Dortmund. Als einer von fünf Spielern im Kader der deutschen Nationalmannschaft blieb Kevin Großkreutz bei der WM in Brasilien ohne Einsatz. Dennoch sagt die Allzweckwaffe von Borussia Dortmund rückblickend im Kicker -Interview: "Das war ein fantastisches Erlebnis." Dabei sei ihm das Reservistendasein "zumindest nicht leichtgefallen", aber er weiß auch: "Bei so einer WM geht es nicht um Einzelschicksale."
Das Kollektiv zählte. Und jenem konnte der 26-Jährige auch auf andere Art und Weise helfen. "Ich habe versucht, meinen Anteil an einer guten Stimmung im Team zu haben und beim Training alles rauszuhauen. Das war mir wichtig."
Wie das konkret aussah? "Ein paar lockere Sprüche" aus seinem Repertoire seien zuträglich gewesen. Und Streiche durften natürlich nicht fehlen, etwa die Zahnpasta unter der Türklinke. "Am letzten Tag kam übrigens die Revanche. Natürlich habe ich voll reingegriffen", erzählt Großkreutz, der zunächst "schon eine ungewöhnliche Zusammensetzung" in seiner Wohngemeinschaft im DFB-Quartier Campo Bahia sah.
Zuspruch von Schweinsteiger
Bayerns Bastian Schweinsteiger, Ex-Schalker Manuel Neuer, die aktuellen Königsblauen Julian Draxler und Benedikt Höwedes - dazu der Ur-Dortmunder. "Vielleicht steht unsere WG exemplarisch dafür, dass diese Nationalmannschaft über Vereinsgrenzen und über frühere Rivalitäten hinweg perfekt funktioniert hat", verweist Großkreutz auf den besonderen Spirit im Weltmeister-Team.
Speziell zu Bastian Schweinsteiger sei in der langen gemeinsamen Zeit eine besondere Beziehung, gar Freundschaft entstanden. Ihm habe der BVB-Akteur "viel zu verdanken. Er hat mir vom ersten Tag an geholfen und machte mir Mut, wenn ich wieder nicht spielte." Deshalb hat er ihm auch die Schmähgesänge gegen Dortmund verziehen. Schweinsteiger hatte sich gestern Abend via Facebook dafür entschuldigt.
"Die Aktion war nicht cool", antwortete Großkreutz, "aber ich verstehe deine Erklärung zu diesem Thema und ich werde niemals vergessen was du alles für mich getan hast." Für die Zukunft in der Landesauswahl rechnet sich Großkreutz Chancen aus, die Nachfolge des zurückgetretenen Kapitäns Philipp Lahm anzutreten. "Das wird hinten rechts ein spannender Konkurrenzkampf, dem ich mich natürlich stellen werde."
Vorerst rücken allerdings wieder andere Dinge in den Fokus. "So langsam ruft die Pflicht wieder. Am Samstag standen schon die ersten Läufe an", berichtet Großkreutz von der Rückkehr in den Alltag. Am 4. August wird er bei Borussia Dortmund ins Mannschaftstraining einsteigen, am 10. August im Test gegen den FC Liverpool will er dann unbedingt dabei sein. "Wer weiß, ob ich sonst noch einmal an die Anfield Road komme."
Keine Freundschaften auf dem Platz
Wenn es einige Wochen später mit dem Auftritt bei Schalke 04 zu einem der ersten Pflichtspiel-Highlights der neuen Bundesliga-Saison kommt, rücke die Zeit für Sentimentalitäten mit den beiden WM-Buddies Draxler und Höwedes in den Hintergrund. "Wir werden uns Ende September auf Schalke die Hand geben, danach ist es mit den Gemeinsamkeiten während der 90 Minuten aber vorbei", verspricht Großkreutz.
Dass dem BVB der Abgang von Top-Torjäger Robert Lewandowski zum allzugroßen Verhängnis werden könnte, will der Allrounder indes nicht mutmaßen. Man habe mit Nuri Sahin, Shinji Kagawa oder Mario Götze in der Vergangenheit schon mehrere Größen erfolgreich ersetzt: "Ich bin zuversichtlich, dass uns das jetzt wieder gelingen wird."
Ob es letztendlich zu Titeln reicht, sei primär nicht alleinig entscheidend. Sind Voraussetzungen wie Herz und Leidenschaft im Spiel erfüllt, könne man sich auch über zweite und dritte Plätze mit den Fans freuen. "Natürlich heißt das nicht, dass wir etwas gegen einen Titel einzuwenden hätten", betont Großkreutz.

