Mit Wehmut und Stolz: Lukas Podolski nimmt Abschied

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Lukas Podolski verabschiedet sich mit seinem 130. Länderspiel aus der Nationalmannschaft. Er darf gegen England als Kapitän auflaufen.

Zum Abschied leistet sich Lukas Podolski einen seiner unvergleichlichen Lausbuben-Streiche. Seinem kurzzeitig abgelenkten Übersetzer raunt er nach einer Frage über Bastian Schweinsteiger zu, es gehe um Philipp Lahm. Der Dolmetscher fällt darauf rein, er nennt den falschen Namen - und Podolski, der Weltmeister, freut sich wie ein Kind, das dem Mädchen aus der Parallelklasse Zahnpasta unter die Türklinke geschmiert hat.

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Insofern ist Podolskis letzte Pressekonferenz am Ende von 13 Jahren als deutscher Nationalspieler nicht anders, als sie 2006 oder 2010 gewesen wäre. Sie ist sogar typisch - locker, lustig und mit flotten Sprüchen abgeschmeckt. Und doch: Wenn Podolski im Dortmunder Fußballmuseum von "Stolz" spricht, von "schönen und geilen Jahren", muss er kräftig schlucken.

Der 31-Jährige ist im Prestigeprojekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zunächst die Treppe neben dem Weltmeister-Bus von 2014 hinabgelaufen, dann wird ein Video eingespielt. Rudi Völler sagt warme Worte, die Kabarettistin Carolin Kebekus kreischt, Jürgen Klinsmann gratuliert zu einer "fantastischen Karriere". Podolski amüsiert sich prächtig, Joachim Löw begrüßt er mit einer Umarmung.

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Besonders freut er sich über Löws Präsent: Lukas Podolski wird zu seinem 130. und letzten Länderspiel am Mittwoch (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) gegen England in Dortmund als Kapitän auflaufen. "Das ist sensationell! Mehr geht nicht", sagt er.

So cool und lässig Podolski da im schwarzen Trainingsanzug sitzt, ist ihm doch anzumerken, dass ein prägender Lebensabschnitt endet. "Es ist ein komisches Gefühl", berichtet er mit einem Schuss Wehmut, "nun kommen Momente, in denen man denkt: Das war's jetzt." Nach 13 Jahren, bisher 129 Länderspielen, sieben großen Turnieren, 48 Toren und dem WM-Titel 2014. "Da kann man doch stolz drauf sein", sagt er.

Die DFB-Karriere hat er wie im Zeitraffer erlebt. "Die Zeit verfliegt. Das sieht man vor allem, wenn man selbst Kinder hat. Immer nur Koffer packen, Spiel, Abreise." Da bleibe wenig Muße zum Verarbeiten: "Das kommt erst, wenn man sich zur Ruhe setzt."

So weit ist es noch nicht. "Ich bin ja relativ jung", sagt Podolski, er will noch einige Jahre Fußball spielen. Demnächst in Japan bei Vissel Kobe - nur eben nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft, der er in dunkler Zeit 2004 einen Raketenschub verpasst hat.

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Am Mittwoch gegen 22.30 Uhr wird es vorbei sein. Podolski freut sich auf "schöne und emotionale Momente", auch wenn er dem Trubel gern ausweichen würde: "Das ist nicht so meins mit den Ehrungen."

"Lukas ist einmalig"

Sichtlich gerührt ist er allerdings, als sein Dauerbegleiter Löw zur Huldigung ansetzt. "Lukas ist einmalig. Er hat sich wahnsinnig eingebracht, die Nationalmannschaft war wie eine Familie für ihn", sagt der Bundestrainer. "Ihm fliegen überall, wo er hinkommt, die Herzen zu. Er hat eine unglaubliche Empathie, unglaublichen Respekt für die Menschen."

Das gilt vom kleinen Fan, mit dem er vor der PK ein Foto schießt, bis hin zum gefoppten Übersetzer, von dem er sich herzlich verabschiedet. Er erhält sogar eine Erwähnung in Podolskis finaler Danksagung.

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Löw spricht schließlich die passendsten Worte des Tages. "Es wird ein schöner Moment, für mich aber auch ein trauriger. Es bedeutet Abschied. Wir sind einen langen Weg zusammen gegangen, über viele Hürden gekommen, wir haben viel erlebt", sagt er. "Sowohl Enttäuschungen als auch größte Freude. Lukas war einer der größten Spieler, die Deutschland hervorgebracht hat."

Da kann Lukas Podolski nur dankbar nicken. Hat er noch ein Schlusswort? Nein, sagt er: "Es ist alles gesagt."

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