Er ist einer der aufstrebenden Spieler bei Real Madrid und in der spanischen Nationalmannschaft: Lucas Vazquez. Im exklusiven Interview mit Goal spricht der (noch) 24-Jährige über das 2000-Seelen-Dorf, in dem er aufgewachsen ist, seinen Weg zum Profi, gibt Einblicke zu Zinedine Zidane und den entscheidenden Momenten im Champions-League-Finale.
Vor gerade einmal zwei Jahren spielten Sie in der Nachwuchsmannschaft Reals, der Castilla, als diese in die dritte Liga abgestiegen ist. Und in diesem Jahr haben Sie die Champions League gewonnen und sind bei der EURO Spaniens Nummer neun. Was ist in diesen zwei Jahren passiert, was hat diese enorme Entwicklung ermöglicht?
Lucas Vazquez: "Das ist doch genau das, was den Fußball so schön macht (lacht). Manchmal passieren eben solche Dinge, alles wendet sich um 180 Grad. Ich bin sehr glücklich, bei der EURO dabei zu sein und der spanischen Nationalmannschaft helfen zu können."
Was haben Sie eigentlich mit Ihrem Trikot von Ihrem Nationalmannschafts-Debüt gegen Georgien gemacht?
Vazquez: "Ich habe noch beide bei mir zu Hause. Eines werde ich aber meinen Eltern schenken, das andere bekommt meine Freundin."
Diejenigen, die Sie nicht kennen, sagen, dass Sie während eines Spiels ständig in Bewegung sind und permanent rennen – ohne Unterbrechung. Wie machen Sie das? Ist das einfach eine Sache der Physis? Wie spielt die psychologische Komponente rein? Oder bedarf das eines ganz speziellen Trainings?
Vazquez: "Das hat mit den speziellen Charakteristiken jedes einzelnen Spielers zu tun. Jeder weiß, wie er spielen muss, um seine besten Fähigkeiten einbringen zu können – und ich versuche eben, meiner Mannschaft zu helfen, indem ich permanent in Bewegung bin. Solange ich auf dem Platz stehe, liegt mein Fokus zu 100 Prozent darauf, meinem Team zu helfen. Vielleicht ist das einfach nur eine Kopfsache, gut vorbereitet, motiviert und fokussiert zu sein."
Wie schaut es mit Ihren Anfängen aus? Wie ist es möglich, dass ein Spieler aus Curtis, einem Dorf mit lediglich 4000 Einwohnern, so groß rauskommen kann?
Vazquez: "Also in Wirklichkeit hat Curtis nur 2000 Menschen, die dort leben (lacht). Ich habe angefangen, dort zu spielen. Zuerst mit meinem älteren Bruder – ständig und zu jeder Stunde. Danach habe ich mit meinen Freunden auf dem Pausenhof und auf den Straßen gespielt. Mit meinen Schulfreunden haben wir immer in Fünferteams gekickt. Wir waren ein echt guter Jahrgang! Wir, als Team aus einem kleinen Dorf, haben Mannschaften aus Coruna, Santiago, Lugo oder Vigo geschlagen. Dann wurden wir älter und haben begonnen, elf gegen elf zu spielen und ich begonnen, für Ural in Coruna zu spielen. Wir haben oft gewonnen, sind aufgestiegen. Und dann hat Real Madrid mich kontaktiert."
Kehren Sie eigentlich manchmal nach Curtis zurück?
Vazquez: "Ja natürlich! Wann immer ich kann, in der Sommerpause und an Weihnachten. Und ich stehe ständig in Kontakt mit meinen alten Freunden."
Sie haben gesagt, Sie haben mit Ihrem Bruder gespielt, aber in Ihrer Familie gibt es sonst keine Profifußballer …
Vazquez: "Nein, das nicht, aber sie lieben den Fußball. Mein Bruder spielt im Übrigen sehr gut."
Wie reagieren die Leute in Curtis auf Sie, wenn sie zurückkommen? Was fragen Sie?
Vazquez: "Einfach alles (lacht). Sie fragen mich über Real, das Team – einfach alles. Wir kennen uns schon ewig und es ist immer wieder eine Freude, zurückzukehren."
Ist es möglich, gleichzeitig ein Star und eine ganz normale Person zu sein?
Vazquez: "Natürlich! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Stars sind einfach nur erfolgreiche Spieler, was aber nicht bedeutet, dass man anders ist als andere Personen. Leider ist das aber ein Teil des täglichen Lebens. Es gibt immer Menschen, die sich für etwas Besonderes und für etwas Besseres halten – auch im Fußball."
Welches war eigentlich der schwierigste Moment in Ihrer Karriere?
Vazquez: "Das war in der U18 von Real Madrid. Ich habe mir vier Muskelverletzungen in Folge zugezogen und konnte für sechs Monate von Oktober bis März kein Spiel bestreiten. Das war sehr hart. Ein anderer schwerer Moment war während meiner Zeit in der Castilla, als wir abgestiegen sind."
Solche Erfahrungen prägen einen Fußballer. In dieser Saison haben Sie zweimal Ihren großen Willen unter Beweis gestellt. Zuerst unter Benitez und dann bei Zidane …
Vazquez: "Natürlich lassen solche Schwierigkeiten und Hürden einen stärker werden. Aber das gehört auch zu den Werten von Real Madrid. Man soll nie aufstecken und immer bis zum Ende kämpfen. Ein Spieler von Real zu sein, ist unglaublich und gemeinsam mit den besten Spielern der Welt zu trainieren, motiviert einen ungemein – da trainiert man automatisch so hart wie man kann. Dann liegt es in der Hand des Trainers, elf Spieler auszuwählen. Ich trainiere immer sehr hart, damit ich an dem Tag, wenn meine Chance kommt, bereit bin."
Zum Beispiel wie im Champions-League-Finale in Mailand beim Elfmeterschießen …
Vazquez: "Genau so ist es!" (lacht)
Wie war dieser Moment? Können Sie ihn beschreiben?
Vazquez: "Wir haben uns nochmal gedehnt, Wasser getrunken und dann bin ich zu Bettoni (David, Co-Trainer von Real Madrid, Anm. d. Red.) gegangen und habe ihm gesagt: 'Ich will schießen.' Er hat mich dann angesehen, meinen Namen aufgeschrieben und gesagt: 'Ok.' Ich habe mich selbstbewusst gefühlt, zu treffen und wollte es machen."
Sie haben eben Bettoni angesprochen. Aber wie ist Zidane als Trainer?
Vazquez: "Sehr gut. Er ist ein sehr sorgfältiger Trainer. Außerdem ist er sehr freundlich und hilft den Spielern. Er sorgt sich immer darum, jeden Einzelnen glücklich zu machen. Er behandelt mich sehr gut."
In 15 Tagen feiern Sie Geburtstag. Was wünschen Sie sich für diesen Tag?
Vazquez: "Natürlich hoffe ich, dann noch mit Spanien hier in Frankreich zu sein. Dann wäre es schön, wenn ich ihn mit meiner Familie am 11. oder 12. Juli nachfeiern könnte (das Finale der EM steigt am 10. Juli, Anm. d. Red.). Das wäre fabelhaft!" (lacht)
Goal-Journalisten werden ausgestattet mit dem Samsung Galaxy S7 und Gear 360