Jürgen Klopp und Thomas Müller hauten einander die Sprüche um die Ohren wie zwei rauchende Teenager auf dem Schulhof. "Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf - noch. Noch", rief Klopp ins Mikrofon bei MagentaTV, Müller gab lachend zurück: "Kloppo, wir haben Juni. Du bist schon im September!"
Getty ImagesEs gibt ein warnendes Beispiel in der DFB-Geschichte: Jürgen Klopp könnte für Julian Nagelsmann bei der WM zu einem Problem werden
Das war alles einigermaßen amüsant, durchaus, aber mit einigen Minuten Verspätung blieb doch ein merkwürdiges Gefühl: Witzelte da am Tag des Eröffnungsspiels der Schattenmann über die Zukunft des Bundestrainers, bevor die WM überhaupt begonnen hatte? Live on air? Ja, es schien so.
Dass so etwas nicht unbemerkt bleibt, bekam Nagelsmann bei seiner Abschlusspressekonferenz vor dem deutschen Auftaktspiel gegen Curacao zu spüren. Die erste Frage in Houston dazu pendelte er noch mit einer Gegenfrage aus - aber als ein englischer Reporter nachsetzte, musste er sich doch ausführlicher erklären. Noch einmal: darüber, dass sein potenzieller Nachfolger öffentlich Witzchen über seine Zukunft reißt.
Getty ImagesDie WM 1994 als warnendes Beispiel
Deutschland habe "viele Experten, auch Thomas und Jürgen sind coole Jungs", sagte Nagelsmann, er war wenig angetan, aber dabei souverän. "Sie hatten viel Erfolg in der Fußballwelt. Sie können über alles reden, was sie wollen. So ist das eben." Lothar Matthäus merkte aus der Ferne an: Klopps Rolle, seine Aussagen auch zu Aufstellungsdetails, machten es Nagelsmann "nicht gerade leichter".
Interessant: Ein Blick in die sehr sehenswerte ARD-Dokumentation "Elf Helden, ein Albtraum" zeigt derzeit in Superzeitlupe auf, was passieren kann, wenn der Bundestrainer (Berti Vogts) vom Bundestrainer der Herzen (Franz Beckenbauer) und den Medien (mit Lothar Matthäus) bei einer WM in den USA (1994) sturmreif geschossen wird. Nämlich ein Desaster.
Davon sind Nagelsmann und die deutsche Nationalmannschaft selbstverständlich erst einmal weit entfernt. Aber dem Bundestrainer wird es überhaupt nicht gefallen haben, wie das Duo Klopp/Müller beim Basteln seiner Wunschaufstellung Jamal Musiala anzählte. "Wir müssen uns mit solchen Dingen auseinandersetzen", stellte er kühl fest.
Vor Nagelsmanns Pressekonferenz hatte Klopp, 2006 als "TV-Bundestrainer" überhaupt erst einem größeren Publikum bekannt geworden, im Ruderboot schon mit harten Schlägen die Richtung gewechselt. Hey, Julian, alles cool! "Wen sollen wir kritisieren – wir haben noch keine Sekunde gespielt?", fragte er: "Weder den Trainer und schon gar nicht Musiala, den wir alle lieben."
Das alles sei schließlich "nullkommanull" als Kritik gedacht gewesen, er habe nur "Möglichkeiten aufzeigen" wollen. So, wie es nun eben sein Job ist als Experte.
Julian Nagelsmann steht langfristig beim DFB unter Vertrag
Qua Rollenprofil jedenfalls sind Nagelsmann und Klopp, der Fußball-Chef des Red-Bull-Imperiums, in den kommenden Wochen hart gegeneinandergeschnitten. Der eine muss dringend eine erfolgreiche WM für Deutschland hinbiegen, der andere die Fortschritte und Rückschläge auf diesem Weg kommentieren. Stürmt Nagelsmann nicht mit 8x 5:0 durchs Turnier, wird es zu weiteren kritischen Aussagen kommen.
Mit dem Hintergedanken, bald selbst in dieses Amt zu kommen? Da lässt Jürgen Klopp sich bisher nicht locken. Sein Berater Marc Kosicke hat aber schon freimütig von Angeboten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berichtet: vor der Ära Nagelsmann. Der besitzt einen Vertrag bis 2028, also auch noch in diesem September.
Der deutsche Kader für die WM 2026
Position Spieler Verein Rückennummer Tor Oliver Baumann TSG Hoffenheim 12 Tor Manuel Neuer FC Bayern München 1 Tor Alexander Nübel VfB Stuttgart 21 Defensive Waldemar Anton Borussia Dortmund 3 Defensive Nathaniel Brown Eintracht Frankfurt 18 Defensive Pascal Groß Brighton & Hove Albion 13 Defensive Joshua Kimmich FC Bayern München 6 Defensive Felix Nmecha Borussia Dortmund 23 Defensive Aleksandar Pavlovic FC Bayern München 5 Defensive David Raum RB Leipzig 22 Defensive Antonio Rüdiger Real Madrid 2 Defensive Nico Schlotterbeck Borussia Dortmund 15 Defensive Angelo Stiller VfB Stuttgart 16 Defensive Jonathan Tah FC Bayern München 4 Defensive Malick Thiaw Newcastle United 24 Offensive Nadiem Amiri Mainz 05 20 Offensive Maximilian Beier Borussia Dortmund 14 Offensive Leon Goretzka FC Bayern München 8 Offensive Kai Havertz FC Arsenal 7 Offensive Assan Ouedraogo RB Leipzig 25 Offensive Jamie Leweling VfB Stuttgart 9 Offensive Jamal Musiala FC Bayern München 10 Offensive Leroy Sane Galatasaray Istanbul 19 Offensive Deniz Undav VfB Stuttgart 26 Offensive Florian Wirtz FC Liverpool 17 Offensive Nick Woltemade Newcastle United 11
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