Jürgen Klopp hat bei MagentaTV zugegeben, Nationalstürmer Deniz Undav anfangs überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt und dessen Nationalität nicht gekannt zu haben. Der ehemalige Erfolgstrainer des FC Liverpool gab offen zu, dass er den Torjäger zu Beginn seiner Zeit in England überhaupt nicht richtig eingeordnet hatte. Der Moment des ersten Aufeinandertreffens ist dem 59-Jährigen dabei in Erinnerung geblieben. "Ich kann mich an den Moment erinnern, wo ich ihn das erste Mal bei Brighton gesehen habe. Da wusste ich gar nicht, dass das ein Deutscher ist", sagte Klopp.
AFP"Ups, der ist ja Deutscher": Google half Jürgen Klopp beim Erkennen eines deutschen Nationalspielers
Die sportlichen Qualitäten des Stürmers fielen Klopp in der Premier League jedoch sofort ins Auge. Die Wucht und die Spielweise des heute 29-Jährigen hinterließen Eindruck.
Klopp erinnerte sich an seine damalige Reaktion: "Puh! Was ist das denn für ein Paket? Dann musste ich ihn googeln." Das Resultat der Suchanfrage überraschte: "Ups, der ist ja Deutscher."
Undavs Aufstieg hatte sich abseits der breiten Öffentlichkeit vollzogen. Der Angreifer durchlief nicht die typischen Nachwuchsleistungszentren der Eliteklubs, sondern sammelte seine ersten Sporen im Herrenbereich in der Regionalliga und der 3. Liga. Über die zweite Mannschaft von Eintracht Braunschweig und den SV Meppen führte sein Weg erst über Umwege ins Rampenlicht.
AFPUndav schaffte bei Union Saint-Gilloise den Durchbruch
Klopp imponiert genau diese Vita. Der Ex-Trainer lobte die Bodenständigkeit des Profis: "Der weiß, wo er herkommt. Der weiß, wo er noch vor ein paar Jahren war. Er hat in den Niederungen des Fußballs gespielt, bis es einmal geklickt hat."
Der große Durchbruch gelang Undav beim belgischen Erstligisten Union Saint-Gilloise. Von dort aus sicherte sich der englische Klub Brighton & Hove Albion im Jahr 2022 für eine Ablösesumme von sieben Millionen Euro die Dienste des Offensivspielers.
Nach einer Leihe zum VfB Stuttgart machten die Schwaben den Transfer im Jahr 2024 perfekt und überwiesen knapp 27 Millionen Euro auf die Insel. Vor der Weltmeisterschaft setzten die Stuttgarter Verantwortlichen ein weiteres Zeichen und verlängerten das Arbeitspapier mit dem Nationalspieler vorzeitig bis 2029, inklusive einer Option auf ein weiteres Jahr.
Klopp will Undav weiter als Joker sehen
Bei der Weltmeisterschaft rechtfertigt Undav das Vertrauen derzeit vollkommen. Er hat sich zu einem der Lichtblicke im Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann entwickelt. Seine Effizienz sucht im Turnierverlauf ihresgleichen: In lediglich 56 Einsatzminuten auf dem Platz erzielte der Angreifer bereits drei Tore und steuerte zudem zwei Torvorlagen bei.
Für Klopp ist die Personalie Undav daher ein durchweg "positives Thema". Der Stürmer solle seine positive Art und seinen Schwung unbedingt beibehalten. Eine Forderung nach einem Startplatz leitet der TV-Experte aus den starken Joker-Auftritten jedoch nicht ab. "Das muss der Bundestrainer entscheiden, weil er einfach den Blick drauf hat. Wir dürfen spekulieren", sagte Klopp.
Eine Tendenz, wie er selbst den Stuttgarter einsetzen würde, ließ sich Klopp aber doch entlocken: "Ich würde Deniz Undav weiterhin einwechseln."
Dieser Meinung war offensichtlich auch Nagelsmann. Auch im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador wird Undav zunächst auf der Bank Platz nehmen. Die einzigen Änderungen in der deutschen Startelf betreffen die angeschlagenen oder verletzten Spieler. Antonio Rüdiger wird für Nico Schlotterbeck (Innenbandriss) auflaufen, David Raum ersetzt Nathaniel Brown auf der linken Seite. Das gab der Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Donnerstagabend (MEZ) bekannt.

