Mit Erfolgen verwöhnte die kroatische Nationalmannschaft die Fußball-Fans im eigenen Land in den letzten Jahren gewiss nicht. WM 2014 - Aus in der Vorrunde, WM 2010 - gar nicht erst qualifiziert. Die EM-Statistik liest sich derweil auch nicht wirklich besser. 2012 musste man nach der Gruppenphase die Segel streichen, 2008 erreichte man zwar immerhin das Viertelfinale, doch ein Finale oder gar einen Titel gab es für die Nation am adriatischen Meer noch nicht zu bejubeln.
Nun steht die Europameisterschaft in Frankreich vor der Tür und die Hoffnungen der Anhänger auf einen Triumph des Teams von Trainer Ante Cacic waren selten größer. Die gestiegene Erwartungserhaltung hat genau einen Grund, oder besser gesagt drei Gründe. Luka Modric, Ivan Rakitic und Mateo Kovacic.
Das Trio ist das Herz der kroatischen Mannschaft und das wahrscheinlich beste zentrale Mittelfeld aller teilnehmenden EM-Teams. Doch wie sind die Aufgaben unter den drei Ausnahmespielern verteilt und wie agieren sie taktisch? Eine Analyse.
In der EM-Qualifikation vertraute der Coach ab dem vierten Spieltag ausnahmslos auf sein bevorzugtes 4-2-3-1. Das System hat Cacic bewusst auf das Trio zugeschnitten. Modric, Kovacic, Rakitic bilden ein kongeniales Dreieck, dass in der Zentrale das Spiel der Kroaten schaltet und waltet. Sie sind das Grundgerüst des Teams, mit dem Real-Duo auf der Doppelsechs und dem Barcelona-Star Rakitic als verkapptem Zehner in der offensiveren Rolle.
Modric ist der Chef
Luka Modric fungiert dabei als der Chef im Mittelfeld. Der wendige 30-Jährige ist fast immer die erste Anspielstation im Spielaufbau der Kroaten. Seine Ballkontrolle und vor allem sein Passspiel sind absolute Extraklasse. Mit klugen Zuspielen eröffnet der 1,74-Mann die Angriffe seiner Mannschaft und ist als Ballverteiler nicht zu ersetzen. Ein Beispiel: In der letzten Champions-League-Saison kamen von Modrics 797 Pässen starke 724 an. Macht eine Quote von 91 Prozent.
Während Modric den offensiveren Part auf der Doppelsechs übernimmt und für die Spielgestaltung zuständig ist, wird Kovacic sich vor allem um die Defensivaufgaben kümmern und die Drecksarbeit erledigen. Was den 22-Jährigen so wertvoll macht, ist seine enorme Zweikampfstärke. Egal ob im Pressing nach vorne oder durch intensives Nachsetzen in der Rückwärtsbewegung, der frühere Mailänder erobert enorm viele Bälle. Aufgrund seiner Schnelligkeit weiß er auch Laufduelle über längere Distanzen für sich zu entscheiden. Kovacic ist zwar nicht so flink wie sein Nebenmann, doch ist er mit einer starken Dynamik ausgestattet.

Ivan Rakitic ist der Dreh- und Angelpunkt in der kroatischen Offensive. Ist das Team von Trainer Cacic im Ballbesitz, fungiert der ehemalige Schalker als Zehner und soll mit seiner ausgeprägten Spielintelligenz, dem guten Passspiel und seinem starken rechten Fuß für Akzente vor dem gegnerischen Tor sorgen. Durch seine Athletik und seine enorme Ballkontrolle schafft es der 28-Jährige, viele Bälle zu halten und die Außenbahnen bzw. den Stürmer klug in Szene zu setzen. Ist jedoch der Gegner in Ballbesitz, lässt er sich fallen und macht das Zentrum dicht. Seine Kopfballstärke wird den Kroaten außerdem bei Standards enorm helfen.
Der Erfolg der Kroaten wird von der Form der drei Superstars aus der Primera Division abhängen. Schafft es das Trio seine Leistung auf den Platz zu bringen, kann es das Team mit seiner Physis und ihren Leader-Qualitäten weit tragen. Mit Mandzukic und Perisic hat der Kader neben den drei vor allem in der Offensive viel Torgefahr zu bieten.
"Können den Titel gewinnen"
"Kroatien kann den EM-Titel gewinnen", sagt Mittelfeldstar Ivan Rakitic vor der EM-Endrunde in Frankreich. "Wir haben den Wunsch, unser ganzes Volk stolz zu machen." Auch der Trainer zeigt sich selbst bewusst. "Wir gehören zu den Top-Ten-Teams, was die Qualität betrifft", sagte Trainer Ante Cacic im Interview mit der französischen Nachrichtenagentur AFP: "Wir sind uns bewusst, dass wir gut sind und gegen jede Mannschaft auf der Welt gewinnen können."
Bereits jetzt bezeichnen viele das Team um Modric, Rakitic und Kovacic als goldene Generation des Landes. Auch wenn es bislang nicht zu einem großen Finale bzw. einem Titel reichte, ist vor allem das Mittelfeld zweifelsohne das Beste was der kroatische Fußball jemals zu bieten hatte. Selbst beim WM-Halbfinaleinzug 1998 war das Team trotz Stars wie Davor Suker, Zvonimir Soldo oder Igor Tudor schwächer besetzt als heute.
Nun wollen die Kroaten ihre Generation unbedingt krönen und da scheint das Gastgeberland ein gutes Pflaster für die Elf von Ante Cacic zu sein. Denn der erste und einzige Halbfinaleinzug in einem großen Turnier gelang Kroatien - genau - in Frankreich.
