Seit Ole Book den Posten des Sportdirektors bei Borussia Dortmund übernommen hat, wird viel über potenzielle Neuzugänge spekuliert, die in das Beuteschema des Neuen passen könnten. Womit sich der 40-Jährige parallel aber auch auseinandersetzen muss, sind die Spieler, die beim BVB bereits unter Vertrag stehen.
Getty ImagesEs ist der absolute Tiefstwert in Europa! Eine Leihgabe des BVB weist eine "einzigartige" Statistik auf
Diant Ramaj will in der Bundesliga "sichtbarer werden"
Das sind eine Menge, doch bei Vieren davon ist die Situation noch einmal anders gelagert als beim großen Rest. Stand jetzt enden nämlich die Leihen von Julien Duranville (FC Basel), Cole Campbell (1899 Hoffenheim) und Kjell Wätjen (VfL Bochum) zum 30. Juni. Gleiches gilt für den zum 1. FC Heidenheim abgegebenen Diant Ramaj, dessen Profil als Torwart noch einmal eine andere Schwierigkeit mit sich bringt als bei den Feldspielern.
Im Februar 2025 hatte die Borussia Ramaj recht überraschend von Ajax Amsterdam verpflichtet und ihn direkt wieder per Leihe an den FC Kopenhagen abgegeben. Dort überzeugte der heute 24-Jährige auf Anhieb und fuhr mit den Dänen das Double ein. Der Verein hätte ihn liebend gern behalten, doch Ramaj zog es zurück in die Bundesliga, "um sichtbarer zu werden", wie er es nannte.
Sehr sichtbar ist er aber eigentlich schon zuvor geworden. Keine zwei Monate nach seinem Wechsel zum BVB gab Ramaj der Sport Bild ein Interview. Dort ließ er Äußerungen fallen, die für Aufmerksamkeit und in Dortmund auch interne Irritationen sorgten.
Getty Images SportDiant Ramaj: Noch kein einziges Zu-Null-Spiel
"Von den jungen Talenten bin ich die Nummer 1 - meiner Meinung nach", ließ er wissen und schob nach: "Ich habe gesagt, dass ich der beste Torwart der jungen Generation bin. Und ich denke, das habe ich in den vergangenen Monaten unter Beweis gestellt!" Mit Blick auf die Borussia richtete er aus: "Ich muss weiter auf dem Platz stehen, Minuten bekommen, Spielpraxis. Daher steht für mich fest: Ich setze mich in Dortmund nicht auf die Bank! Dass ich jetzt nicht nach Dortmund kommen werde, um mich dort hinten anzustellen, keine Chance habe hinter Gregor Kobel zu spielen, ist für mich klar. Ich muss spielen."
In dieser Hinsicht liegt Ramaj voll im Plan. Mit für Heidenheimer Verhältnisse reichlich Getöse löste er Urgestein Kevin Müller ab und steht seither im Kasten des Tabellenschlusslichts der Bundesliga. 66 Gegentore kassierte der FCH bereits, das ist zusammen mit dem VfL Wolfsburg der schlechteste Wert.
Ramaj weist vor allem aber eine verheerende Statistik auf, die kein anderer Torwart innerhalb der Top-5-Ligen Europas unterbietet: Der gebürtige Stuttgarter ist der einzige Keeper, der in dieser Spielzeit noch nie ohne Gegentor blieb.
AFPVor elf Monaten letztmals ohne Gegentor
Die Erfahrung Abstiegskampf ist für Ramaj neu und wenn man eben beim Letzten kickt, dann ist es schwer, positive Bilanzen vorzeigen zu können. Schon vor einigen Wochen sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt daher: "Ein Torhüter steht stets im Mittelpunkt. Für ihn war es zuletzt sicherlich auch nicht einfach, aber er ist positiv, arbeitet wie ein Besessener und ist einer, der agiert und nicht reagiert."
Eine weiße Weste hat der Klub von der Brenz in Pflichtspielen immerhin hingekriegt. Beim 5:0-Erstrundensieg im DFB-Pokal beim Bahlinger SC hielt Ramaj sogar einen Elfmeter. Das war am 16. August. In einer Ligapartie spielte er zuletzt am 25. Mai zu null, damals noch für Kopenhagen.
Ramaj war in seiner Kindheit Feldspieler, ein Offensiver. Am Ball ist er stark, Spieleröffnung und -fortsetzung sehen bei ihm sehr ordentlich aus. Doch ohne Patzer im Kerngeschäft des Bällehaltens blieb er nicht. Knapp 60 Prozent der Schüsse auf seinen Kasten parierte Ramaj. Innerhalb der Bundesliga bedeutet dies den vorletzten Platz 17.
Getty Images SportTorhüter-Wechsel bei Heidenheim?
Sechs Fehler mit Torfolge sind auch zu viel, genauso wie die 2,2 Gegentreffer pro Begegnung. Da er viel auf sein Gehäuse bekommt, hält er im Schnitt 3,3 Bälle pro 90 Minuten - damit liegt er auf Platz sechs.
"Wenn wir die Liga halten", hatte Ramaj dem kicker gesagt, "ist das so, als wenn wir beispielsweise mit Bayern München die Liga gewonnen hätten. Im Kopf ist für mich der Klassenerhalt in Heidenheim wie ein Pokalgewinn." Ob er in den verbleibenden vier ausstehenden Spielen bei sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und angesichts seiner unklaren Zukunft die eigenen Statistiken noch verbessern darf, steht allerdings gar nicht unumstößlich fest.
Coach Schmidt hat natürlich schon viele Gedanken für die wahrscheinlich kommende Zweitligasaison im Kopf. Einer davon ist, Ramajs Stellvertreter Frank Feller zur neuen Nummer eins werden zu lassen. "Verträge interessieren mich nicht. Es geht nach Leistung, nach der Idee am Spieltag. Grundsätzlich soll Diant Ramaj spielen, weil er unsere Nummer eins ist, trotz allem kann es schon sein, dass wir schauen, Frank das eine oder andere Spiel zu geben", sagte Schmidt dazu.
GettyDiant Ramaj will für den BVB spielen
Wo Ramaj in der neuen Spielzeit zwischen den Pfosten stehen wird, ist somit äußerst unklar. Im Saisonverlauf schob er Fragen zu seiner Zukunft mit Floskeln von sich. Eine Kaufoption hat Heidenheim für ihn nicht, beim BVB wiederum deutet bei der unangefochtenen Nummer eins Gregor Kobel (Vertrag bis 2028) nichts auf einen Wechsel hin. Und mit Alexander Meyer hat die Nummer zwei erst im Dezember bis 2027 verlängert.
"Tote Fische schwimmen mit dem Strom. Ich weiß, was ich kann - und habe kein Problem damit, das auch zu sagen" hatte Ramaj erklärt. "Ganz klar: Ich will mich bei Dortmund als Nummer 1 durchsetzen. Daran arbeite ich jeden Tag."
Für Book und den BVB stellt die Personalie Ramaj eine knifflige Aufgabe dar. Eine weitere Leihe zu einem ambitionierteren Klub auf selbem Niveau erscheint sinnvoll. Doch wie viele temporäre Stationen verträgt ein ehrgeiziger Torhüter mit noch drei Jahre gültigem Vertrag bei einem Champions-League-Klub?
Diant Ramaj: Seine Zahlen in dieser Saison bei Heidenheim
Pflichtspiele Gegentore ohne Gegentor Gelbe Karten 31 65 1 2
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