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EM 2016

Juan Bernat bei Bayern: Ein Traum in der Wachphase

20:30 MESZ 07.09.15
Juan Bernat FC Bayern München Bundesliga 18072014
Noch vor einem Jahr als Senkrechtstarter gefeiert, findet sich Bernat in München aktuell zumeist auf der Bank wieder. Der Traum ist ausgeträumt, dennoch gehört ihm die Zukunft.

"Er spielt so Fußball, wie er redet: kurz, knapp, schnell, prägnant", erklärte Matthias Sammer im Rahmen der Vorstellung von Juan Bernat beim FC Bayern München. In seinem ersten Jahr beim deutschen Rekordmeister hat er allerdings kaum geredet, spazierte in der Mixed Zone zumeist unbeobachtet an der wartenden Journalistenmeute vorbei. Und nun spielt er auch kaum mehr.

Auf 162 Minuten bringt es der kleine Spanier nach den ersten fünf Pflichtspielen - vor genau einem Jahr waren es nach fünf Partien derer 393. Wenn man so will, ist Bernat der Verlierer der Vorbereitung und der neuen Saison in München. Wo Douglas Costa noch gefeiert wird, wie der Spanier vor einem Jahr, hat den 22-jährigen Senkrechtstarter mittlerweile der triste Alltag eingeholt.

Bei einem Klub wie den Roten gibt es keine uneingeschränkten Stammspieler, die Zeiten wo es hieß, "Müller spielt immer", sind längst vorbei. Der Kader ist qualitativ zu hochwertig besetzt, als dass es nur eine feststehende erste Elf gäbe. Eine Tatsache, wie man sie in München auch immer wieder betonte: Es gibt nur eine Mannschaft, jeder Spieler ist wichtig für das große Ganze.

"Juan Bernat Guardiola"

Dennoch schien Bernat und Trainer Pep Guardiola eine spezielle Beziehung zu verbinden, beide bewundern ihr Gegenüber und haben eine hohe Meinung voneinander - was ihm auch den Spitzname "Juan Bernat Guardiola" einbrachte. Während sich viele Fans ob der Verpflichtung des Valencia-Talents vor 14 Monaten fragend am Kopf gekratzt haben dürften, reifte Bernat unter seinem spanischen Landsmann auf Anhieb zum Stammspieler und Leistungsträger.

Es folgte prompt das Debüt in der Nationalmannschaft, die Kritiker wurden endgültig Lügen gestraft. 31 Bundesliga-Partien, insgesamt 49 Pflichtspiele und nur 59 verpasste Minuten in der kompletten Champions League sprechen eine eindeutige Sprache. Bernat war wichtig, Bernat wurde gefeiert, Bernat wurde zum unkaputtbaren Star erkoren.

Während sich Franck Ribery, David Alaba, Thiago & Co. beim damaligen Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die Klinke in die Hand drückten, drehte Bernat unermüdlich seine Runden auf dem Trainingsplatz und pflügte die linke Seite der Allianz Arena beharrlich auf und ab. Egal ob für den Österreicher oder den Franzosen, Bernat war quasi das Mädchen für alles - der Vielseitigkeit zum Dank. Und dabei machte er seine Sache mehr als ordentlich.

Doch der Wettbewerb ist unaufhaltsam, und vor allem in der Offensive fehlte dem U19-Europameister von 2012 oftmals ein ruhiges Füßchen. Angesichts seines Alters mangelt es außerdem an der nötigen Erfahrung, was in den CL-Halbfinalduellen gegen Barcelona deutlich wurde, wo Bernat vor allem im Hinspiel nichts bis gar nichts gelang. Aber gerade die ganz großen Spiele gilt es in der bayerischen Landeshauptstadt zu gewinnen. Und dafür hat man sich gerüstet.

Neben Costa kam auch noch Arturo Vidal - zwei Transfers, die für Bernat gleich in doppelter Hinsicht bitter sind. Nachdem sich der Chilene im zentralen Mittelfeld breit macht, rückt Alaba automatisch wieder auf die Linksverteidigerposition. Und eben jener Costa beackert die linke Offensivseite, solange Ribery zwischen Rehazentrum und Sportinvalidität pendelt. Die Alternativen sind plötzlich zahlreicher geworden - und aktuell auch besser.

Konkurrenz ist stärker

Spieler, die sich im direkten Duell gegen Alaba durchsetzen würden, kann man wie die Nadel im Heuhaufen suchen. Und auch an Costa gibt es in der derzeitigen Form absolut kein Vorbeikommen. Trainer Guardiola stellt nach Leistung auf, das bekamen in der Vergangenheit schon ganz andere Stars zu spüren. Und nun eben auch Bernat, der sich plötzlich mit einer ganz neuen Rolle zurechtfinden muss.

"Ich würde gerne mit 18 gegen 11 spielen lassen", witzelte Pep einst - am Ende ist aber eben nur Platz für elf Spieler. Und zu diesen elf zählt Bernat im Moment nicht. Gegen Bayer Leverkusen kam er zu seinen ersten Bundesligaminuten - allerdings auch nur auf Grund der Tatsache, dass mit Jerome Boateng und Medhi Benatia die halbe Viererkette ausgefallen ist.

Der Spanier dürfte es dennoch gelassen nehmen, schließlich verlief sein erstes Jahr beim deutschen Rekordmeister "wie im Traum". Dieser ist vorerst ausgeträumt, doch wird Bernat auch noch in dieser Spielzeit seine Minuten bekommen. Die Saison ist lang, die Spiele zahlreich und die Kollegen immer wieder mal verletzt. Mit gerade 22 Jahren hat er seine Zukunft noch vor sich, auch in der spanischen Nationalmannschaft, wo er hinter Jordi Alba im Moment ebenfalls nur zweite Wahl ist.

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