Wenn Rony Lopes drei Tage nach Weihnachten seinen 22. Geburtstag feiert, hat der junge Star der AS Monaco aller Wahrscheinlichkeit nach schon mehr als 100 Profi-Einsätze hinter sich gebracht.
Er hat in seinem Leben schon jede Menge Erfahrungen gesammelt: In Brasilien geboren, zog er mit vier Jahren nach Portugal um.
Als er 16 war, sicherte sich Manchester City seine Dienste. Dort feierte er mit 17 Jahren sein Debüt, doch es war nur eines von fünf Matches für die Citizens, als er kurz vor Schluss im FA-Cup-Spiel gegen Watford für David Silva eingewechselt wurde. Obwohl ihm nur wenige Minuten blieben, schrieb er Vereinsgeschichte, denn er erzielte einen Treffer und wurde damit zum jüngsten Torschützen der Klubhistorie der Citizens.
Nachdem er für eine Saison nach Frankreich zu Lille ausgeliehen worden war, schnappte ihn sich Monaco für zwölf Millionen Euro. Danach ging es zwar für zwei weitere Jahre auf Leihbasis nach Lille zurück, doch der langfristige Plan des Teams aus dem Fürstentum war es, Rony Lopes in die eigene Startelf zu integrieren.

Es mag zwar einige Jahre gedauert haben, doch inzwischen ist er ein Stammspieler für den amtierenden Ligue-1-Meister. Er ist bei Monaco der Nachfolger seines Landsmanns Bernardo Silva, der sich im Sommer für 50 Millionen Euro zu Manchester City verabschiedete.
Die langfristige Strategie war aber etwas, das Rony Lopes selbst immer unterstützte, weil er auch an seine Entwicklung als Spieler dachte.
"Das Projekt, das sie mir vorgestellt haben, richtete sich an junge Spieler, die noch viel Potenzial zur Entwicklung und Verbesserung haben. Der Trainer war ein Portugiese und einige Freunde von mir standen schon im Kader - wie Bernardo Silva", sagte er den Manchester Evening News zu Beginn des Jahres.
Nachdem sich sein Landsmann in Monaco prächtig entwickelt hat, hat der klub nun dasselbe mit Lopes vor. Und alle Zeichen deuten darauf hin, dass der kleine Spieler nun auch die Schritte in die richtige Richtung macht.
"Er ist ein Spieler mit enormem Potenzial, der beim richtigen Klub mit einem guten Trainer vorankommen wird", sagte Patrick Vieira, der bei City für das Reserve-Team zuständig war. "Er ist verrückt nach Fußball und steht stundenlang auf dem Platz. Er ist ein harter Arbeiter", fügte er hinzu.
Die Früchte seiner Arbeit kann der Youngster nun langsam ernten.
GettyEr ist einer von nur zwei Spielern des Kaders, die in allen bisherigen Ligue-1-Spielen der Saison zum Einsatz gekommen sind. Er hat die Lücke auf der rechten Mittelfeldseite geschlossen, die Bernardo hinterlassen hat, als er nach England gegangen ist, auch wenn er selbst eingesteht, dass er lieber auf einer zentraleren Position spielen würde, entweder als Spielmacher oder als hängende Spitze.
Doch auf rechts wurde er schon in Lille gebracht und dort entwickelte er sich körperlich stark weiter und erarbeitete sich ein Durchhaltevermögen, das es ihm nun ermöglicht, ohne Pause die rechte Seite auf und ab zu rennen.
Sein Spitzname 'Rony' leitet sich vom großen Brasilianer Ronaldo ab, denn bei seinem ersten Klub Poiares trug Lopes ein Shirt des Angreifers. Im Gegensatz zu Ronaldo hat er allerdings nicht die Kraft und die Schnelligkeit seines Vorbilds.
Er ist, genau wie Bernardo, ein technisch starker Flügelspieler, der es am liebsten mag, für seine Teamkollegen die Chancen vorzubereiten.
Nur Joao Moutinho und Thomas Lemar haben in dieser Saison mehr Monaco-Gelegenheiten herbeigeführt als Rony Lopes, der mit vier Assists momentan den Bestwert des Vereins aufgestellt hat.
Wenn man die Scorerpunkte, also Tore und Vorlagen, zusammenzählt, war in dieser Saison bislang nur Stürmerstar Radamel Falcao für die Mannschaft von Trainer Leonardo Jardim besser.
GettyBesonders vielversprechend für Monaco ist, dass es im Moment richtig gut läuft. Vor dem eher enttäuschenden 1:1 gegen Amiens am Wochenende, das wohl eher der Müdigkeit nach der Länderspielpause zuzuschreiben ist, hatte das Team drei der vorherigen vier Partien gewonnen.
Es war sicher kein Zufall, dass genau in diesen Spielen Lopes besonders beeindruckend auftrumpfte.
In der vergangenen Woche ging er dann den nächsten großen Schritt in seiner Karriere: Für Portugal feierte er im Testmatch gegen die USA sein Länderspiel-Debüt. Vielleicht wäre er schon im EM-Kader 2016 mit dabei gewesen, doch damals verletzte er sich zum unpassendsten Zeitpunkt.
Lopes, der für Portugal ab der U16 alle Junioren-Nationalmannschaften durchlief, hat die WM im kommenden Jahr fest im Blick. Wenn er weiterhin für Monaco in Top-Form aufspielt, gibt es eigentlich keinen Grund, warum er nicht beim Turnier in Russland zusammen mit seinem Freund Bernardo dabei sein sollte.



