Der Jubel über eine historische Chance für den ungarischen Fußball sowie das deutsche Trainer-Duo Bernd Storck und Andreas Möller währte nur kurz. Denn nur wenige Stunden vor dem Anpfiff des Play-off-Hinspiels um die Teilnahme an der EM 2016 in Frankreich hatte der Krebstod des ehemaligen Nationaltorhüters Marton Fülöp (32) alle erschüttert.
Am Abend landeten die Magyaren dennoch einen Überraschungssieg, der ihnen die Tür zur ersten Teilnahme an einem großen Turnier seit der WM 1986 in Mexiko und der ersten an einer EM seit 44 Jahren weit öffnete. Mit dem Rückenwind eines 1:0 (1:0) in Norwegen geht Ungarn in das Rückspiel am Sonntag (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) in Budapest.
Im Kampf um eines der letzten vier Tickets für das Turnier in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli 2016) fiebert der 33. der Weltrangliste nunmehr dem großen "Finale" in der Hauptstadt entgegen.
Coach Storck, einst Bundesliga-Profi in Bochum und Dortmund, meinte: "Norwegen ist immer noch der Favorit. Norwegen hat sehr gute Spieler. Wir müssen so wie heute auftreten, oder wir werden Probleme bekommen. Wir haben uns eine gute Ausgangslage erarbeitet und haben den ungarischen Fußball gut repräsentiert. Wir brauchen den Erfolg und wollen am Sonntag alles klarmachen."
Rückhalt im Tor ist ein Altbekannter
Doch der 39 Jahre alte Torhüter Gabor Kiraly scheint dem Braten noch nicht zu trauen: "Der Sieg war wichtig, aber wir müssen dieses Spiel schnell vergessen und uns auf das Rückspiel konzentrieren", warnte der Ex-Herthaner, der wie gewohnt in luftiger Jogginghose seine 100. Partie im Tor der Ungarn absolvierte, und ergänzte: "Wir müssen uns jetzt schnell erholen."
Es war die 26. Minute, als ausgerechnet der 21 Jahre alte Debütant Laszlo Kleinheisler für den entscheidenden Treffer sorgte und gleich Helden-Status erlangte. Die mit großen Erwartungen angetretenen Norweger kassierten die erste Niederlage gegen Ungarn seit 1981.
Was die norwegischen Medien schon vor dem Rückspiel als "Desaster" und "Katastrophe" vermeldeten, feierten die in den vergangenen Jahren nicht gerade erfolgsverwöhnten Magyaren bereits als historisches Ereignis und hoben dabei besonders Coach Storck und dessen Assistenten Möller hervor. Die Ungarn mit dem Hoffenheimer Adam Szalai in der Startelf bestätigten ihre guten Ergebnisse in der Gruppenphase, die sie wider Erwarten auf Platz drei beendeten.
"Es ist Halbzeit, und wir freuen uns auf die nächsten 90 Minuten in Ungarn. Wir haben ein gutes Spiel gezeigt, hatten einen fantastischen Start und eine Riesenchance. Leider waren wir im Strafraum nicht zielstrebig genug. Jetzt freuen wir uns wirklich auf das Spiel in Budapest", resümierte Norwegens Trainer Per-Mathias Högmo.
Allerdings musste sich der Coach nach dem Rückschlag in den Medien Vorwürfe gefallen lassen. Hauptgrund: Das 16 Jahre alte Fußball-Wunderkind Martin Ödegaard, seit dem Sommer bei Real Madrid unter Vertrag, schmorte während der 90 Minuten auf der Bank.




