario de Lima, genannt Ronaldo.

Inter: Ronaldo als Transfercoup

Der Brasilianer war vor der Saison 1997/1998 als amtierender Weltfußballer von Barcelona nach Mailand gekommen, die Katalanen mussten sich mit umgerechnet 28 Millionen Euro Ablöse trösten. Sofort fand er sich in der Modestadt gut zurecht, der italienische Fußball, der seit jeher sehr taktisch geprägt war, lag ihm. Stürmer waren damals noch nicht die ersten Verteidiger wie heute, er musste niemanden anlaufen oder Pressing spielen, er war nur für die Tore zuständig. Und die besorgte Ronaldo auch in der Serie A in schöner Regelmäßigkeit. Dann kam dieses Derby und das war sein Meisterstück.

Bis zu jenem Tag im ehemaligen San Siro sind es bereits 16 Treffer, die er erzielt hat, Inter liegt nur einen Punkt hinter Tabellenführer Juventus Turin und die Tifosi träumen vom Scudetto. El Fenomeno, wie der Stürmer genannt wird, hat bis zu diesem Tag fast alle Partien bestritten, lediglich bei zwei Spielen musste er wegen des Confederations Cups, der damals noch im Winter ausgetragen wurde, passen.

Bei Milan hat die Saison einen ganz anderen Verlauf genommen. Obwohl Weltklasse-Spieler wie George Weah, Patrick Kluivert, Marcel Desailly oder Paolo Maldini im Kader stehen, belegen die Rossoneri zum Zeitpunkt des Derbys nur einen Platz im grauen Tabellen-Mittelfeld. Beschämende 14 Punkte Rückstand hat man auf den Erzrivalen angehäuft, wenigstens ein Sieg im Stadtduell soll die Fans über die verkorkste Spielzeit hinwegtrösten.

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Ronaldos schlechter Beginn im Derby

Das Hinspiel endete noch 2:2, aber auch dort konnte Ronaldo bereits eine Duftmarke setzen, traf einmal. Noch wissen sie beim AC allerdings nicht, zu was er noch alles fähig ist, das werden sie erst noch lernen müssen.

Die Partie beginnt dann wie vermutet: Viele Zweikämpfe, viele Nickligkeiten, der Schiedsrichter muss viele Wortgefechte auflösen. Ronaldo kommt nicht wirklich gut in die Partie, hat anfangs mit der rauen Gangart zu kämpfen. Trotzdem steht nach der ersten Halbzeit eine Führung für die Nerazzurri auf der Anzeigetafel, der heutige Atletico-Trainer Diego Simeone hat in der 42. Minute eine Ecke per Kopf vollendet.

Abschnitt zwei startet dann mit einer Aktion, die man im Nachhinein als Weckruf für Ronaldo verstehen kann: Paolo Maldini trifft ihn mit einer heftigen Grätsche, zeigt seinem Opfer danach aber an, dass das noch gar nichts war. El Fenomeno rappelt sich auf und startet anschließend einen Sturmlauf, der allen, die es mit den Mannen in Schwarz und Blau halten, ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Lob und Zaubertor

Reihenweise verzweifeln ab diesem Zeitpunkt die Verteidiger am damals erst 21-Jährigen, er setzt seine Schnelligkeit und sein großes Repertoire an Tricks geschickt ein, kommt nun endlich ein ums andere Mal an ihnen vorbei. Und auch Paolo Maldini, der bis dato alles im Griff hatte, muss im Nachhinein bekennen: Dieser Junge war nicht aufzuhalten. Bis heute schwärmt die Verteidigerlegende von seinem damaligen Gegenspieler. Der Bild sagt Maldini: "Ich hatte das Glück, gegen Maradona zu spielen. Er und Ronaldo, als er bei Inter Mailand war – das waren meine härtesten Gegner."

Der Höhepunkt der Show erfolgt dann in der 77. Minute. Francesco Moriero spielt einen Ball aus dem Halbfeld hüfthoch in den Lauf von Ronaldo, der Ibrahim Ba und Desailly entwischt ist. Mit dem ersten Kontakt dann lupft dieser das Spielgerät im Springen mit dem rechten Außenrist über den herausstürmenden Torwart Sebastiano Rossi hinweg. Die Reporter rasten auf der Tribüne aus rastet aus, die Blau-Schwarzen im Stadion hüpfen von ihren Sitzen und reißen die Arme nach oben.

Es ist die Vorentscheidung, angesichts des weiter groß aufspielenden Brasilianers tendieren die Chancen des schwachen Milan selbst auf ein Unentschieden gegen null. In der 87. Minute macht dann Simeone mit seinem zweiten Treffer, eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Leistung, gegen die aufgerückte Rossoneri-Hintermannschaft endgültig alles klar.

Ronaldo erneut Weltfußballer

Nach Abpfiff liegen sich die Inter-Spieler in den Armen, ihnen wird langsam klar, welch großartiges Ergebnis sie hier eingefahren haben. Beflügelt von dieser Leistung spielen sie auch in den nächsten Partien hervorragend, die direkten Konkurrenten Udinese und AS Rom werden geschlagen.

Danach kommt jedoch der Nackenschlag gegen Juventus: Im Duell mit der Alte Dame setzt es eine knappe Niederlage, man muss die Meisterträume begraben. Am Ende der Saison steht ein respektabler zweiter Platz in der Serie A und ein Triumph im UEFA Cup, wo die Nerazzurri im Finale Lazio Rom das Nachsehen geben.

Für Ronaldo selber endet die Saison ebenfalls bestens, er wird mit 25 Treffern Zweiter der Torschützenliste hinter einem gewissen Oliver Bierhoff. Zudem wird er erneut zum Weltfußballer gewählt, als erster Spieler überhaupt schafft er es, diesen Titel zu verteidigen. 2002, nach schweren Zeiten und einigen Verletzungspausen, verlässt er Inter schließlich für 45 Millionen Euro gen Madrid, wo er seinen Aufstieg zum Idol endgültig vollendet. In Mailand wird man ihn jedoch auch wegen dieser Leistung im Derby nie vergessen.

Inter Mailand UEFA CUP Ronaldo 06051998Getty Images

Auch Milan profitiert

Milan dagegen kann die klare Niederlage in der restlichen Saison nicht mehr aus den Klamotten schütteln, am Ende steht Tabellenplatz zehn. Kein Scudetto, kein internationales Geschäft und vor allem: kein Derby-Sieg. Die Geschichte hat aber auch für die Schwarz-Roten ein gutes Ende. Im folgenden Sommer wird aufgrund der schlechten Ergebnisse ein Umbruch eingeleitet, unter anderem Jens Lehmann und Torschützenkönig Bierhoff kommen. So gewinnt man 1998/1999 wieder die Meisterschaft, das Zuckersüße daran: Rivale Inter liegt dabei 24 Punkte dahinter auf Platz acht.

Was jedoch bleibt von diesem Derby im März 1998 ist vor allem eines: Ein zaubernder Ronaldo, der den einen Teil Mailands frohlocken und den anderen verzagen lässt, der weiter an seinem Denkmal baut, den man nie vergessen wird. Genauso wenig wie dieses denkwürdige 3:0.

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