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Deutschland - Polen

Robert Lewandowskis Polen: Auf legendären Spuren

08:00 MESZ 15.06.16
Robert Lewandowski Polen Jeffrey Bruma Holland Niederlande 01062016
Noch nie erreichte Polen bei einer EM die K.o.-Runde. Das muss sich ändern. Die Mannschaft ist stark, die Erwartungshaltung groß.

"Wir haben Geschichte geschrieben", sagte Lukasz Piszczek mit einem breiten Grinsen. Hinter ihm lag ein milder Abend im Warschauer Nationalstadion an jenem 11. Oktober 2014. Mit 2:0 hatte sein Team soeben die deutsche Nationalmannschaft bezwungen. Es war Polens erster Sieg gegen die DFB-Elf überhaupt. Ein historischer Erfolg.

"Die heutige Mannschaft" hatte Verbandspräsident Zbigniew Boniek schon einen Monat zuvor angekündigt, "ist nicht schlechter als die legendäre von 1982." Damals waren seine vollmundigen Worte noch hinterfragt worden. Ganz schön forsch, was Boniek da von sich gibt, so der Tenor. Nur muss er es doch wissen. Boniek war schließlich dabei, als Polen die WM in Spanien vor 34 Jahren als Dritter beendete und damit den neben dem Olympiasieg 1972 fußballerisch größten Erfolg des Landes feierte.

Es war eine Aussage, die auch große Hoffnungen weckte. Im Nachbarland erwarten sie bei der diesjährigen Europameisterschaft von Piszczek und Co. mindestens das Achtelfinale. Noch nie hat eine polnische Auswahl die K.o.-Phase bei einer EM erreicht. 

Polens Prunkstück

Bei der ersten Teilnahme 2008 schieden die "weißen Adler" sieglos aus. Dasselbe Schicksal ereilte Polen vor vier Jahren als Co-Gastgeber. Umso mehr lechzt das Team jetzt nach einem Erfolg. Und es gibt durchaus Grund zum Optimismus. 

"Wir fahren reifer und erfahrener nach Frankreich, als wir es bei der EM 2012 waren", gab etwa Jakub Blaszczykowski vor Turnierbeginn in der Sport Bild zu bedenken. Der Auftakt war zwar zäh, er ist mit dem 1:0-Sieg gegen Nordirland aber geglückt. Am Donnerstag will die Elf von Trainer Adam Nawalka im Stade de France gegen Deutschland nachlegen (21.00 Uhr im LIVE-TICKER ).

Besonders im Fokus steht, wie sollte es anders sein, Robert Lewandowski, der Bundesliga-Torschützenkönig. "Robert", ist Nawalka sicher, "ist die beste Nummer neun der Welt." Mit 13 Treffern war der Angreifer vom FC Bayern in der EM-Qualifikation erfolgreichster Torjäger. Seit 2014 ist er Kapitän der Auswahl. 

Unterstützt wird Lewandowski im Angriff vom ehemaligen Bundesliga-Profi Arkadiusz Milik, dessen Dienste sich Bayer Leverkusen im Januar 2013 sicherte. Vier Kurzeinsätze später wechselte Milik auf Leihbasis zum FC Augsburg, blieb dort aber mit zwei Treffern in 18 Bundesliga-Spielen blass. Es folgte ein weiteres zeitlich begrenztes Engagement: Bei Ajax Amsterdam. 2015 überwiesen die Niederländer schließlich kolportierte drei Millionen Euro ins Rheinland, um Milik dauerhaft zu binden. Eine kluge Investition. In der abgelaufenen Saison traf Milik 21 Mal.

Der Angriff ist Polens Prunkstück. 33 Treffer und damit so viele wie kein anderes Team erzielten Lewandowski, Milik und Co. auf dem Weg zur EM, 15 davon allerdings in den beiden Spielen gegen Gibraltar. 

Homogene Truppe mit zwei Superstars

Probleme hat das Team indes, wenn es darum geht, Tore zu verhindern. In der Qualifikation etwa kassierte von den EM-Teilnehmern nur Tschechien (13) mehr Gegentore als Polen (zehn). Abwehrchef Kamil Glik vom FC Turin und Dortmunds Piszczek haben internationale Klasse, Innenverteidiger Michal Pazdan und Artur Jedrzejczyk dagegen fehlt die Erfahrung auf höchstem Niveau, und auch die Qualität, um Top-Spieler in Schach halten zu können.

Im Mittefeld ist Polen dagegen ambitioniert besetzt. Allen voran mit Grzegorz Krychowiak, der zu den wahrscheinlich besten Sechsern überhaupt zählt. Sowohl im Spiel gegen den Ball als auch im eigenen Spielaufbau verfügt der zweifache Europa-League-Sieger vom FC Sevilla über weit überdurchschnittliche Qualitäten.

Blaszczykowski ist ohnehin bekannt, dazu standen beim Auftaktspiel der 19-jährigen Bartosz Kapustka (Cracovia Krakau), eines der größten Talente des Landes, und Krzysztof Maczynski (Wisla Krakau) in der Startelf.  Erste Optionen von der Bank sind Kamil Grosicki von Stade Rennes, der Ex-Kölner Slawomir Peszko (Lechia Gdansk) sowie Tomasz Jodlowiec (Legia Warschau).

Unter dem Strich ist die Mannschaft eine homogene Truppe, gespickt mit den Superstars Lewandowski und Krychowiak. Gegen favorisierte Teams wie Deutschland zieht sich Polen meist zurück, setzt auf schnelle Umschaltmomente und Konter. Die Nawalka-Elf ist allerdings flexibel, kann auch agieren statt reagieren. 

Podolski: "Polen hat einen großen Sprung gemacht"

"Die Polen", sagte Lukas Podolski auf der Pressekonferenz am Dienstag, "haben einen großen Sprung gemacht. Sie haben sich sehr gut entwickelt und haben mittlerweile viele Spieler im Ausland. Ich hoffe, dass sie hinter uns ins Achtelfinale einziehen."

Das ist auch das Ziel der Polen, mindestens. Und ein Muss, will das Team der legendären Mannschaft von 1982 ernsthaft das Wasser reichen. "Ob die aktuelle polnische Mannschaft als goldene Generation bezeichnet werden kann", sagte Ex-Profi Tomasz Waldoch in der Sport Bild : "müssen wir erstmal abwarten. Es gehört immer dazu, sich bei einem großen internationalen Turnier gut zu präsentieren, bevor dieser Begriff in den Mund genommen werden kann."

Lewandowski, Piszczek und Co. ist das bewusst: Sie wollen erneut Geschichte schreiben. Wie im Oktober 2014. 

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