Besser Wirtz nicht – und das liegt beim FC Liverpool nicht einmal ausschließlich am deutschen Nationalspieler: Florian Wirtz lieferte am Dienstag gegen PSG mal wieder eines dieser Spiele, in dem er gute Pässe im Zusammenspiel mit seinen Teamkollegen spielte – aber am Ende gab es keine Situation und keine Szene, die vom teuren Neuzugang in Erinnerung bleiben wird. Kein Tor, kein Assist, kein Abschluss aufs Tor, kein Pass, der einem Mitspieler eine Großchance ermöglichte.
Stattdessen gab es das Bemühen und die Einsatzbereitschaft, die in England von Trainer Arne Slot und den Reds-Fans grundsätzlich gefordert werden. Aber das, wofür ein Verein normalerweise 125 Millionen Euro Ablöse zahlt, brachte er wieder mal nicht auf den Platz. Dass die extrem hohe Transfersumme immer wieder hervorgekramt wird, ist das offensichtlichste Zeichen dafür, dass die Ansprüche an den deutschen Nationalspieler andere sind.
Wirtz steht kurz vor dem Saison-Endspurt bei sechs Toren und zehn Assists in 44 Pflichtspielen. Zumindest bei den Vorlagen hätten auch noch zwei gegen PSG dazu kommen können – aber wieder mal lag es an den Teamkollegen, dass der 22-Jährige keinen Scorerpunkt verbuchen konnte: In der 53. Minute sprang Mohamed Salah nach einem starken Doppelpass mit Wirtz die Kugel im Sechzehner viel zu weit vom Fuß. Und in der 81. Minute wurde Curtis Jones im Strafraum noch geblockt, nachdem ihn Wirtz mit einem Pass in Szene gesetzt hatte.
"Er hat mitgespielt, er hatte gute Aktionen. Man hat seine Klasse gesehen", sagte Matthias Sammer als Experte bei Amazon Prime, schob jedoch ein großes Aber hinterher: "Vielleicht ist er insgesamt das Spiegelbild von Liverpool: Du siehst Können, aber du siehst im Moment nicht das ganz Besondere in dieser Mannschaft."
In einer Saison, in der es in Liverpool viele Baustellen gibt, ist Florian Wirtz eine davon. Das war schon vor dem Viertelfinal-Aus in der Champions League klar – und es bedarf wohl grundlegender Änderungen bei den Reds im System, der Aufstellung, der Ausrichtung oder auf der Trainerbank, damit sich in naher Zukunft noch etwas daran ändert.
Zumindest Letzteres scheint angesichts des tristen Saisonverlaufs der Reds im zweiten Slot-Jahr durchaus möglich zu sein. Seine Entscheidung, den ewig verletzten Alexander Isak ausgerechnet im Do-or-Die-Spiel gegen PSG mit einem 0:2-Rückstand starten zu lassen, dürfte Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker sein.
Der Niederländer hat es nicht geschafft, die teuren Neuzugänge in ein funktionierendes Konstrukt zu pressen. Die Quittung folgte auf dem Fuß: Liverpool wird eine titellose Spielzeit verbringen, in der Premier League droht gar noch das Verpassen der Champions League. Und Slots einzige Antwort darauf scheint zu sein, noch mehr Spieler kaufen zu wollen. "Mal sehen, ob wir nach dem Verkauf einiger guter Spieler diesen Sommer neue Spieler hinzufügen können", soll er laut Fabrizio Romano nach der Pleite gesagt haben.
Ob das nach einem 500-Millionen-Sommer der richtige Weg ist - auch für die Liverpool-Bosse - darf bezweifelt werden. Umso mehr dürfte der Namen Xabi Alonso nun durch die Katakomben der Anfield Road umherwabern. Eine Lösung, die insbesondere Wirtz helfen könnte.